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40 Jahre Kampf gegen AIDS AIDS-Aktivisten planen weltweite Aktion 2027

Von ms - 15.10.2026 - 10:30 Uhr
40 Jahre Kampf gegen AIDS
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
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Vier Jahrzehnte nach ihrer Gründung erinnert die internationale Aktivistenbewegung ACT UP an ihren Kampf gegen HIV und AIDS. Mit besonderen Aktionen im kommenden Jahr will die Bürgerrechtsbewegung historische Protestaktionen, bedeutende Persönlichkeiten und den Einsatz für den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten dokumentieren. Gleichzeitig soll das Projekt neue Initiativen für eine bessere Gesundheitsversorgung unterstützen.

Das Wichtigste im Überblick

  • 40 Jahre Engagement: Die 1987 gegründete Organisation ACT UP feiert 2027 vier Jahrzehnte Kampf gegen HIV/AIDS und für bessere Gesundheitsversorgung.
  • Historischer Rückblick: Ein neuer Kalender und weitere Aktionen dokumentieren mehr als 250 Daten über wichtige Proteste, Persönlichkeiten und Ereignisse.
  • Weltweite Bewegung: Vorgestellt werden unter anderem Initiativen aus Berlin, Buenos Aires, Pittsburgh und New York.
  • Neue Kampagne: Sämtliche Gewinne unterstützen „Fund Healthcare Not Warfare“, eine Initiative für Gesundheitsversorgung statt Kriegsführung.
  • Internationale Aktionen: Für 2027 bereitet ACT UP einen weltweiten Aktionstag vor. 

40 Jahre Protest

Unter dem Titel „ACT UP mit 40: Widerstand feiern und Gesundheitsversorgung für alle fordern“ blickt die Organisation auf ihre Geschichte zurück. Mit dabei ein besonderer Kalender, der Aufnahmen aus der internationalen Protestbewegung sowie mehr als 250 historische Daten enthält, die an wichtige Demonstrationen, Kampagnen und Ereignisse erinnern sollen. Die AIDS Coalition to Unleash Power, kurz ACT UP, wurde 1987 von mehreren bekannten Persönlichkeiten der schwulen Community gegründet, darunter Larry Kramer, Eric Sawyer (im Bild), Didier Lestrade und Vito Russo. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Organisation zu einer der bekanntesten Protestbewegungen im Kampf gegen HIV und AIDS. Ihre Mitglieder warfen politischen Entscheidungsträgern vor, nicht ausreichend auf die Gesundheitskrise zu reagieren, und forderten einen besseren Zugang zu medizinischen Behandlungen.

Spektakuläre Aktionen

Bekannt wurde ACT UP vor allem durch öffentlichkeitswirksame Aktionen des zivilen Ungehorsams. Dazu gehörten die Besetzung von Zentralen großer Pharmaunternehmen, Demonstrationen vor dem Weißen Haus und sogenannte Die-ins. Bei diesen Protesten legten sich Aktivisten wie Tote auf den Boden, um auf die Folgen der AIDS-Krise aufmerksam zu machen. Auch politische Trauerfeiern gehörten zu den Aktionsformen. Mit diesen Maßnahmen wollten die Beteiligten Druck auf Regierungen, Gesundheitsbehörden und die Pharmaindustrie ausüben. Mit mehreren Publikationen soll jetzt nicht nur an die Anfänge der Organisation erinnert werden, sondern auch aufgezeigt werden, wie sich der Protest über Ländergrenzen hinweg verbreitete. Vorgestellt werden unter anderem ACT-UP-Gruppen aus Pittsburgh, Buenos Aires und Berlin. Damit soll deutlich werden, welchen Einfluss die Bewegung auf die internationale HIV/AIDS-Aufklärung und den Einsatz für Patientenrechte hatte.

Weltweite Kampagne 2027

Die Veröffentlichung des Kalenders selbst verfolgt neben dem historischen Rückblick auch ein aktuelles politisches Anliegen. Sämtliche Gewinne aus dem Kalenderverkauf sollen die ACT-UP-Kampagne „Fund Healthcare Not Warfare“ unterstützen. Der Name bedeutet übersetzt „Gesundheitsversorgung statt Kriegsführung finanzieren“. Die Initiative arbeitet außerdem auf einen internationalen Aktionstag im Jahr 2027 hin. Damit will die Organisation erneut auf die Bedeutung einer zugänglichen Gesundheitsversorgung aufmerksam machen.

Dan Glass, Aktivist bei ACT UP London, sieht in der Geschichte der Bewegung einen Auftrag für die Gegenwart. „Unsere Geschichte ist eine globale Geschichte von Menschen, die sich geweigert haben, stillschweigend zu sterben. Wir brauchen die strategische Wirksamkeit von ACT UP heute mehr denn je“, erklärte Glass. Für ihn steht damit nicht allein das Gedenken an vergangene Proteste im Mittelpunkt. Die Erfahrungen früherer Aktivisten sollen auch neue Formen des Engagements ermöglichen.

Ähnlich äußerte sich David Robinson, der zu den frühen Mitgliedern von ACT UP/New York und ACT UP/Golden Gate gehörte. Er verbindet mit der Veröffentlichung die Hoffnung, dass sich weitere Menschen für eine bessere medizinische Versorgung einsetzen. „AIDS-Aktivismus – und der Einsatz für eine bessere Gesundheitsversorgung im Allgemeinen – wird heute genauso dringend gebraucht wie eh und je. Diese Aktionen für 2027 sind ein wunderbares Mittel, um Menschen zu weiterem Engagement zu inspirieren“, so Robinson.

Streitthema Medikamentenpreise 

Dass die Forderungen der Bewegung weiterhin aktuell sind, betont auch die Autorin und Rundfunkmoderatorin Alix Fox. Ihrer Ansicht nach bestehen trotz der Fortschritte bei der Behandlung von HIV noch immer erhebliche Herausforderungen. Als Beispiele nennt sie die Preise bestimmter HIV-Medikamente in den USA sowie das Verhältnis zwischen Pharmaunternehmen und Patienten. Insbesondere der Zugang zu medizinischen Behandlungen bleibt insbesondere in Vereinigten Staaten damit ein wichtiges Thema des Aktivismus. Fox verbindet das bevorstehende Jubiläum deshalb mit Freude über die bisherigen Erfolge, aber auch mit Kritik an weiterhin bestehenden Missständen. „Das 40-jährige Bestehen von ACT UP ist ein Geburtstag, bei dem es unglaublich viel zu feiern gibt. Gleichzeitig ist es aber auch eine Rubinhochzeit – und es gibt noch immer so viele Missstände, über die wir uns rot vor Wut ärgern müssen“, sagte sie.

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