Der Anteil weiblicher Nutzer im Publikum schwuler Pornografie steigt auf der Plattform Pornhub seit mehreren Jahren hat inzwischen neue Spitzenwerte erreicht. Nach Angaben des Unternehmens sind inzwischen fast genauso viele Frauen wie Männer unter den Menschen, die dort entsprechende Videos ansehen. Im jüngsten Bericht beziffert Pornhub den Frauenanteil auf 49,7 Prozent. Damit hat sich das Geschlechterverhältnis innerhalb der erfassten Nutzerschaft deutlich verändert.
Das Wichtigste im Überblick
- Frauenanteil steigt: Laut den „Gay Pride Insights 2026“ von Pornhub sind inzwischen 49,7 Prozent der Zuschauer schwuler Pornografie auf der Plattform weiblich. 2025 waren es 47 Prozent, 2024 noch 43 Prozent.
- Attraktive Männer als Hauptgrund: Eine wissenschaftliche Untersuchung ergab, dass viele vor allem die männlichen Darsteller und deren sexuelle Interaktionen anziehend finden.
- Kritik an heterosexuellen Pornos: Manche Frauen bevorzugen schwule Pornografie, weil sie die Darstellung weiblicher Körper und Rollen in heterosexuellen Produktionen ablehnen.
- Mehr Freiheit bei der Identifikation: Untersuchungen zeigen, dass Zuschauerinnen beim Betrachten schwuler Pornografie unterschiedliche Perspektiven einnehmen können, ohne sich einer weiblichen Rolle zuordnen zu müssen.
- Das Phänomen ist auch anderweitig bekannt: Zwei Drittel der Zuschauer der schwulen sexuell freizügigen Hit-Serie „Heated Rivalry“ sind weiblich.
Immer mehr Frauen schauen zu
Bereits in den Vorjahren war der Anteil gestiegen. Für 2024 meldete die Plattform 43 Prozent weibliche Zuschauer, 2025 waren es 47 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren erhöhte sich der Anteil somit um 6,7 Prozentpunkte. Die Zahlen widersprechen der weit verbreiteten Vorstellung, Pornografie mit sexuellen Handlungen zwischen Männern werde ausschließlich oder überwiegend von schwulen Männern angesehen. Warum sich auch Frauen für solche Inhalte interessieren, ist seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Dabei zeigt sich, dass sexuelle Anziehung, die Darstellung der Beteiligten und die Möglichkeit zur Identifikation eine Rolle spielen.
Erotik männlicher Darsteller
Eine der zentralen Untersuchungen zu diesem Thema stammt von der britischen Wissenschaftlerin Lucy Neville. Für eine bereits 2015 veröffentlichte Arbeit wertete sie die Antworten von 275 Frauen aus, die schwule Pornografie konsumierten. Die am häufigsten genannte Erklärung war vergleichsweise einfach: Die befragten Frauen fanden Männer sexuell attraktiv und sahen gerne zwei Männern bei sexuellen Handlungen zu. Damit stand für viele Teilnehmerinnen nicht die sexuelle Orientierung der Darsteller im Vordergrund, sondern die Anziehungskraft männlicher Körper und die Darstellung männlichen Begehrens. Die Untersuchung machte zugleich deutlich, dass die Vorlieben der befragten Frauen nicht auf einen einzigen Grund zurückzuführen waren. Neben der körperlichen Attraktivität spielten auch Unterschiede zwischen schwuler und heterosexueller Pornografie eine Rolle.
Heterosexuelle Pornografie
Ein Teil der von Neville befragten Frauen äußerte Unzufriedenheit mit der Darstellung von Frauen in herkömmlichen heterosexuellen Pornofilmen. Dabei ging es insbesondere um die Inszenierung weiblicher Körper und um die Rollen, die Darstellerinnen in entsprechenden Produktionen einnehmen. Schwule Pornografie bietet diesen Zuschauerinnen eine andere Perspektive. Da ausschließlich Männer an den sexuellen Handlungen beteiligt sind, entfällt die Darstellung einer weiblichen Figur, mit der sie sich möglicherweise vergleichen oder identifizieren sollen. Einige Teilnehmerinnen empfanden das sexuelle Vergnügen der männlichen Darsteller zudem als glaubwürdiger.
Für andere war gerade das Fehlen weiblicher Körper ein Vorteil. Sie konnten die Szenen ansehen, ohne sich mit dem Aussehen einer Pornodarstellerin auseinanderzusetzen oder den eigenen Körper mit deren Erscheinungsbild zu vergleichen. Die Ergebnisse beschreiben unterschiedliche persönliche Motive der befragten Frauen. Sie erlauben jedoch keine pauschalen Aussagen über sämtliche weiblichen Pornonutzerinnen.
Wechsel der Perspektive
Neben Lucy Neville beschäftigte sich auch die Wissenschaftlerin Andrea Waling mit der Frage, wie Frauen schwule Pornografie wahrnehmen. Ihre Untersuchung zeigt, dass Zuschauerinnen beim Betrachten entsprechender Inhalte zwischen unterschiedlichen Perspektiven wechseln können. Während heterosexuelle Pornografie häufig eine klare Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Rollen nahelegt, ist diese geschlechtliche Zuordnung bei sexuellen Szenen zwischen zwei Männern nicht in gleicher Weise vorgegeben. Frauen können sich dadurch mit verschiedenen Beteiligten identifizieren oder deren Perspektiven einnehmen, ohne sich automatisch einer weiblichen Rolle zuordnen zu müssen. Diese Möglichkeit kann für manche Zuschauerinnen einen besonderen Reiz darstellen.
Frauen und Heated Rivalry
So deutlich der Anstieg des Frauenanteils ausfällt, so vorsichtig müssen die Zahlen interpretiert werden. Die von Pornhub veröffentlichten Prozentwerte beschreiben zunächst ausschließlich die Zusammensetzung des Publikums schwuler Pornografie auf der eigenen Plattform. Allerdings zeigen Ergebnisse anderer Hardcore-Anbieter ähnliche Entwicklungen. Dieser Trend ist außerdem nicht nur den digitalen Anbietern aufgefallen, sondern auch den Produzenten von schwuler Pornografie. Das US-amerikanische Studio Cockyboys spricht bereits seit Jahren von den „Cocky-Mums“, also Frauen zumeist mittleren Alters, die einen erheblichen Teil der Kundschaft ausmachen.
Dabei spielt nebst dem Sex und den Darstellern auch der Aufbau von Szenen und Geschichten eine wesentliche Rolle. Cockyboys hat sich seit den Anfangsjahren immer wieder stark darauf konzentriert, aufwendig erzählte Geschichten in die Filme einzubauen, bevor es zum eigentlichen Sex kommt. Gerade diese Herangehensweise, „mehr als Sex“ zu zeigen und als Zuschauer zu erleben, war laut Eugenaussage vieler weiblicher Konsumenten des Studios ein besonders interessanter Punkt. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch aktuell, beispielsweise bei der schwulen Hit-Serie „Heated Rivalry“, die mit besonders expliziten Sexszenen und einer aufwendigen, emotionalen Geschichte aufwartet. Das Ergebnis laut HBO: Rund zwei Drittel des Publikums sind Frauen, der Rest größtenteils laut Schätzungen schwule Männer.