Der Protest nach der Razzia im queeren Gesundheitszentrum Casa Kuà geht weiter: Rund 500 Menschen haben sich am Samstag in Berlin-Kreuzberg unter dem Motto „Hände weg von Trans Leben!“ versammelt. Sie zeigen Solidarität mit dem Projekt und der Gruppe The Dolls – und fordern einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung für trans* Menschen.
Die Wut reicht über die Razzia hinaus
Die Zahl der Teilnehmenden am Mariannenplatz stammt aus Polizeiangaben, über die die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Hinter der Demonstration steht eine Debatte, die in der Community seit Tagen für Empörung sorgt: Was passiert, wenn Menschen im Gesundheitssystem nicht die Unterstützung finden, die sie brauchen?
Zu dem Protest war nach der Durchsuchung im Casa Kuà am vergangenen Sonntag aufgerufen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf illegalen Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Im Mittelpunkt stehen Hormonpräparate. Die Behörden hatten Medikamente, Betäubungsmittel, Datenträger und Bargeld sichergestellt. Das Ermittlungsverfahren ist damit jedoch kein Beleg dafür, dass die Vorwürfe bereits erwiesen wären.
Schwules Museum wird deutlich
Die Kritik aus der Community richtet sich auch gegen die Versorgungslücken, die Menschen in selbst organisierte Strukturen führen. Das Schwule Museum hat sich in einer eigenen Stellungnahme mit Casa Kuà und The Dolls solidarisiert. Bei dem Polizeieinsatz habe gerade ein Treffen einer Selbsthilfegruppe für trans* Frauen stattgefunden, schreibt der Vorstand.
Das Museum beklagt bürokratische Hürden, fehlende entsprechend geschulte Ärztinnen und Ärzte und Schwierigkeiten bei der Kostenübernahme. Besonders erschwert werde der Zugang durch Herkunft und soziale Lage. Selbst organisierte Gruppen übernähmen Aufgaben, bei denen der Staat Menschen im Stich lasse, argumentiert der Vorstand. Er verlangt Deeskalation sowie eine Erklärung und eine Entschuldigung.
Aus einem Einsatz wird eine Debatte
Die heutige Versammlung macht sichtbar, wie stark der Fall über das Gesundheitszentrum hinauswirkt. Für die Demonstrierenden geht es um sichere Räume und darum, medizinische Unterstützung tatsächlich erreichen zu können. Die Ermittlungsbehörden müssen ihre Vorwürfe aufklären; die Frage nach einer verlässlichen Versorgung bleibt unabhängig davon bestehen.
Welche Reaktionen die Polizeiaktion bereits ausgelöst hat, zeigt die Vorgeschichte der Proteste. Mit der Kundgebung am Samstag erhält sie nun ein weiteres deutliches Signal aus der Berliner Community.
Das Wichtigste im Überblick
- Rund 500 Menschen versammelten sich laut Polizei am Samstag am Mariannenplatz.
- Der Protest gilt der Razzia im Casa Kuà und den Hürden in der Gesundheitsversorgung für trans* Menschen.
- Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen mutmaßlich illegalen Medikamentenhandels.
- Das Schwule Museum fordert Aufklärung und Deeskalation.
(tb)
Casa Kuà und The Dolls hatten im Originalaufruf auf Instagram zu der Demonstration eingeladen. Startpunkt war der Mariannenplatz, als Ziel waren die Räume des Zentrums in der Naunynstraße vorgesehen. Casa Kuà veröffentlicht den Aufruf auch im öffentlichen Feed auf seiner Website.