Direkt zum Inhalt

Der Lügenbaron im Oval Office Verurteilter Betrüger sucht Sprecherjob

Von ms - 22.10.2026 - 15:30 Uhr
Der Lügenbaron als Pressesprecher
Foto: IMAGO / Cover-Images
ANZEIGE
Loading audio player...

Ausgerechnet George Santos (38) möchte künftig für Donald Trump sprechen. Der frühere republikanische Kongressabgeordnete, der wegen Betrugs verurteilt und nach zahlreichen Lügen über seinen Lebenslauf aus dem US-Repräsentantenhaus ausgeschlossen wurde, hat öffentlich Interesse am Posten des Pressesprechers im Weißen Haus bekundet. Der schwule Lügenbaron im Oval Office sozusagen. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Ungewöhnlicher Bewerber: Der offen schwule Ex-Kongressabgeordnete George Santos möchte Pressesprecher von US-Präsident Donald Trump werden.
  • Sprecherin nach wenigen Tagen weg: Katie Zacharia verließ das Weiße Haus nach weniger als einer Woche. Zuvor waren Zweifel an ihren juristischen Qualifikationen laut geworden.
  • Santos wurde wegen Überweisungsbetrugs und schweren Identitätsdiebstahls zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.
  • Trump griff ein: Nach rund drei Monaten Gefängnis wandelte der Präsident Santos' Haftstrafe um.
  • Gegen Santos wurde wegen mutmaßlicher Wetten auf sein eigenes Verhalten ermittelt. Zuletzt scheiterte er frühzeitig in einer Realityshow.

Bewerbung via X

Der offen schwule Politiker reagierte damit auf den Abgang von Katie Zacharia, die das Amt nach weniger als einer Woche wieder verlassen musste. Auf der Plattform X schrieb Santos: „Hey, eigentlich bin ich nicht auf Jobsuche, weil ich schon einen habe … abeeeeer … ich würde sofort zusagen, um dem Präsidenten als Pressesprecher zu dienen. Wollte ich nur mal gesagt haben.“ Die Botschaft erschien wenige Stunden nach den ersten Berichten über Zacharias Ausscheiden. Auch andere bekannte Medienpersönlichkeiten hatten Interesse an der frei gewordenen Position signalisiert. Ob Santos tatsächlich als Kandidat infrage kommt, ist nicht bekannt. An Erfahrung mit öffentlichen Erklärungen mangelt es ihm jedenfalls nicht. Mit deren Wahrheitsgehalt hatte er in der Vergangenheit allerdings wiederholt Probleme – böse Zungen würden behaupten, das qualifiziere ihn noch mehr für das Amt als Pressesprecher. 

Nur eine Pressekonferenz

Zacharias Amtszeit war selbst für die schnelllebige Washingtoner Politik bemerkenswert kurz. Während ihrer weniger als einwöchigen Tätigkeit hielt sie genau eine Pressekonferenz ab – sie dauerte 14 Minuten. Ihrem Abgang waren Zweifel an der Darstellung ihrer juristischen Qualifikationen vorausgegangen. Trump hatte Zacharia als Anwältin vorgestellt. Sie räumte jedoch ein, die Anwaltsprüfung im US-Bundesstaat Kalifornien nicht bestanden und anschließend keinen weiteren Versuch unternommen zu haben. Trotzdem verteidigte sie ihre Verwendung der englischen Bezeichnung „Lawyer“. Man habe ihr erklärt, dass sie diesen Begriff benutzen dürfe, nicht jedoch die Berufsbezeichnung „Attorney“. Die Kontroverse beschäftigte zuletzt auch mehrere Interviews beim konservativen Fernsehsender Fox News. Trump deutete schließlich öffentlich an, Zacharia solle ihre Tätigkeit noch einmal überdenken. Damit war der Sprecherposten nach nur wenigen Tagen erneut vakant.

Santos erfand Lebenslauf

Mit zweifelhaften Angaben im Lebenslauf kennt sich auch George Santos aus. Der frühere Abgeordnete aus New York verlor sein Mandat, nachdem zahlreiche falsche Behauptungen über seine Vergangenheit bekannt geworden waren. Unter anderem hatte er angegeben, einen Abschluss des Baruch College in New York erworben und für die Finanzunternehmen Citigroup und Goldman Sachs gearbeitet zu haben. Diese Angaben erwiesen sich als falsch. Eine Untersuchung des Ethikausschusses des Repräsentantenhauses ergab zudem, dass Santos Wahlkampfmittel für private Ausgaben verwendet hatte, darunter Botox-Behandlungen. 

Außerdem hatte er persönliche Darlehen an seine Wahlkampagne angegeben, die tatsächlich nicht existierten. Im Dezember 2023 wurde Santos aus dem Repräsentantenhaus ausgeschlossen. Er war damit erst das sechste Mitglied in der Geschichte des US-Kongresses, das auf diese Weise sein Mandat verlor. Für einen Politiker, der nun die offizielle Kommunikation des Weißen Hauses übernehmen möchte, ist das zumindest ein ungewöhnlicher beruflicher Hintergrund. Auch strafrechtlich blieb Santos' Vergangenheit nicht folgenlos. Nach einer ursprünglich 23 Anklagepunkte umfassenden Strafverfolgung bekannte er sich in zwei Bundesstraftaten schuldig: Überweisungsbetrug und schwerer Identitätsdiebstahl. Ein Gericht verurteilte ihn zu sieben Jahren und drei Monaten Gefängnis. Den Großteil dieser Strafe musste er allerdings nicht verbüßen. Nach rund drei Monaten in einem Bundesgefängnis wandelte Präsident Trump seine Strafe um. Santos kam daraufhin vorzeitig frei. 

Neue Ermittlungen und eine Realityshow

Auch nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis sorgte Santos weiterhin verlässlich für Schlagzeilen. Während Trumps zweiter Amtszeit geriet er erneut ins Visier von Bundesermittlern. Dabei ging es um den Verdacht, er habe auf der Prognoseplattform Kalshi Wetten über sein eigenes Verhalten abgeschlossen. Unter anderem soll er darauf gesetzt haben, ob er an Trumps Rede zur Lage der Nation teilnehmen würde. Die Vorwürfe betreffen damit Ereignisse, die Santos selbst beeinflussen konnte. Zuletzt versuchte sich der ehemalige Politiker zudem im Realityfernsehen. In der Fox-Sendung „Special Forces: World's Toughest Test“ stellte er sich körperlich anspruchsvollen Herausforderungen. Allerdings endete sein Auftritt bereits in der zweiten Folge der Staffel Anfang Oktober. Santos verließ die Sendung freiwillig und begründete dies mit starken Schmerzen aufgrund einer Ischiaserkrankung. Zuvor hatte ein Video für Spott in den sozialen Netzwerken gesorgt. Darin versuchte Santos vergeblich, auf eine schwimmende Plattform zu klettern, und fiel schließlich zurück ins Wasser. Eitel, vorbestraft und ein Lügenbaron – die Vorstellung, dass ausgerechnet ein wegen Betrugs und Identitätsdiebstahls verurteilter Politiker künftig die Glaubwürdigkeit des Weißen Hauses vertreten könnte, dürfte in diesen Tagen reichlich Gesprächsstoff sorgen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Berliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-Hirschgeweihntv"Man hat sich geschminkt": Thomas Anders vergleicht sich mit Bill KaulitzAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry Look-a-Like

Doppelgänger auf Liebesurlaub

Erst gewannen sie als „Heated Rivalry“-Doppelgänger einen Wettbewerb, jetzt genießen Felix Eller und Aram Matagi romantische Tage in Kanada.
Wege aus der Sexspirale

Chemsex-Therapie zeigt Erfolge

Eine britische neue Studie zeigt ermutigende Ergebnisse: Gruppentherapie kann Männern helfen, Chemsex und zwanghaftes Sexualverhalten zu verändern.
Hildenbrand will Mut machen

Schwuler Minister über Coming-Out

Baden-Württembergs Sozialminister Oliver Hildenbrand spricht über seine Jugend als schwuler Mann, Familienvielfalt und den Schutz von LGBTIQ+-Menschen
Growlr verliert Nutzer

Bears wechseln zur Konkurrenz

Nach dem Ende der Livestreams bei Growlr berichten Konkurrenten von abwandernden Nutzern. Die neuen Eigentümer versprechen indes einen Neustart.
Türkei hält Aktivisten fest

Menschenrechtler schlagen Alarm

Mehr als einen Monat nach landesweiten Razzien sitzen in der Türkei weiterhin LGBTIQ+-Aktivisten ohne Anklage in Untersuchungshaft.
Debatte um Grindr-Spende

13.500 Dollar für Republikanerin?

Grindr-Chef George Arison unterstützt offenbar eine republikanische Senatorin finanziell und sorgt damit für neue Debatten in der Community.
Trumps Männerbild

Präsidenten-Nichte übt Kritik

Mary Trump kritisiert die öffentlichen Bemerkungen ihres Onkels über Männerkörper und sieht darin Anzeichen nachlassender Impulskontrolle.
Queere Jugend in Neuseeland

Regierung scheitert mit Verboten

Neuseelands Oberster Gerichtshof hebt das Verbot neuer Pubertätsblocker-Verordnungen für trans* Jugendliche auf und rügt Diskriminierung.
Griechenland wehrt sich

Einsatz gegen LGBTIQ+-Hassgewalt

Mit der Aktion „KAPOU OPA!“ wollen Verbände in Griechenland LGBTIQ+-feindliche Gewalt sichtbar machen und Betroffene zu anonymen Meldungen ermutigen.