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Regenbogen spaltet Amsterdam Anwohner wehren sich gegen Pride-Weg

Von ms - 19.10.2026 - 13:30 Uhr
Regenbogen spaltet Amsterdam
Foto: iStock / funky-data
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Ein dauerhaftes Zeichen für die LGBTIQ+-Community sorgt im Süden der niederländischen Hauptstadt für Diskussionen. Auf der Churchilllaan im Stadtteil Amsterdam Zuid soll ein mit Regenbogenfarben gestalteter Fußweg entstehen. Doch nicht alle Anwohner unterstützen das Vorhaben.

Das Wichtigste im Überblick

  • Streit um Regenbogenweg: Im Amsterdamer Stadtteil Zuid soll auf der Churchilllaan ein sogenannter PridePad entstehen, der ganzjährig Solidarität mit der LGBTIQ+-Community zeigen soll.
  • 100 bunte Gehwegplatten geplant: Die Platten sollen mit Regenbogenaufklebern und QR-Codes versehen werden, über die persönliche Geschichten queerer Menschen abrufbar sind.
  • Anwohner leisten Widerstand: Eine Gruppe von Bewohnern sammelt Einwände gegen das Vorhaben. 
  • Die Kritiker betonen, dass ihre Ablehnung nichts mit Homophobie zu tun habe. Sie halten die geplante Gestaltung für übertrieben.
  • Behörden genehmigen Testphase: Der Stadtbezirk Zuid hat das Projekt zunächst für ein Jahr erlaubt. Wegen mehr als zehn formeller Einsprüche muss nun eine öffentliche Anhörung stattfinden.
  • Initiatoren hoffen auf Verständigung: Der Verein Churchill Pride will mit dem Projekt auf zunehmende Diskriminierung aufmerksam machen und setzt trotz des Widerstands auf einen Dialog.

Wirbel um Pride-Weg

Der sogenannte PridePad ist als dauerhaft sichtbares Symbol für Akzeptanz und Solidarität mit queeren und homosexuellen Menschen gedacht. Während die Initiatoren darin ein wichtiges Zeichen gegen Diskriminierung sehen, hält eine Gruppe von Anwohnern die geplante Gestaltung für überzogen. Wie der Amsterdamer Lokalsender AT5 berichtet, hat sich inzwischen eine organisierte Protestbewegung gegen das Projekt gebildet. Die Gegner versuchen, weitere Bewohner zu offiziellen Einsprüchen gegen die bereits erteilte Genehmigung zu bewegen. Der Konflikt beschäftigt nun auch die zuständigen Behörden.

100 Regenbogenplatten 

Hinter der Initiative steht die Anwohnervereinigung Churchill Pride. Sie möchte auf dem Mittelstreifen der Churchilllaan insgesamt 100 Gehwegplatten mit Regenbogenaufklebern gestalten. Die Platten sollen nicht nur durch ihre Farben auf die LGBTIQ+-Community aufmerksam machen, sondern auch persönliche Einblicke in das Leben queerer Menschen ermöglichen. Dafür ist auf jeder Platte ein QR-Code vorgesehen. Wer diesen mit dem Smartphone scannt, soll zu einer persönlichen Geschichte aus der queeren Community gelangen. Das Projekt verbindet damit eine sichtbare Gestaltung des öffentlichen Raums mit individuellen Erfahrungen von LGBTIQ+-Menschen. Die Initiatoren wollen erreichen, dass Solidarität mit queeren Menschen nicht ausschließlich während der jährlichen Pride-Veranstaltungen zum Ausdruck kommt. Stattdessen soll der PridePad das gesamte Jahr über auf Vielfalt und gesellschaftliche Akzeptanz aufmerksam machen.

Die Churchilllaan ist bereits seit Jahren für ihre sichtbare Unterstützung der LGBTIQ+-Community bekannt. Während der Pride-Zeit hängen zahlreiche Bewohner Regenbogenflaggen an ihre Häuser und Wohnungen. Nach Angaben der Initiatoren waren im vergangenen Jahr im gesamten umliegenden Viertel Rivierenbuurt mehr als 800 Regenbogenflaggen zu sehen. Für Churchill Pride zeigt diese Entwicklung, dass viele Menschen in der Nachbarschaft bereit sind, öffentlich für die Rechte queerer Menschen einzutreten. Allerdings verschwinden die meisten Flaggen nach den Pride-Feierlichkeiten wieder aus dem Straßenbild. Genau daran soll das neue Projekt etwas ändern.

Sichtbarkeit das ganze Jahr  

Willemijn van Drie von Churchill Pride hält es für wichtig, dass die Unterstützung der LGBTIQ+-Community nicht auf wenige Wochen im Jahr beschränkt bleibt. Gegenüber AT5 erklärte sie: „Diese Flaggen sind ein Zeichen sichtbarer Solidarität, aber wenn der Pride vorbei ist, werden fast alle Flaggen wieder hereingeholt, und diese Solidarität ist überhaupt nicht mehr sichtbar.“ Aus Sicht der Initiatoren kann der geplante Regenbogenweg dazu beitragen, die Unterstützung queerer Menschen dauerhaft im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Van Drie verweist dabei auch auf gesellschaftliche Entwicklungen, die sie mit Sorge betrachtet. „Die Diskriminierung und die mangelnde Akzeptanz queerer Menschen haben so stark zugenommen, dass man das ganze Jahr über sichtbar sein muss“, sagte sie. Der PridePad soll deshalb nicht nur eine dekorative Ergänzung der Straße sein. Vielmehr versteht die Initiative das Vorhaben als gesellschaftliches Zeichen gegen Ausgrenzung und für die Anerkennung unterschiedlicher sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten.

Widerstand gegen das Projekt

Trotz der langjährigen Solidaritätsaktionen auf der Churchilllaan stößt der Plan für eine dauerhafte Regenbogengestaltung vielerorts auf keine Zustimmung. Eine Gruppe von Anwohnern hat begonnen, Flugblätter gegen das Projekt zu verteilen. Darauf befindet sich ein QR-Code, über den weitere Bewohner dazu aufgefordert werden, offiziell Einspruch gegen die Genehmigung des PridePad einzulegen. Die Gegner wenden sich damit unmittelbar gegen die Entscheidung des zuständigen Stadtbezirks Zuid.  Die kritischen Anwohner betonen, dass ihre Ablehnung des Regenbogenwegs nicht auf einer grundsätzlichen Ablehnung queerer Menschen beruhe. Sie wenden sich nach eigenen Angaben gegen das Ausmaß der geplanten Gestaltung. „Das hat nichts mit Homophobie zu tun, aber der Weg ist einfach zu viel des Guten“, erklärten sie gegenüber AT5. Konkrete alternative Vorschläge für die Gestaltung der Churchilllaan werden in dem Bericht nicht genannt.

Einjährige Testphase genehmigt

Der Stadtbezirk Zuid hat dem PridePad bereits grundsätzlich zugestimmt. Die Genehmigung gilt zunächst für eine einjährige Testphase. Damit sollte die Möglichkeit geschaffen werden, das Projekt zeitlich begrenzt umzusetzen und Erfahrungen mit der Gestaltung zu sammeln. Allerdings haben die Behörden inzwischen mehrere formelle Einsprüche gegen das Vorhaben erhalten. Aufgrund dieser Einwände ist der Stadtbezirk verpflichtet, eine öffentliche Anhörung anzusetzen. Dort sollen die Bedenken der Gegner behandelt werden. Wann die Anhörung stattfinden wird und welche Folgen sie für die Umsetzung des PridePad haben könnte, ist bislang nicht bekannt. Für Churchill Pride ist diese Entwicklung enttäuschend. Schließlich sollte der geplante Regenbogenweg nach Vorstellung des Vereins gerade den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken – das Gegenteil ist nun der Fall. 

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