Schauspieler Justice Smith (31) hat sich kritisch mit den Erwartungen an Männlichkeit innerhalb und außerhalb der queeren Community auseinandergesetzt. Der für die zweite Staffel der schwulen Eishockeyserie „Heated Rivalry“ angekündigte Darsteller berichtete in einem Beitrag in den sozialen Medien über seine persönlichen Erfahrungen mit Vorurteilen, gesellschaftlichem Druck und widersprüchlichen Vorstellungen davon, wie ein queerer Mann auftreten sollte.
Das Wichtigste im Überblick
- Gesellschaftlicher Druck: Schauspieler Justice Smith berichtet, dass schwarze Männer besonders stark unter der Erwartung stehen, sich übertrieben männlich zu präsentieren.
- Vorwürfe nach dem Coming-Out: Als Smith auch traditionell maskuline Eigenschaften zeigte, wurde ihm vorgeworfen, zu „lügen“, „unehrlich“ zu sein oder sich selbst zu hassen.
- Kritik an Geschlechterklischees: Der Schauspieler sieht einen engen Zusammenhang zwischen Homophobie, Sexismus und der Abwertung von Weiblichkeit.
- Appell an die queere Community: Smith warnt davor, Männlichkeit grundsätzlich als negativ zu betrachten und damit neue Einschränkungen zu schaffen.
- Neue Rolle in „Heated Rivalry“: In der zweiten Staffel spielt er Harris Drover, einen offen schwulen Social-Media-Manager eines Eishockeyteams, der sich in einen ungeouteten Spieler verliebt.
Verstärkt unter Druck
Besonders schwarze Männer seien häufig mit der Erwartung konfrontiert, möglichst maskulin zu wirken. Gleichzeitig habe Smith nach seinem Coming-Out erlebt, dass bestimmte männliche Verhaltensweisen plötzlich infrage gestellt wurden. Mit seinen Äußerungen wollte der Schauspieler nach eigenen Angaben eine Diskussion innerhalb der Community über Geschlechtsausdruck und Männlichkeit anstoßen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, warum queere Männer zwar dazu ermutigt werden, traditionelle Geschlechterrollen zu überwinden, sich aber teilweise erneut rechtfertigen müssen, wenn sie bestimmte männliche Eigenschaften zeigen. Smith definiert sich selbst als queerer Mann.
Smith beschrieb, dass die Auseinandersetzung mit seiner eigenen Weiblichkeit für ihn zunächst eine befreiende Erfahrung gewesen sei. Die Frauen in seinem Leben hätten ihm geholfen, ein persönliches Verständnis von Männlichkeit zu entwickeln, das sich nicht allein an klassischen Rollenbildern orientiere. Dazu zählte er „meine Fähigkeit, meine Meinung zu sagen, meine Fähigkeit, mich durchzusetzen, meine Lautstärke und meine Fähigkeit, aktiv zu werden“. Sein Vater wiederum habe ihn darin bestärkt, auch Eigenschaften anzunehmen, die gesellschaftlich häufig als feminin gelten. Smith nannte dabei Sanftheit, Verletzlichkeit, Stärke und Kreativität. Diese Erfahrungen hätten ihm gezeigt, dass männliche und weibliche Eigenschaften nicht zwangsläufig Gegensätze sein müssten.
Die eigene sexuelle Identität
Besonders deutlich sei ihm das während seiner Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Identität geworden. „Als mir klar wurde, dass ich queer bin, hatte ich das Gefühl, dass es gesellschaftlich akzeptiert wurde, diese feminine Seite öffentlich auszuleben. Das war unglaublich bestärkend, besonders weil auf schwarzen Männern ein noch größerer Druck lastet, hypermaskulin zu sein“, erklärte Smith. Damit sprach der Schauspieler eine Erwartung an, die seiner Ansicht nach schwarze Männer in besonderem Maße betrifft: Sie sollen Stärke und traditionelle Männlichkeit verkörpern, während Verletzlichkeit oder ein femininer Geschlechtsausdruck häufig weniger akzeptiert werden.
Vorwürfe nach Coming-Out
Doch die Freiheit, die Smith durch das Annehmen seiner femininen Seite empfunden hatte, brachte nach seinen Angaben auch neue Schwierigkeiten mit sich. Als er später wieder stärker Eigenschaften zeigen wollte, die üblicherweise mit Männlichkeit verbunden werden, stieß er auf Ablehnung. Andere Menschen hätten ihm vorgeworfen, zu „lügen“, „unehrlich“ zu sein oder sich als queerer Mann „selbst zu hassen“. Smith beschrieb damit eine widersprüchliche Erfahrung: Während er sich zunächst von traditionellen Erwartungen an Männlichkeit lösen musste, wurde ihm anschließend teilweise die Freiheit abgesprochen, sich erneut maskulin auszudrücken.
Aus seiner Sicht besteht die Gefahr, dass innerhalb der queeren Community neue Regeln entstehen, die den persönlichen Geschlechtsausdruck ebenso einschränken wie die gesellschaftlichen Normen, gegen die sich queere Menschen lange gewehrt haben. Entscheidend sei deshalb nicht, ob bestimmte Eigenschaften als männlich oder weiblich gelten. Vielmehr müsse jeder Mensch selbst entscheiden können, welche davon zur eigenen Persönlichkeit gehören.
Homophobie und Sexismus
Smith sieht hinter den widersprüchlichen Erwartungen ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem. „Wie wir wissen, liegt die Wurzel der Homophobie im Sexismus. Sie besteht in der Abwertung und Entmenschlichung von Frauen und Weiblichkeit“, sagte der Schauspieler. Seiner Auffassung nach wird Weiblichkeit häufig als etwas Minderwertiges betrachtet. Das betreffe nicht nur Frauen, sondern auch Männer, die feminine Eigenschaften zeigen. Die damit verbundenen Vorurteile hätten zugleich das Verständnis einer gesunden Männlichkeit beschädigt.
Smith kritisierte, dass Männlichkeit in solchen Debatten teilweise nur noch mit Dominanz, Härte oder der Unterdrückung von Gefühlen verbunden werde. Dabei könnten Eigenschaften, die traditionell als maskulin gelten, auch auf positive Weise gelebt werden. Seine eigenen Erfahrungen mit den Frauen und seinem Vater hätten ihm gezeigt, dass Selbstbewusstsein, Durchsetzungsfähigkeit, Sanftheit und Verletzlichkeit nebeneinander bestehen können.
Kritik an queerer Community
Besonders wichtig war Smith offenbar zudem, die Diskussion nicht ausschließlich auf Vorurteile außerhalb der LGBTIQ+-Community zu beschränken. Auch unter queeren Menschen könne es zu Ablehnung kommen, wenn Männer einen betont maskulinen Geschlechtsausdruck wählen. Ein solches Auftreten werde mitunter als Rückschritt betrachtet, weil es an gesellschaftliche Rollenbilder erinnere, von denen sich viele queere Menschen bewusst befreien wollten. Smith warnte jedoch davor, daraus eine grundsätzliche Ablehnung von Männlichkeit abzuleiten. „Und dadurch lehnen wir Männlichkeit insgesamt als etwas Negatives ab“, erklärte er. „Damit schaffen wir eine ähnliche Einschränkung des Geschlechtsausdrucks, wie wir sie zuvor von der anderen Seite erfahren haben.“
Nach seiner Einschätzung besteht damit die Gefahr, dass Menschen erneut unter Druck geraten, einem bestimmten Bild zu entsprechen – nur diesmal unter anderen Vorzeichen. Wer sich als queerer Mann feminin ausdrücken möchte, sollte das ebenso selbstverständlich tun können wie jemand, der sich eher maskulin präsentiert. Eine solche Freiheit müsse auch dann gelten, wenn sich der eigene Geschlechtsausdruck im Laufe des Lebens verändert.
Männlichkeit ohne starre Regeln
Mit seinem Beitrag plädierte Smith letztlich für einen offeneren Umgang mit männlichen und weiblichen Eigenschaften. Er sprach sich dafür aus, dass jeder Mensch eine eigene Balance finden könne, ohne dafür die Anerkennung anderer zu verlieren. Männlichkeit und Weiblichkeit müssten nach seinem Verständnis nicht als feste Kategorien betrachtet werden, zwischen denen sich Menschen endgültig entscheiden müssen. Vielmehr könnten unterschiedliche Eigenschaften Teil derselben Persönlichkeit sein. Smith verbindet damit auch die Hoffnung auf einen respektvolleren Umgang innerhalb der queeren Community. Anstatt andere Menschen aufgrund ihres Auftretens vorschnell zu beurteilen, sollten unterschiedliche Formen des Geschlechtsausdrucks akzeptiert werden. Sein Appell richtet sich damit gegen zwei Extreme: den gesellschaftlichen Zwang zu übertriebener Männlichkeit und die Vorstellung, dass queere Männer ihre maskulinen Eigenschaften grundsätzlich ablegen müssten.
Neue Rolle in „Heated Rivalry“
Die Äußerungen des Schauspielers fallen in eine Phase, in der Smith auch beruflich stärker mit einer schwulen Liebesgeschichte in Verbindung gebracht wird. Bereits Anfang 2026 wurde bekannt gegeben, dass er in der zweiten Staffel von „Heated Rivalry“ die Rolle des Harris Drover übernehmen soll. Die Serie erzählt von schwulen Liebesbeziehungen im professionellen Eishockeysport und beschäftigt sich dabei unter anderem mit Homosexualität, Geheimhaltung und den Erwartungen eines traditionell männlich geprägten Umfelds. Smiths Figur Harris arbeitet als Social-Media-Manager für das Eishockeyteam Ottawa Centaurs und lebt offen schwul. Sein Gegenpart ist Troy Barrett, gespielt von Charlie Gillespie. Troy ist selbst Eishockeyspieler, hält seine Homosexualität jedoch geheim. Die Beziehung zwischen den beiden beginnt unter schwierigen Voraussetzungen. Zunächst ist ihr Verhältnis von Mobbing geprägt, bevor sich daraus allmählich eine Liebesgeschichte entwickelt.
Liebe im "Männersport"
Die Figuren Harris und Troy stehen damit für unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit der eigenen sexuellen Orientierung. Während Harris offen schwul lebt, versucht Troy, seine Identität vor seinem Umfeld zu verbergen. Gerade im Eishockey, das häufig mit körperlicher Härte, Konkurrenz und traditionellen Männlichkeitsbildern verbunden wird, bietet diese Konstellation Stoff für persönliche und gesellschaftliche Konflikte. Wie die Beziehung zwischen Harris und Troy in der zweiten Staffel konkret umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass Smith mit seinen persönlichen Äußerungen bereits vor seinem Auftritt in „Heated Rivalry“ eine Debatte angestoßen hat, die weit über die Serie hinausreicht.