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Großvater gesteht Missbrauch Zeitungsbericht bringt Taten ans Licht

Von ms - 22.10.2026 - 09:30 Uhr
Großvater gesteht Missbrauch
Foto: IMAGO / Lichtgut
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Über einen Zeitraum von zehn Jahren soll ein Großvater seine drei Enkel immer wieder sexuell missbraucht haben. Nun hat der 84-Jährige vor dem Landgericht Stuttgart ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Mann räumte zum Auftakt des Strafprozesses die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vollständig ein. Erst ein Zeitungsbericht über einen anderen mutmaßlichen sexuellen Übergriff hatte die inzwischen erwachsenen Betroffenen dazu veranlasst, Anzeige gegen ihren Großvater zu erstatten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Schwere Vorwürfe: Ein 84-jähriger Mann muss sich vor dem Landgericht Stuttgart wegen insgesamt 459 Anklagepunkten verantworten.
  • Jahrelanger Missbrauch: Zwischen Oktober 2000 und Oktober 2010 soll der Angeklagte seine beiden Enkel und seine Enkelin in 457 Fällen sexuell missbraucht haben.
  • Zeitungsbericht als Auslöser: Ein Bericht über einen mutmaßlichen sexuellen Übergriff im Solebad Cannstatt brachte die inzwischen erwachsenen Enkel dazu, ihren Großvater anzuzeigen.
  • Umfassendes Geständnis: Der Angeklagte räumte am ersten Prozesstag sämtliche Taten ein, äußerte Reue und bat seine Enkel um Entschuldigung.
  • Weitere Verhandlung: Die Betroffenen sollen noch vor Gericht aussagen. Dem Mann drohen mehrere Jahre Haft. 

Bericht führt zur Anzeige

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten insgesamt 459 Straftaten vor. Im Mittelpunkt stehen sexuelle Übergriffe auf seine beiden Enkel und seine Enkelin, die sich zwischen Oktober 2000 und Oktober 2010 ereignet haben sollen. Nach den Ermittlungen kam es an verschiedenen Orten zu den Taten. Dazu gehörten das Wohnhaus des Großvaters, ein Auto und ein Schwimmbad. Selbst während einer Familienfeier soll der Mann eines der Kinder sexuell missbraucht haben.

Lange Zeit hatten die drei Geschwister nicht vor, ihren Großvater bei der Polizei anzuzeigen. Ihre Entscheidung änderte sich jedoch Anfang des Jahres, nachdem sie von einem mutmaßlichen sexuellen Übergriff in Stuttgart erfahren hatten. Im Februar erschien ein Zeitungsartikel über einen Vorfall im Solebad Cannstatt. Darin wurde über einen damals 83 Jahre alten Mann berichtet, der versucht haben soll, ein Mädchen von seinen Eltern wegzulocken und sexuell zu bedrängen. Einer der Enkel erkannte in der Schilderung mögliche Parallelen zum Verhalten seines Großvaters. Er vermutete, dass es sich bei dem gesuchten Mann um seinen eigenen Opa handeln könnte. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte der Enkel später: „Wir hatten nicht gedacht, dass er das auch außerhalb der Familie tut“. Die Vorstellung, dass möglicherweise auch andere Kinder betroffen sein könnten, führte schließlich zu einem Umdenken innerhalb der Familie.

Enkel wollen Kinder schützen

Im Gespräch mit dem Südwestrundfunk (SWR) bestätigte einer der Enkel, dass der Zeitungsbericht ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen sei, die mutmaßlichen Taten anzuzeigen. Er und seine Geschwister hätten sich nach Bekanntwerden des Vorfalls im Februar dazu entschlossen, doch zur Polizei zu gehen. Dabei habe auch der Wunsch eine Rolle gespielt, andere Menschen vor möglichen Übergriffen zu schützen. Die Ermittlungen gegen den Großvater führten schließlich zur Anklage vor dem Landgericht Stuttgart. Der inzwischen 84 Jahre alte Mann muss sich dort unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs verantworten. Darüber hinaus wirft ihm die Staatsanwaltschaft den Besitz kinder- und jugendpornografischer Inhalte vor. Insgesamt umfasst die Anklage 459 Fälle. Davon beziehen sich 457 auf die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe gegen die drei Enkel.

Umfassendes Geständnis 

Bereits am ersten Verhandlungstag kam es zu einer wesentlichen Entwicklung im Strafprozess. Nach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung erklärte der Angeklagte, sämtliche ihm vorgeworfenen Taten einzugestehen. Der 84-Jährige räumte die Vorwürfe in vollem Umfang ein. Vor Gericht erklärte er, dass ihm inzwischen bewusst sei, Unrecht getan zu haben. Er bedauere sein Verhalten zutiefst. Zugleich richtete er eine Entschuldigung an seine Enkel. Die drei Betroffenen waren bei der Verhandlung nicht im Gerichtssaal anwesend. Nach Angaben des Mannes habe die Zeit in Untersuchungshaft seine Sicht auf die Geschehnisse verändert. Seit April befindet er sich in Haft. Diese Zeit habe bei ihm zu einem Perspektivwechsel geführt, erklärte der Angeklagte. Er wolle die Verantwortung für seine Taten übernehmen und sei bereit, psychologische Unterstützung anzunehmen. Mit seinem Geständnis bestätigte der Mann die Vorwürfe, die Gegenstand des umfangreichen Strafverfahrens sind.

Aussagen vor Gericht 

Für die drei Enkel bedeutet das umfassende Schuldeingeständnis nach den vorliegenden Informationen eine Erleichterung. Dennoch ist vorgesehen, dass sie im weiteren Verlauf des Prozesses vor Gericht aussagen. Dabei soll es insbesondere um die Auswirkungen gehen, die der jahrelange sexuelle Missbrauch auf ihr Leben hatte. Die Aussagen der Betroffenen könnten damit für die weitere Bewertung der Tatfolgen von Bedeutung sein. Da der Angeklagte die Vorwürfe bereits vollständig eingeräumt hat, steht bei den geplanten Vernehmungen vor allem die persönliche Perspektive der drei Geschwister im Mittelpunkt.

Mit seinem Geständnis ist das Strafverfahren noch nicht abgeschlossen. Das Landgericht muss sich weiterhin mit den einzelnen Anklagepunkten und den Folgen der Taten beschäftigen. Dem 84-Jährigen droht wegen der Schwere und der Vielzahl der vorgeworfenen Straftaten eine mehrjährige Haftstrafe. Die nächste Sitzung vor dem Landgericht Stuttgart ist für November vorgesehen. Dann soll die Aufarbeitung der über Jahre begangenen sexuellen Übergriffe fortgesetzt werden.

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