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Putin soll Trump helfen Russland streut Missbrauchslügen vor US-Wahl

Von ms - 26.10.2026 - 09:00 Uhr
Putin soll Trump helfen
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
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Mit erfundenen Missbrauchsvorwürfen, manipulierten Videos und gefälschten Nachrichtenberichten versuchen offenbar mutmaßlich russische Akteure erneut, Einfluss auf die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten zu nehmen. Im Mittelpunkt stehen laut der Washington Post demokratische Politiker, deren Ansehen kurz vor den Kongresswahlen beschädigt werden soll. Nach Einschätzung von Desinformationsexperten könnten die Aktionen darauf abzielen, die politische Macht von US-Präsident Donald Trump zu sichern.

Das Wichtigste im Überblick

  • Mutmaßliche Wahleinmischung: Russische Desinformationsakteure sollen vor den US-Kongresswahlen 2026 gezielt Falschbehauptungen über demokratische Kandidaten verbreiten, um Präsident Donald Trump zu unterstützen.
  • Besonders beliebt sind demnach Behauptungen, die die Politiker in die Nähe von Homosexualität und/oder Pädophilie bringen. 
  • Erfundene Missbrauchsvorwürfe: Ein gefälschtes Video beschuldigte den texanischen Senatskandidaten James Talarico des sexuellen Missbrauchs eines ehemaligen Schülers. Der echte Betroffene widersprach ausdrücklich.
  • Analysen ordnen die Kampagne unter anderem der Gruppe Storm-1516 zu, die bereits 2024 den damaligen demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Walz angegriffen haben soll.
  • Nach Recherchen der Washington Post erhielt ein zentraler Akteur des Desinformationsnetzwerks Geld vom russischen Militärgeheimdienst.
  • Experten rechnen mit möglichen weiteren Versuchen, Zweifel an Wahlergebnissen zu schüren und politische Krisen in den USA zu verschärfen.

KI-Video und Missbrauchsvorwürfe

Ein besonders auffälliger Fall betrifft den demokratischen Senatskandidaten James Talarico im Bundesstaat Texas. Auf der Plattform X erschien in diesen Tagen ein Video, in dem ein Mann behauptete, er sei 2012 als Mittelschüler von Talarico sexuell missbraucht worden. Der Mann gab sich als Zyron Lewis aus, ein ehemaliger Schüler des Politikers. Die Anschuldigung verbreitete sich innerhalb kurzer Zeit im Internet, erwies sich jedoch als falsch. Zwar hatte Talarico zu jener Zeit tatsächlich an einer Mittelschule unterrichtet. Auch ein Schüler namens Zyron Lewis gehörte damals zu seinen Schülern. Doch die Person, die in dem Video schwere Vorwürfe erhob, war nicht der echte Lewis.

Der tatsächliche ehemalige Schüler erklärte gegenüber der Faktencheck-Plattform Lead Stories, dass Talarico ihn niemals missbraucht habe. Die Identität des Mannes war für die Verbreitung der Falschbehauptung missbraucht worden. X sperrte anschließend das entsprechende Konto. Der Fall zeigt nach Einschätzung von Beobachtern, wie gezielt persönliche Anschuldigungen eingesetzt werden können, um politische Kandidaten öffentlich zu diskreditieren. Dabei werden reale biografische Details mit erfundenen Vorwürfen verbunden, um die Geschichten glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Immer wieder werden dabei offenbar insbesondere Gerüchte über die vermeintliche Homosexualität von Kandidaten und Pädophilie-Anschuldigungen gestreut.  Die jüngsten Vorwürfe wurden inzwischen auch unabhängig überprüft. Die Analysefirma Graphika ordnet die mutmaßlich KI-generierten Videos mit hoher Sicherheit der russlandnahen Operation Storm-1516 zu. 

Russisches Netzwerk 

Die Spur führt zu einer Gruppe, die bereits im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2024 aktiv gewesen sein soll. Damals geriet der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat und Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, ins Visier einer nahezu identischen Kampagne. Auch ihm wurde in einem Video vorgeworfen, während seiner früheren Tätigkeit als Lehrer einen Schüler sexuell missbraucht zu haben. Die Anschuldigung war erfunden. Nach Einschätzung von Forschern steckt hinter beiden Aktionen das Netzwerk Storm-1516. Die Gruppe ist dafür bekannt, manipulierte Videos und erfundene Geschichten zunächst über kleinere Konten zu veröffentlichen. Anschließend werden sie von reichweitenstarken Profilen aufgegriffen und weiterverbreitet.

Ein weiterer Drahtzieher der Kampagnen soll laut der Washington Post ein rechtsextremer russischer Nationalisten und Putin-Unterstützer namens Aleksandr Dugin sein, der das „Center for Geopolitical Expertise“ (CGE) gründete. Zusammen mit dem Leiter von CGE, Waleri Korowin, sollen Falschmeldungen gezielt verbreitet worden sein. Laut der Recherche wurde die Gruppe mit Geldern des russischen Militärdienstes unterstützt und gefördert. Korowin war 2023 von Putin für Verdienste um das Vaterland ausgezeichnet worden. Als Begründung wurden die Erfüllung besonderer Aufgaben genannt. Bereits vier Jahre zuvor hatte Korowin dem russischen Verteidigungsministerium vorgeschlagen, einen Internetkrieg gegen die Vereinigten Staaten auf amerikanischem Territorium zu führen. „Die Möglichkeiten von Internetkriegen sind wirklich grenzenlos, und nur mit ihrer Hilfe können wir vollständige strategische Gleichwertigkeit mit unseren geopolitischen Gegnern erreichen“, lautete seine Aussage sinngemäß. 

Falsche Nachrichtenberichte 

Die Angriffe beschränken sich nicht auf einzelne Politiker. Seit mehreren Wochen kursieren in sozialen Netzwerken mehrere Videos, die demokratischen Kandidaten schwerwiegende Verfehlungen unterstellen. Einige Aufnahmen wurden so gestaltet, dass sie wie Beiträge bekannter Nachrichtenmedien aussehen. Unter anderem wurden die Namen von CNN und dem amerikanischen Magazin „Mother Jones“ verwendet. In einem der gefälschten Berichte wurde einem demokratischen Gouverneurskandidaten unterstellt, Minderjährige für sexuelle Dienstleistungen angeworben zu haben. Zudem soll er angeblich während seiner Tätigkeit für die Pfadfinder Sexpartys für Mitglieder der Demokratischen Partei organisiert haben.

Ein weiteres Video beschuldigte einen anderen demokratischen Gouverneurskandidaten, Crack an Studenten verkauft zu haben. Dadurch seien angeblich 17 Menschen gestorben. Für all diese Behauptungen wurden keine glaubwürdigen Belege vorgelegt. Offenbar kursieren derzeit rund 300 angebliche Straftaten und Skandale demokratischer Politiker. Bevor soziale Medien reagieren können, haben in vielen Fällen Hunderttausende Menschen die Fake-Videos gesehen, einige Beiträge erreichen mehrere Millionen Aufrufe. Mit der erneuten mutmaßlichen Unterstützung Trumps durch gezielte Desinformation könnte Putin darauf hoffen, die US-Hilfen für die Ukraine weiter zu schwächen, die Beziehungen zu Washington zu seinen Gunsten zu beeinflussen und die politische Spaltung der USA zu vertiefen. Experten gehen davon aus, dass die Welle von Fake-News und unbegründeten Anschuldigungen noch weiter zunehmen wird bis zu den Zwischenwahlen Anfang November in den USA - ebenso möglich sei dabei, dass nach den Wahlen gezielt Zweifel an Wahlergebnissen geschürt werden. 

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