Für Jorge González war das Aufwachsen in Kuba mit der ständigen Sorge verbunden, wegen seiner Homosexualität Schwierigkeiten zu bekommen. Der heute 59 Jahre alte Choreograf und Fernsehjuror hat in der österreichischen Talksendung „Hinter den Schlagzeilen“ über seine Jugend, die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse und den Umgang seiner Familie mit seiner sexuellen Orientierung gesprochen.
Das Wichtigste im Überblick
- Schwierige Kindheit: Jorge González (59) wuchs in Kuba auf, wo Homosexualität nach seinen Angaben damals verboten war und erhebliche Risiken mit sich brachte.
- Angst um Angehörige: Der Choreograf musste seine sexuelle Orientierung geheim halten, um sich und seine Familie vor möglichen Repressionen zu schützen.
- Erziehung durch den Vater: Sein Vater versuchte, vermeintlich feminine Verhaltensweisen durch Sportarten wie Baseball und Boxen zu verändern.
- Unterstützung der Großmutter: Sie bestärkte González darin, sich selbst zu akzeptieren, und wurde für ihn zu einer wichtigen Vertrauensperson.
- Späteres Coming-Out: Erst in den 1990er-Jahren erfuhren seine Eltern von seiner Homosexualität und reagierten nach seinen Angaben verständnisvoll.
Verbot von Homosexualität
Im Gespräch mit Moderator Patrick Budgen schilderte González, dass er bereits als Kind erkannt habe, homosexuell zu sein. In seiner Heimat habe er seine Gefühle jedoch nicht offen zeigen können. Die damaligen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen hätten nicht nur ihn persönlich belastet, sondern auch mögliche Konsequenzen für seine Angehörigen bedeutet. „Jeder weiß, dass Kuba ein sozialistisches, kommunistisches Land ist. Als ich dort gelebt habe, war Homosexualität verboten. Das war wirklich traurig als Kind, denn ich habe sehr früh entdeckt, dass ich homosexuell bin. Das war auch ein größeres Problem für die gesamte Familie.“ Nach seinen Erinnerungen waren auch die Familien homosexueller Menschen von staatlichen und gesellschaftlichen Repressionen betroffen. So hätten Angehörige unter anderem Schwierigkeiten gehabt, eine Arbeitsstelle zu bekommen. González habe deshalb früh gelernt, vorsichtig mit seiner sexuellen Orientierung umzugehen. „Ich musste nicht nur mich schützen, sondern auch meine Familie.“
Feminine Verhaltensweisen
Auch innerhalb der Familie gab es Situationen, die González bis heute in Erinnerung geblieben sind. Besonders prägend sei ein Erlebnis mit seinem Vater gewesen, der ihn eines Tages dabei überraschte, wie er die hochhackigen Schuhe seiner Großmutter trug. Die Reaktion seines Vaters sei eindeutig ausgefallen. „Vater hat mich angeschaut und gesagt, dass Männer mit solchen Sachen nicht spielen.“ Sein Vater habe anschließend versucht, ihn stärker an traditionelle männliche Rollenbilder heranzuführen. Dazu gehörten insbesondere sportliche Aktivitäten, die nach dessen Vorstellungen besser zu einem Jungen passten.
„Er hat mich zum Baseballspielen mitgenommen, Boxen und all diese Geschichten.“ Rückblickend bewertet González das Verhalten seines Vaters allerdings nicht ausschließlich als Ablehnung. Er geht vielmehr davon aus, dass dieser ihn angesichts der damaligen Verhältnisse in Kuba vor möglichen Schwierigkeiten bewahren wollte. Für González selbst stand dennoch schon früh fest, dass er seine Zukunft nicht dauerhaft in seiner Heimat verbringen könne. Er fasste den Entschluss, Kuba eines Tages zu verlassen.
Großmutter als Vertrauensperson
Während sein Vater versuchte, Einfluss auf sein Verhalten zu nehmen, fand González bei seiner Großmutter Verständnis und Rückhalt. Sie spielte nach seinen Angaben eine entscheidende Rolle dabei, wie er mit seiner Homosexualität und den gesellschaftlichen Erwartungen umging. Der Choreograf bezeichnet seine Großmutter bis heute als „Ikone“. Mit ihr habe er offen über unterschiedliche Fragen des Lebens sprechen können. Besonders wichtig sei gewesen, dass sie ihm das Gefühl vermittelt habe, sich für seine Persönlichkeit nicht schämen zu müssen. „Meine Oma hat mit mir viele Gespräche über verschiedene Themen geführt. Sie hat mir gesagt, du bist gut, so wie du bist.“ Diese Unterstützung habe ihm geholfen, trotz der schwierigen Umstände ein positives Verhältnis zu sich selbst zu entwickeln. Zugleich blieb für ihn die Erkenntnis bestehen, dass ein selbstbestimmtes Leben außerhalb Kubas leichter möglich sein würde.
Spätes Outing
Über sein Coming-Out hatte González auch in einem Interview mit der Bild-Zeitung gesprochen. Demnach erfuhren seine Eltern erst in den 1990er-Jahren, dass ihr Sohn homosexuell ist. Anders als die gesellschaftlichen Erfahrungen seiner Kindheit zunächst vermuten ließen, sei das Gespräch innerhalb der Familie ohne größere Konflikte verlaufen. „Ich habe das meinen Eltern gesagt, die haben das total akzeptiert.“ Seine sexuelle Orientierung habe an der Beziehung zu seinen Eltern und anderen Familienmitgliedern nichts geändert. González betonte, dass er innerhalb der Familie weiterhin dieselbe Wertschätzung erfahren habe wie zuvor. „Ich blieb ihr Sohn und Bruder. Unser Verhältnis hat sich nicht verändert.“ Schwieriger sei dagegen der Umgang mit Menschen außerhalb des engsten Familienkreises gewesen. Dort habe er nicht immer dieselbe Offenheit erlebt. „Von der Umgebung war es ein bisschen schwieriger.“