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Studie über Schwule überrascht Weniger Angst und Depressionen dank Dating-Apps

Von ms - 28.10.2026 - 16:30 Uhr
Mehr Dating-Apps, weniger Stress?
Foto: iStock / DeanDrobot
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Wer als schwuler Mann gleichzeitig Grindr, Growlr, Tinder, Hinge, Romeo oder Hornet nutzt, könnte damit nicht nur seine Chancen bei der Partnersuche erhöhen. Einer neuen australischen Studie zufolge hängt die Nutzung unterschiedlicher Dating-App-Typen bei schwulen Männern auch mit einem besseren psychischen Wohlbefinden zusammen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Überraschendes Studienergebnis: Schwule Männer, die sowohl spezielle als auch allgemeine Dating-Apps nutzen, weisen geringere Werte bei Depressionen, Angst und Stress auf.
  • Forscher der australischen Flinders University untersuchten den Zusammenhang zwischen Dating-App-Nutzung und psychischem Wohlbefinden.
  • Die Wissenschaftler verglichen Plattformen mit unterschiedlichen Kontaktmöglichkeiten, Benutzeroberflächen und Kommunikationsregeln.
  • Unterschiede nach sexueller Orientierung: Bei heterosexuellen Männern war die kombinierte Nutzung mehrerer App-Typen dagegen mit stärkeren Ängsten verbunden.
  • Mehr Chancen auf Erfolg: Die Forscher vermuten, dass verschiedene Plattformen unterschiedliche Bedürfnisse nach Liebe, Sex oder sexueller Selbstfindung erfüllen können.

Mehrere Dating-Apps

Die Wissenschaftler stellten fest, dass schwule Männer, die sowohl spezielle Dating-Plattformen für Schwule und bisexuelle Männer als auch allgemeine Dating-Apps verwendeten, geringere Werte bei Depressionen, Angstzuständen und Stress aufwiesen als Teilnehmer, die sich auf eine der beiden Kategorien beschränkten. Die Untersuchung stammt von Forschern der Flinders University in Australien. Ihre Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Psychology & Sexuality“ veröffentlicht. Studienleiter Zac Bowman, Doktorand am College of Human Sciences and Culture der Universität, betont, dass sich Dating-Plattformen in ihrer Funktionsweise deutlich unterscheiden. „Es gibt mehrere grundlegende Unterschiede zwischen Dating-Apps für schwule Männer und allgemeinen Dating-Apps, die das Nutzererlebnis erheblich beeinflussen können. Dazu gehören die Benutzeroberfläche, das Teilen von Bildern und die Möglichkeit, unerwünschte Nachrichten zu erhalten“, erklärt Bowman. Die Unterschiede könnten beeinflussen, wie Nutzer Kontakte knüpfen, welche Erfahrungen sie machen und wie sie die Partnersuche erleben.

Grindr anders als Tinder 

Für ihre Untersuchung unterschieden die Forscher zwischen speziellen Dating-Apps für schwule Männer und allgemeinen Plattformen. Auf Grindr werden Nutzern zahlreiche Profile gleichzeitig angezeigt. Häufig stehen dabei das körperliche Erscheinungsbild und freizügige Profilbilder im Vordergrund. Die Plattform ermöglicht es grundsätzlich, andere Nutzer direkt anzuschreiben. Dadurch können auch unerwünschte Nachrichten oder ungefragt verschickte sexuell explizite Bilder zum Alltag gehören. Frühere wissenschaftliche Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass die Objektifizierung von Körpern auf Dating-Apps für schwule Männer weit verbreitet ist.

Bei Tinder und Hinge ist das Prinzip zum Beispiel dagegen anders aufgebaut. Dort werden Profile einzeln angezeigt. Nutzer können durch Wischbewegungen oder andere Auswahlmöglichkeiten ihr Interesse signalisieren. Ein gegenseitiges Interesse, ein sogenanntes Match, ist Voraussetzung dafür, miteinander Nachrichten auszutauschen. Diese Unterschiede können dazu führen, dass die Plattformen für unterschiedliche Formen der Kontaktaufnahme genutzt werden.

Weniger psychische Belastungen 

Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob sich die Nutzung verschiedener Dating-App-Kategorien unterschiedlich auf das psychische Wohlbefinden auswirkt. Dabei berücksichtigten sie nicht ausschließlich homosexuelle Männer. „Dating-Apps für schwule Männer werden von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen genutzt, darunter bisexuelle Männer, sexuell neugierige Männer oder heterosexuelle Männer, die Freundschaften suchen“, schreiben sie. Um möglichst unterschiedliche Erfahrungen zu erfassen, warben die Forscher über soziale Medien und Anzeigen auf Grindr um Teilnehmer. Insgesamt beteiligten sich knapp 580 Männer an der Untersuchung.

Die Befragten machten Angaben dazu, welche Dating-Apps sie verwendeten und wie sie ihr psychisches Wohlbefinden einschätzten. Untersucht wurden unter anderem depressive Symptome, Angstzustände, Stress, das Selbstwertgefühl und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Das auffälligste Ergebnis zeigte sich bei Teilnehmern, die zu sexuellen Minderheiten gehörten, also schwul oder bisexuell sind.  Jene Männer, die sowohl spezielle schwule Dating-Apps als auch allgemeine Plattformen nutzten, berichteten insgesamt von geringeren psychischen Belastungen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass diese Gruppe „signifikant niedrigere Depressions-, Angst- und Stresswerte aufwies als Männer, die ausschließlich allgemeine oder speziell auf schwule Männer ausgerichtete Dating-Apps genutzt hatten“.

Weniger Angstsymptome 

Besonders bemerkenswert war der Zusammenhang mit Angstsymptomen. In der Studie heißt es: „Im Gegensatz dazu zeigten Teilnehmer aus sexuellen Minderheiten, die angaben, beide Arten von Dating-Apps zu nutzen, signifikant weniger Angstsymptome als Männer aus sexuellen Minderheiten, die ausschließlich allgemeine oder speziell auf schwule Männer ausgerichtete Dating-Apps verwendeten.“ Die Autoren erklärten weiter: „Dieses Ergebnis ist überraschend, da es nicht nur im Gegensatz zu einem Großteil der bisherigen Literatur steht, die über negative Zusammenhänge zwischen der Nutzung von Dating-Apps und der psychischen Gesundheit berichtet, sondern auch direkt dem Zusammenhang zwischen der Nutzung beider App-Arten und Angstzuständen widerspricht, der in dieser Studie bei heterosexuellen Männern festgestellt wurde.“

Hetero-Männer ticken anders

Bei heterosexuellen Männern zeigte sich ein anderes Bild, denn die Untersuchung ergab nicht für alle Teilnehmer denselben Zusammenhang. Männer, die sich selbst als heterosexuell bezeichneten und sowohl schwule als auch allgemeine Dating-Apps verwendeten, berichteten von stärkeren Ängsten. Die Wissenschaftler diskutieren mehrere mögliche Erklärungen. So könnten einige dieser Männer mit Fragen hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung beschäftigt sein. Andere könnten befürchten, wegen ihrer Nutzung schwuler Dating-Plattformen von ihrem sozialen Umfeld verurteilt zu werden. Solche Unsicherheiten könnten nach Einschätzung der Forscher zu erhöhten Angstwerten beitragen. 

Andere Erwartungen? 

Eine mögliche Erklärung für die niedrigeren Belastungswerte bei schwulen und bisexuellen Männern sehen die Wissenschaftler in den unterschiedlichen Erwartungen an Dating-Plattformen. Nicht jeder Nutzer sucht auf jeder App dasselbe. Während manche Menschen vor allem an unverbindlichen sexuellen Begegnungen interessiert sind, wünschen sich andere eine feste Partnerschaft oder möchten ihre sexuelle Identität erkunden. Wer verschiedene Plattformen nutzt, könnte dadurch mehr Möglichkeiten haben, diese unterschiedlichen Ziele zu erreichen. So kann eine spezielle schwule Dating-App beispielsweise für die Suche nach einem sexuellen Kontakt verwendet werden, während eine allgemeine Plattform eher der Suche nach einer romantischen Beziehung dient. 

Die Forscher schreiben dazu: „Männer aus sexuellen Minderheiten können eine Vielzahl von Motiven für die Nutzung von Dating-Apps haben, beispielsweise Liebe, Sex oder die Erkundung ihrer sexuellen Identität. Die Nutzung verschiedener Arten von Dating-Apps könnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, diese Ziele zu erreichen.“ Entscheidend könnte demnach weniger die Anzahl der installierten Apps sein als die Möglichkeit, unterschiedliche Bedürfnisse auf passenden Plattformen zu verfolgen.

Erfolgserlebnisse sind wichtig 

Neben den unterschiedlichen Nutzungsmotiven untersuchten die Wissenschaftler auch mögliche Zusammenhänge zwischen persönlichen Erfolgserlebnissen und dem psychischen Wohlbefinden. Wer auf einer Dating-App findet, wonach er gesucht hat, könnte die Nutzung positiver bewerten. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine langfristige Partnerschaft handeln. Auch ein gewünschter sexueller Kontakt oder die Möglichkeit, die eigene Sexualität besser kennenzulernen, kann als Erfolg empfunden werden. „Der wahrgenommene Erfolg bei der Nutzung von Dating-Apps – also das Erreichen der gewünschten Ergebnisse – weist einen signifikanten Zusammenhang mit einem gesteigerten psychischen Wohlbefinden auf und könnte daher ein Grund für die geringeren psychischen Belastungen bei Männern aus sexuellen Minderheiten sein, die sowohl schwule als auch allgemeine Dating-Apps verwendeten“, heißt es in der Untersuchung. Die Verwendung verschiedener Plattformen könnte somit dazu beitragen, die eigenen Erwartungen besser zu erfüllen.

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