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Tokio Hotel feiern großen Sieg Neuer Preis und neue Doku über die Erfolgsband

Von ms - 26.10.2026 - 08:00 Uhr
Tokio Hotel feiern großen Sieg
Foto: IMAGO / PIC ONE
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Großer Erfolg für Tokio Hotel: Die Band um die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz ist bei den NRJ Music Awards 2026 als bester deutscher Act ausgezeichnet worden. Bei der Preisverleihung im französischen Cannes gewannen die Musiker in der Kategorie „German Artist of the Year“.

Das Wichtigste im Überblick

  • Auszeichnung für Tokio Hotel: Die Magdeburger Band gewinnt bei den NRJ Music Awards 2026 in Cannes den Preis als „German Artist of the Year“.
  • Prominente Konkurrenz: Tokio Hotel setzen sich gegen Nina Chuba, Nico Santos und Felix Jaehn durch.
  • Internationale Gewinner: Auch Shakira, Bad Bunny, Djo und DJ Mosimann gehören zu den ausgezeichneten Künstlern.
  • 25 Jahre Bandgeschichte: In der ZDF-Dokumentation „Tokio Hotel – Gegen alle Regeln“ erzählen Bill und Tom Kaulitz, Georg Listing und Gustav Schäfer von ihrem Aufstieg und schwierigen Zeiten.
  • Bisher unveröffentlichte Aufnahmen: Die Musiker öffnen ihr privates Archiv und sprechen über Erlebnisse, die selbst innerhalb der Band lange nicht aufgearbeitet wurden.

„Absolut verdient“

Damit setzte sich die Gruppe, zu der auch Bassist Georg Listing und Schlagzeuger Gustav Schäfer gehören, gegen namhafte deutsche Konkurrenten durch. Ebenfalls nominiert waren Sängerin Nina Chuba, Musiker Nico Santos und DJ Felix Jaehn. Für Tokio Hotel ist die Auszeichnung ein weiterer Erfolg in einer inzwischen 25 Jahre währenden Bandgeschichte. Die vier Musiker, die einst als Schüler aus Magdeburg bekannt wurden, gehören damit auch mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrem internationalen Durchbruch zu den gefragten deutschen Musikacts.

Die NRJ Music Awards zählen zu den großen internationalen Musikpreisverleihungen. Über mehrere Wochen konnten Hörerinnen und Hörer des Radiosenders ENERGY aus verschiedenen Ländern für ihre Favoriten abstimmen. Die Gewinner wurden schließlich bei einer glamourösen Veranstaltung an der französischen Riviera bekannt gegeben. Neben den Preisverleihungen standen zahlreiche Live-Auftritte internationaler Künstler auf dem Programm. Der Preis ist auch deswegen besonders, weil das Publikum den Gewinner wählt und keine Jury. Bill und Tom Kaulitz bedanken sich kurz vor ihrem Tourstart via Video über Instagram bei ihren vielen Fans: Hallo Mäuse! Kurz vor unserem Tourstart erreichen uns fantastische Neuigkeiten. NRJ Music Award für Best German Act. Danke euch! Wir freuen uns da sehr drüber, wir lieben Preise! Vielen Dank! Ihr seid die Besten!“, so Bill, während Bruder Tom schelmisch ergänzte: „Und natürlich absolut verdient!“ 

Shakira und Bad Bunny 

Zu den weiteren Gewinnern des Abends gehörte die kolumbianische Sängerin Shakira. Sie wurde als „International Female Artist of the Year“ ausgezeichnet und setzte sich damit unter anderem gegen Taylor Swift, Ariana Grande, Olivia Rodrigo, Karol G, RAYE, Bebe Rexha und KATSEYE durch. Shakira erhielt zudem gemeinsam mit Burna Boy den Preis für die beste internationale Zusammenarbeit. Ausgezeichnet wurde ihr gemeinsamer Song „Dai Dai“. Gleich zwei Preise gingen auch an Bad Bunny. Der Musiker gewann die Kategorie „International Male Artist of the Year“ und wurde für seinen Titel „NUEVAYoL“ mit dem Preis für den internationalen Hit des Jahres geehrt. Als bester internationaler Newcomer setzte sich Djo durch. Den Preis als DJ des Jahres erhielt Mosimann, der unter anderem David Guetta, Martin Garrix und Ofenbach hinter sich ließ.

25 Jahre Tokio Hotel

Für Tokio Hotel fällt die Auszeichnung in ein besonderes Jahr. Die Band blickt auf ihr 25-jähriges Bestehen zurück und widmet sich ihrer außergewöhnlichen Geschichte in einer neuen ZDF-Dokumentation. „Tokio Hotel – Gegen alle Regeln“ zeichnet den Weg von vier Schülern aus Magdeburg zu international erfolgreichen Musikern nach. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die großen Erfolge, sondern auch die persönlichen Belastungen, Konflikte und Krisen, die die Band über die Jahre begleitet haben. Die Dokumentation enthält bisher unveröffentlichtes Archivmaterial und aktuelle Aufnahmen aus dem Alltag der Musiker. Dazu gehören Einblicke in die Proben und die Vorbereitungen auf die Jubiläumstour 2026. Bill und Tom Kaulitz, Georg Listing und Gustav Schäfer erzählen darin, wie aus vier Freunden eine Band wurde, die trotz zahlreicher Schwierigkeiten bis heute zusammengeblieben ist.

Schmerzhafte Erinnerungen

Anders als in den bisherigen Fernseh- und Podcastformaten der Kaulitz-Zwillinge steht in der neuen Produktion vor allem die Vergangenheit im Mittelpunkt. „Ich glaube, der ganz große Unterschied ist, dass wir unser Schließfach aufgemacht haben und wir ganz alte Materialien zur Verfügung gestellt haben, die wirklich noch niemand gesehen hat“, sagt Bill Kaulitz. Die Band habe sich bereits früh von Kameras begleiten lassen. Viele der damals entstandenen Aufnahmen seien jedoch nie öffentlich gezeigt worden. Nun sollen auch die weniger schönen Kapitel der Bandgeschichte sichtbar werden. „In der Doku gucken wir auf die dunklen Seiten und blicken auch mal auf die schwierigen Momente der Bandgeschichte zurück“, erklärt der Sänger. Normalerweise beschäftigten sich die Musiker nur wenig mit früheren Erlebnissen. Statt nostalgisch zurückzublicken, konzentrierten sie sich darauf, was als Nächstes komme. Die Arbeit an der Dokumentation habe das verändert.

„In der Doku haben wir uns wirklich mal mit der Vergangenheit auseinandergesetzt und hier und da auch ein bisschen aufgearbeitet“, sagt Bill. Dafür kehrten die Musiker auch an Orte zurück, die für ihre persönliche und berufliche Entwicklung eine besondere Bedeutung hatten. „Wir sind sogar an die Orte von früher gegangen“, berichtet Tom Kaulitz. Sein Bruder ergänzt, die Dreharbeiten hätten sie auch an schmerzhafte Stationen ihrer Karriere geführt. Außerdem kommen frühere Wegbegleiter zu Wort. „Und ja, da sind schon auch Sachen passiert, die glaube ich noch niemand vorher erfahren hat“, sagt Bill Kaulitz.

„Wir waren immer Außenseiter“

Der Titel der Dokumentation ist nach Ansicht der Musiker eng mit ihrer Geschichte verbunden. Schon vor ihrem Durchbruch hätten sie sich nur selten an Erwartungen und Vorgaben anderer gehalten. „Ich glaube, wir waren alle von Anfang an gegen alle Regeln. Wir hatten immer ein rebellisches Herz“, sagt Bill Kaulitz. Tom erinnert sich ebenfalls an Auseinandersetzungen mit Autoritätspersonen und Verantwortlichen aus der Musikbranche. Als die Band mit „Durch den Monsun“ bekannt wurde, waren die Zwillinge erst 15 Jahre alt. Trotz ihres jungen Alters hätten sie sich gegenüber erfahrenen Branchenvertretern behaupten müssen. „Genau, wir waren rebellisch, hatten immer Probleme mit Autoritäten, und wir mussten uns – als "Monsun" rauskam waren wir 15 und kleine Kinder – irgendwie auch in der Musikwelt durchsetzen, in der Branche, also auch intern“, erklärt Tom. 

Bill beschreibt die damalige Situation als ständigen Kampf um Anerkennung. „Wir waren als Band immer Außenseiter. Vor unserem Erfolg, aber auch als wir erfolgreich wurden. Wir waren immer die Außenseiter, die so ein bisschen ausgegrenzt wurden.“ Auch nach den ersten Erfolgen seien die Zweifel an der Zukunft der Gruppe groß gewesen. Viele hätten Tokio Hotel lediglich für eine kurzfristige Erscheinung gehalten. „Auch bei "Durch den Monsun" hieß es: Das ist ein One-Hit-Wonder, das wird nur einmal funktionieren“, erinnert sich Tom. Bill ergänzt, dass ihnen immer wieder vor einem möglichen Ende ihrer Karriere gewarnt worden sei. „Career Suicide“ habe es häufig geheißen.

Die Band ließ sich nicht stoppen

Wie schwierig der Umgang mit den damaligen Verantwortlichen gewesen sei, beschreibt auch Bassist Georg Listing. „Ich glaube dieser Satz "Das kann man so nicht machen" ist wahrscheinlich der meistgesagte Satz, vor allen Dingen in unseren Anfangsjahren.“ Bill erinnert sich daran, dass erfahrene Mitarbeiter der Musikindustrie die Wünsche der jungen Bandmitglieder häufig nicht ernst genommen hätten. „Die erste Zeit haben wir viel mit Leuten arbeiten müssen, die lange in der Musikindustrie waren. Die haben immer gesagt "Ach, die Kinder, was wollen die denn? Die wissen nichts. Ich mache das seit 25 Jahren." Wo wir als kleine Kinder gesagt haben: Doch!“ Für Tom ist genau diese Haltung bis heute kennzeichnend für Tokio Hotel. „Doch“ sei eigentlich das Lieblingswort der Band.

Dass die Gruppe nach all den Jahren weiterhin gemeinsam auf der Bühne steht, sei keineswegs selbstverständlich gewesen. Neben den erfolgreichen Zeiten habe es immer wieder schwierige Phasen gegeben. „Wir haben uns gesagt: Jetzt ist "Monsun" 21 Jahre, nächstes Jahr 22 Jahre alt. Wir sind jetzt seit 22 Jahren unterwegs und spielen jetzt eine Arena-Tour“, erzählt Tom. Dass die Karriere so lange anhalten würde, hätten wohl nur wenige erwartet – möglicherweise zeitweise nicht einmal die Musiker selbst. Bill fasst ihre Haltung gegenüber der Branche so zusammen: „Die klassischen Musikindustrie-Gesetze und -Regeln sind an uns immer ganz gut abgeprallt.“

Alte Aufnahmen, starke Gefühle

Für die Dokumentation sichteten die vier Bandmitglieder zahlreiche Aufnahmen aus den vergangenen 25 Jahren. Dabei kamen Erinnerungen zurück, die zum Teil längst in Vergessenheit geraten waren. „Das war einfach verrückt“, sagt Schlagzeuger Gustav Schäfer. Jedes Bandmitglied verbinde unterschiedliche Erlebnisse mit den einzelnen Jahren. Beim gemeinsamen Blick auf die Vergangenheit seien deshalb immer wieder Geschichten und Anekdoten aufgetaucht, an die sich die anderen zunächst nicht mehr erinnern konnten. „Das war glaube ich für jeden einzelnen schon viel Aufräumen“, sagt Schäfer.

Auch Georg Listing beschreibt die Beschäftigung mit der Vergangenheit als emotional. „Wir sind zusammen noch mal durch diese Geschichte gegangen und haben dazu gesprochen. Wir haben auch ganz viele Einzel-, Doppel-, Vierer-Interviews geführt. Das war aufwühlend, aber auch schön.“ Die Gespräche hätten nicht nur Erinnerungen wachgerufen, sondern auch Themen angesprochen, die innerhalb der Band bislang kaum diskutiert worden seien. Bill zufolge gab es viele Situationen, über die die Musiker selbst nie ausführlich gesprochen hatten. „Ich glaube, wir haben uns durch die Doku mit Sachen beschäftigt, wo wir dachten, die kommen nie wieder auf den Tisch und wo wir heute als erwachsene Männer auch anders drüber denken, anders drüber fühlen und auch anders kommunizieren, als wir das früher als Kinder gemacht haben.“

Tokio Hotel will ernste Seite zeigen

Mit der Dokumentation möchten die Musiker außerdem ein anderes Bild von sich vermitteln. Besonders die Kaulitz-Zwillinge sind inzwischen nicht nur als Musiker, sondern auch durch ihren Podcast, ihre Netflix-Serie und weitere Fernsehprojekte bekannt. Tom befürchtet, dass dabei der Ursprung ihrer Karriere manchmal in den Hintergrund gerät. „Ich glaube, viele sehen Bill und mich in verschiedenen Projekten und denken "Ach, guck mal die lustigen Jungs." Und ich glaube es ist einfach mal schön zu sehen, wo das alles herkommt.“ Für ihn sei Tokio Hotel nach wie vor das wichtigste gemeinsame Projekt. Alle anderen Formate seien letztlich aus der Bandkarriere entstanden. „Wir sind im Kern natürlich Musiker und "Tokio Hotel" ist unser aller große Liebe“, sagt Tom. Auch Bill wünscht sich, dass die Zuschauer nach der Dokumentation besser verstehen, wie ernst die vier ihre musikalische Arbeit seit ihrer Kindheit nehmen.

Er habe kürzlich den Vorwurf gelesen, die Tokio-Hotel-Zwillinge würden nichts ernst nehmen. Gerade deshalb sei ihm wichtig, auch die andere Seite zu zeigen. „Ich finde ganz schön, dass vielleicht auch mal rüberkommt, wie ernst wir diese Band genommen haben, seitdem wir ganz klein sind und mit welcher Ernsthaftigkeit wir das auch all die Jahre betrieben haben.“ Die Dokumentation soll damit nicht nur an die Erfolge der Gruppe erinnern, sondern auch zeigen, wie viel Arbeit, Durchhaltevermögen und persönliche Auseinandersetzungen hinter ihrer langen gemeinsamen Karriere stehen. Die dreiteilige Dokumentation ist ab 19. November in der ZDF-Mediathek abrufbar und erscheint am 1. Dezember um 20.15 Uhr auch im regulären Programm. 

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