Direkt zum Inhalt

Justin Lui zieht Bilanz Karriere-Ende und Reflektion: Coming-Out machte ihn stark

Von ms - 12.10.2026 - 14:30 Uhr
Justin Lui zieht Bilanz
Foto: IMAGO / ZUMA Press
ANZEIGE
Loading audio player...

Der offen schwule kanadische Volleyballspieler Justin Lui hat seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben. Nach acht Spielzeiten im Trikot Kanadas und einer Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris beendet der frühere Stanford-Spieler seine internationale Laufbahn. In einer vom kanadischen Volleyballverband veröffentlichten Erklärung blickt Lui besonders auf sein Coming-Out während seiner aktiven Karriere zurück.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der kanadische Volleyball-Nationalspieler Justin Lui beendet nach acht Spielzeiten seine internationale Karriere.
  • Olympischer Höhepunkt: Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris belegte der Libero mit Kanada den zehnten Platz unter zwölf Mannschaften.
  • Coming-Out als Wendepunkt: Lui outete sich während seiner Zeit an der Stanford University als schwul. Rückblickend bezeichnet er diesen Schritt als eine seiner schwierigsten, aber auch stärkendsten Erfahrungen.
  • Erfolgreiche College-Karriere: Vier Spielzeiten spielte er für Stanford und wurde in seinen letzten beiden Jahren mit einer ehrenvollen Erwähnung bei der AVCA-All-America-Auswahl ausgezeichnet.
  • Zukunft noch offen: Der Rücktritt betrifft zunächst die Nationalmannschaft. Ob Lui seine Profikarriere auf Vereinsebene fortsetzt, ist nicht bekannt.

Kraft durchs Coming-Out

„Mich während meiner aktiven Zeit als Sportler zu outen, war eine der schwierigsten Herausforderungen, die ich bewältigen musste. Gleichzeitig war es aber auch die Erfahrung, die mir am meisten Kraft gegeben hat“, erklärte Lui laut Volleyball Canada. Der Athlet betonte, dass sich seine Einstellung zur eigenen Homosexualität im Laufe der Jahre grundlegend verändert habe. „Es ist seltsam, das zu sagen, denn wenn man mein 16-jähriges Ich gefragt hätte, hätte es ganz anders geantwortet. Aber ich kann mir nicht vorstellen, diesen sportlichen Weg auf irgendeine andere Weise gegangen zu sein. Ich bin ein offen schwuler Sportler und stolz darauf.“

Zeit an der Stanford University

Lui begann im Alter von zwölf Jahren mit dem Volleyballspielen. Später wechselte er an die renommierte Stanford University in Kalifornien, wo er vier Spielzeiten lang als Libero für die Hochschulmannschaft spielte. Während seiner College-Karriere outete er sich gegenüber seinen Mannschaftskameraden als schwul. Dieser Schritt wurde zu einem wichtigen Bestandteil seiner persönlichen Entwicklung als Leistungssportler. Sportlich gehörte Lui zu den Leistungsträgern des Teams. 

In seinen letzten beiden Spielzeiten erhielt er jeweils eine ehrenvolle Erwähnung bei der Auswahl zum AVCA All-America Team, mit der herausragende College-Volleyballspieler ausgezeichnet werden. Seine Zeit an Stanford fiel zugleich in eine schwierige Phase des Hochschulsports. Die Universität hatte zwischenzeitlich beschlossen, das Männer-Volleyballprogramm einzustellen. Nach einer ausgefallenen Saison nahm die Sportabteilung diese Entscheidung jedoch zurück und führte die Mannschaft fort.

Olympische Spiele in Paris 

Neben seiner College-Laufbahn etablierte sich Lui in der kanadischen Nationalmannschaft, der er insgesamt acht Spielzeiten angehörte. Seinen größten internationalen Erfolg feierte er mit der Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris. Kanada belegte dort im Männer-Volleyball den zehnten Platz unter zwölf teilnehmenden Mannschaften. In seiner Rücktrittserklärung erinnerte sich Lui besonders an die Atmosphäre während des olympischen Turniers. „Ich erinnere mich daran, wie ich am Spielfeldrand saß und in die Zuschauermenge blickte. Fans, die uns anfeuerten, Fans, die unsere Gegner unterstützten, und all die Menschen, die diesen Sport feiern wollten.“ Der Moment habe ihm noch einmal vor Augen geführt, wie viel ihm seine sportliche Laufbahn bedeute. „Ich war von einer so überwältigenden Freude erfüllt und weiß noch, dass ich mir dachte, wie unglaublich glücklich ich mich schätzen konnte, diese Erfahrung machen zu dürfen.“

Rücktritt vor Olympia 2028 

Mit seiner Entscheidung endet Luis Nationalmannschaftskarriere vor den Olympischen Sommerspielen 2028 in Los Angeles. Für Kanada ist die Teilnahme am kommenden olympischen Volleyballturnier noch nicht gesichert. Zum Zeitpunkt der Rücktrittsmeldung belegte die Mannschaft Platz 16 der Weltrangliste des Internationalen Volleyballverbandes FIVB. Sechs der insgesamt zwölf Startplätze waren bereits vergeben. Qualifiziert hatten sich Brasilien, Kuba, Japan, Tunesien und Polen sowie die Vereinigten Staaten als Gastgeber. Der Rücktritt könnte dem kanadischen Verband bei der längerfristigen Kaderplanung für die kommenden internationalen Wettbewerbe mehr Klarheit verschaffen. Ob Kanada in Los Angeles antreten wird, bleibt jedoch offen.

Zukunft im Vereinsvolleyball 

Ein vollständiges Ende seiner sportlichen Laufbahn hat Lui bislang nicht angekündigt. Die Mitteilung von Volleyball Canada bezieht sich ausdrücklich auf seinen Abschied aus der Nationalmannschaft. Der Kanadier sammelte neben seinen Einsätzen für Stanford und die Nationalmannschaft auch Erfahrungen im europäischen Profivolleyball. Er spielte unter anderem für Vereine in Finnland, Kroatien und Tschechien. Ob er seine Karriere auf Vereinsebene fortsetzen oder sich künftig anderen Aufgaben widmen wird, ist noch nicht bekannt.

Zum Abschluss seiner Rücktrittserklärung dankte Lui seinen Eltern für ihre Unterstützung. Zugleich würdigte er die Bedeutung des Volleyballsports für seine persönliche Entwicklung. Der Sport habe ihm „eine außergewöhnliche Gelegenheit gegeben, herauszufinden, wozu ich fähig bin und wie ich mich in dieser Welt zeigen möchte“. Für Lui endet damit ein bedeutender Abschnitt seiner Laufbahn, in der er nicht nur seinen olympischen Traum verwirklichte, sondern auch lernte, offen zu seiner Homosexualität zu stehen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.
Rücktritt von Bärbel Bas

Eine Verbündete der Community

Bärbel Bas zieht sich nach einem familiären Verlust zurück. Für LGBTIQ+ setzte sie Zeichen – auch im Interview mit SCHWULISSIMO.