Nach dem gewaltsamen Tod einer trans* Frau in Pakistan hat die Polizei jetzt zwei Tatverdächtige festgenommen. Das Opfer, das unter dem Namen Zoya bekannt war, wurde nach Angaben der Ermittlungsbehörden am letzten Wochenende in der Stadt Bahawalnagar angegriffen und erlag am folgenden Tag den erlittenen Verletzungen.
Das Wichtigste im Überblick
- Tödlicher Angriff: In der pakistanischen Stadt Bahawalnagar wurde die trans* Frau Zoya mutmaßlich von vier Menschen mit Stöcken attackiert. Einen Tag später starb Zoya an den Verletzungen.
- Zwei Festnahmen: Die Polizei hat gegen vier Verdächtige ein Mordverfahren eingeleitet. Zwei mutmaßlich beteiligte Brüder wurden jetzt festgenommen.
- Bereits etwa einen Monat vor dem Angriff hatte Zoya bei der Polizei Anzeige wegen Belästigung, Gewalt und Todesdrohungen erstattet.
- Zurückgewiesene Annäherungsversuche: Nach Angaben der Ermittler sollen die Verdächtigen Zoya bedroht haben, nachdem diese eine Beziehung mit ihnen abgelehnt hatte.
- Zoya arbeitete mehrere Jahre bei der Bezirksverwaltung der Polizei und unterstützte dort unter anderem trans* Menschen.
Totschlag mit Stöcken
Die Polizei geht davon aus, dass vier Menschen an der Attacke beteiligt waren. Gegen alle vier Verdächtigen wurde ein Mordverfahren eingeleitet. Zwei mutmaßliche Täter, bei denen es sich Berichten zufolge um Brüder handelt, befinden sich inzwischen in Polizeigewahrsam. Wie das Nachrichtenportal UA.NEWS berichtet, ereignete sich der Angriff, als Zoya gemeinsam mit ihrer Schwester Mehnaz Bano auf dem Weg zum Bezirkskrankenhaus DHQ war. Dabei sollen die Angreifer mit Stöcken brutal immer wieder auf Zoya eingeschlagen und schwere Verletzungen verursacht haben. Trotz der anschließenden medizinischen Versorgung starb Zoya einen Tag später.
Morddrohungen nach Zurückweisung
Besonders schwer wiegt der Umstand, dass Zoya die Polizei bereits vor dem tödlichen Übergriff über Bedrohungen und Gewalterfahrungen informiert hatte. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden hatte die trans* Frau etwa einen Monat vor der Tat bei der Polizeidienststelle B Division eine Beschwerde eingereicht. Darin wurden mehrere Personen beschuldigt, Zoya wiederholt belästigt, körperlich angegriffen und mit dem Tod bedroht zu haben.
Die Polizei teilte mit, dass die Verdächtigen zuvor versucht haben sollen, eine Beziehung mit Zoya einzugehen. Nachdem Zoya diese Annäherungsversuche zurückgewiesen hatte, sollen die Männer mit Belästigungen und Drohungen begonnen haben. Die bereits vor dem Angriff erstattete Anzeige ist damit ein wesentlicher Bestandteil der Ermittlungen. Ob und welche Schutzmaßnahmen die Behörden nach der Beschwerde ergriffen hatten, geht aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht hervor. Die Ermittlungen richten sich weiterhin gegen vier Verdächtige. Zwei von ihnen wurden bislang festgenommen.
Zoya unterstützte Menschen
Zoya hatte sich in Bahawalnagar über mehrere Jahre für die Anliegen von Menschen eingesetzt, die Unterstützung im Umgang mit staatlichen Behörden benötigten. Dazu war Zoya in einer besonderen Funktion bei der Bezirksverwaltung der Polizei von Bahawalnagar tätig. Die Aufgabe bestand darin, Beschwerden und Hilfegesuche von Betroffenen entgegenzunehmen und bei deren Bearbeitung mitzuwirken. Im Rahmen dieser Arbeit engagierte sich die trans* Frau insbesondere auch für die queere Gemeinschaft. Dabei ging es unter anderem um Schwierigkeiten, mit denen trans* Menschen im Alltag und im Kontakt mit Behörden konfrontiert sind. Zoya nutzte die berufliche Tätigkeit, um Betroffene zu unterstützen und auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.
Schwieriger Lebensalltag
Pakistan verfügt über eine lange kulturelle Tradition geschlechtlicher Vielfalt. Eine besondere Rolle spielt dabei die Gemeinschaft der sogenannten Khwaja Sira, die seit Jahrhunderten Teil der gesellschaftlichen und kulturellen Geschichte Südasiens ist. Die Bezeichnung umfasst unterschiedliche geschlechtliche Identitäten und traditionelle Gemeinschaften, die sich nicht vollständig mit westlichen Kategorien von Geschlecht gleichsetzen lassen. Trotz dieser historischen Verankerung sind trans* Menschen in Pakistan weiterhin erheblichen gesellschaftlichen Benachteiligungen ausgesetzt. Menschenrechtsorganisationen weisen seit Jahren auf Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt gegen Angehörige der Gemeinschaft hin. Auch der Zugang zu staatlichen Einrichtungen und die Durchsetzung bestehender Rechte können für Betroffene mit Schwierigkeiten verbunden sein.
Mit dem 2018 verabschiedeten „Transgender Persons (Protection of Rights) Act“ schuf Pakistan auch einen gesetzlichen Rahmen zum Schutz von trans* Menschen, im Mai 2023 kippte das Bundes-Scharia-Gericht Pakistans aber zentrale Teile dieses Gesetzes wieder. Das Gericht urteilte, dass die freie Geschlechtswahl unislamisch sei. Trotzdem werden trans* Menschen bis heute gewisse Rechte zugestanden, auch mit Blick auf die traditionelle Gruppe der Hijras, oft als drittes Geschlecht verstanden. Homosexualität indes ist in Pakistan illegal und wird mit teils lebenslangen Haftstrafen geahndet. Der grausame Tod der trans* Frau schockt derweil die ganze Community im Land. Besonders bitter: Der Name Zoya stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „das Leben“.