Der Chef der US-amerikanischen Fast-Food-Kette Chick-fil-A, Andrew Cathy, steht nach einem Fernsehinterview erneut massiv in der Kritik. Bei seinem ersten Auftritt in der NBC-Morgensendung „Today“ vermied er eine eindeutige Antwort auf Fragen zur Haltung seines Unternehmens gegenüber homosexuellen Menschen und zur Gleichberechtigung der LGBTIQ+-Gemeinschaft. Seine Äußerungen lösten in den sozialen Netzwerken zahlreiche kritische Reaktionen aus.
Das Wichtigste im Überblick
- Umstrittenes Interview: Chick-fil-A-Chef Andrew Cathy beantwortet Fragen zur Gleichberechtigung homosexueller Menschen nicht direkt.
- Langjährige Kontroverse: Bereits 2012 hatte sein Vater Dan Cathy mit Äußerungen gegen die gleichgeschlechtliche Ehe Proteste ausgelöst.
- Kritik an Spenden: Die Unternehmensstiftung unterstützte in der Vergangenheit konservative christliche Organisationen, die LGBTIQ+-Rechte ablehnten.
- Prominente Reaktionen: Andy Cohen, Katie Couric und Ross Mathews kritisieren Cathys ausweichende Antworten öffentlich.
Keine Unterstützung
Auslöser war ein Gespräch mit dem „Today“-Journalisten Craig Melvin, der Cathy auf die umstrittene Vergangenheit der Restaurantkette ansprach. Dabei ging es insbesondere um frühere Positionen des Unternehmens zur gleichgeschlechtlichen Ehe und zu LGBTIQ+-Rechten. Auf die Frage nach der heutigen Haltung von Chick-fil-A zur Gleichberechtigung erklärte Cathy lediglich: „Ich denke, dass jeder, der bereit ist, durch unsere Tür zu kommen, feststellen wird, dass er bei uns willkommen ist, um etwas zu essen.“ Eine ausdrückliche Unterstützung der Rechte homosexueller Menschen formulierte der Unternehmenschef damit nicht.
Aussagen des Vaters
Die Auseinandersetzung um die gesellschaftspolitische Haltung von Chick-fil-A begann bereits vor mehr als einem Jahrzehnt. Im Juni 2012, während des Pride-Monats, hatte der damalige Unternehmenschef Dan Cathy, Vater des heutigen Geschäftsführers, öffentlich seine Unterstützung für traditionelle christliche Familienvorstellungen bekundet. In Interviews erklärte er, Chick-fil-A unterstütze die „biblische Definition der Familie“. Zugleich sprach er sich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe aus. Die Aussagen führten in den Vereinigten Staaten zu erheblichen Protesten.
Zusätzliche Kritik entstand durch die finanzielle Unterstützung konservativer christlicher Organisationen. Die WinShape Foundation, die gemeinnützige Stiftung des Unternehmens, hatte über Jahre hinweg Spenden an Einrichtungen vergeben, die gleichgeschlechtliche Ehen und LGBTIQ+-Rechte ablehnten. Die Kontroversen hatten landesweite Boykottaufrufe und Demonstrationen zur Folge. Auch Politiker sowie Gruppen an Universitäten wandten sich gegen die Restaurantkette und ihre damalige Haltung.
Cathy bleibt ausweichend
Im aktuellen Fernsehinterview wollte Craig Melvin wissen, wie Andrew Cathy heute zu diesem Teil der Unternehmensgeschichte steht. Der Journalist sprach die früheren Kontroversen ausdrücklich an und fragte schließlich: „Sie möchten nicht über dieses Kapitel in der Geschichte von Chick-fil-A sprechen?“ Doch auch auf diese direkte Nachfrage ging Cathy nicht auf die damaligen Positionen seines Vaters oder die Rechte der LGBTIQ+-Gemeinschaft ein.
Stattdessen antwortete er: „Wir konzentrieren uns darauf, alle Menschen zu bedienen, die zu uns kommen, um bei uns zu essen. Unser Fokus liegt auf Gastfreundschaft, gut schmeckendem Essen und hervorragendem Service.“ Ob er die früheren Aussagen seines Vaters teilt oder sich davon distanziert, ließ der Geschäftsführer damit erneut unbeantwortet. Auch eine ausdrückliche Stellungnahme zur gleichgeschlechtlichen Ehe blieb aus.
Massive Reaktionen
Die Aussagen verbreiteten sich anschließend über soziale Netzwerke und sorgten insbesondere auf Instagram für Diskussionen. Zahlreiche Kommentatoren warfen Cathy vor, einer klaren Positionierung zur Gleichberechtigung bewusst auszuweichen. TV-Journalist und Emmy-Gewinner Brian Balthazar kritisierte das Schweigen des Unternehmenschefs mit den Worten: „Nichts über Gleichberechtigung zu sagen, sagt definitiv etwas über die eigene Haltung zur Gleichberechtigung aus.“ Auch der US-amerikanische Fernsehmoderator Andy Cohen äußerte sich verärgert. In einem Kommentar schrieb er: „Das geht gar nicht, Alter. Du hattest die Chance, uns alle zurückzugewinnen, und hast sie vermasselt.“
Ross Mathews, bekannt als Juror der Fernsehsendung „RuPaul's Drag Race“, reagierte dagegen mit einem Wortspiel auf die ausweichenden Antworten. „Zu feige, um direkt zu antworten?“, schrieb er. Im englischen Original verwendete Mathews das Wort „chicken“, das sowohl für Huhn als auch umgangssprachlich für einen ängstlichen Menschen steht – eine Anspielung auf das Hähnchenfleisch, für das Chick-fil-A bekannt ist. Auch die bekannte US-Journalistin Katie Couric beteiligte sich an der Debatte. Sie bemängelte, dass Cathy die eigentliche Frage nicht beantwortet habe, und erinnerte an die früheren Aussagen seines Vaters. „Eine Antwort, die keine Antwort ist. Das hat sein Vater Dan Cathy 2012 gesagt: ‚Wir unterstützen die Familie nachdrücklich – in ihrer biblischen Definition.‘ Eine gute Nachfrage wäre gewesen: ‚Stimmen Sie Ihrem Vater zu?‘“, kommentierte Couric.