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Überraschender Trend Weniger US-Mädchen sind homo- oder bisexuell

Von ms - 12.10.2026 - 09:00 Uhr
Überraschender Trend
Foto: iStock / monkeybusinessimages
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In den USA ist der Anteil jüngerer Schüler, die sich als schwul, lesbisch oder bisexuell identifizieren, innerhalb weniger Jahre deutlich gesunken. Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung bei Mädchen. Das zeigt eine neue Auswertung von Daten der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Warum sich die Angaben zur sexuellen Orientierung so stark verändert haben, ist bislang unklar.

Das Wichtigste im Überblick

  • Deutlicher Rückgang: Der Anteil der jungen Mädchen in den USA, die sich als lesbisch oder bisexuell bezeichnen, sank zwischen 2021 und 2025 von 30 auf 17 Prozent.
  • Bisexualität besonders betroffen: Während sich 2021 noch 26 Prozent der Mädchen in der neunten Klasse als bisexuell bezeichneten, waren es 2025 nur noch 13 Prozent.
  • Bei Jungen blieb der Anteil weitgehend stabil. Auch bei älteren Jugendlichen fiel der Rückgang deutlich geringer aus.
  • Ursachen ungeklärt: Forscher untersuchen mögliche Zusammenhänge mit der Corona-Pandemie, politischen Entwicklungen und sozialen Medien.
  • Eine Wissenschaftlerin kritisiert fehlende statistische Angaben und warnt vor voreiligen Schlussfolgerungen.

Anteil bisexueller Mädchen 

Die Psychologieprofessorin Jean Twenge von der San Diego State University hat dafür Daten aus dem Jahr 2025 ausgewertet und die Ergebnisse auf ihrem Substack-Blog „Generation Tech“ veröffentlicht. Demnach bezeichneten sich 2021 noch 30 Prozent der Neuntklässlerinnen als lesbisch oder bisexuell. Vier Jahre später lag der Anteil bei 17 Prozent. „Es sieht tatsächlich nach einem freien Fall aus“, sagte Twenge. „Aber was ihn verursacht, ist unklar.“ Besonders deutlich zeigt sich die Veränderung bei Schülerinnen, die sich als bisexuell bezeichnen. Ihr Anteil in der neunten Klasse sank von 26 Prozent im Jahr 2021 auf 13 Prozent im Jahr 2025. Damit hat sich der Wert innerhalb von vier Jahren halbiert.

Twenge beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Unterschieden zwischen den Generationen. Für ihre Untersuchungen nutzt sie regelmäßig das sogenannte Youth Risk Behavior Surveillance System der CDC. Dabei handelt es sich um eine alle zwei Jahre durchgeführte Erhebung zum Gesundheits- und Risikoverhalten von Jugendlichen in den Vereinigten Staaten. Die aktuellen Zahlen zeigen allerdings keine einheitliche Entwicklung über sämtliche Altersgruppen hinweg. Bei Jungen ist der Anteil derjenigen, die sich als schwul oder bisexuell identifizieren, während des vergangenen Jahrzehnts weitgehend konstant geblieben. Auch unter älteren Schülerinnen fallen die Veränderungen wesentlich geringer aus. Zwar ist der Anteil der Mädchen, die sich als lesbisch oder bisexuell bezeichnen, insgesamt zurückgegangen. Bei älteren Jugendlichen liegt er jedoch weiterhin über dem Niveau vor der Corona-Pandemie.

Starker Anstieg nach Pandemie

Die Entwicklung der vergangenen Jahre verlief nicht kontinuierlich. Nach den pandemiebedingten Schulschließungen registrierte die CDC zunächst einen erheblichen Anstieg des Anteils weiblicher Jugendlicher, die sich als lesbisch oder bisexuell identifizierten. In den folgenden Jahren gingen die Werte zunächst nur um wenige Prozentpunkte zurück. Die jüngste Auswertung deutet nun insbesondere bei jüngeren Schülerinnen auf einen wesentlich stärkeren Rückgang hin. Weshalb ausgerechnet Mädchen der neunten Klasse davon besonders betroffen sind, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten. Ebenso wenig ist geklärt, ob sich dahinter veränderte Einstellungen zur eigenen sexuellen Orientierung, gesellschaftliche Einflüsse oder andere Faktoren verbergen. Die Ergebnisse beschreiben zunächst, wie Jugendliche ihre sexuelle Orientierung in Befragungen selbst angeben. Ob und in welchem Umfang sich ihre tatsächlichen Erfahrungen oder ihr Verhalten verändert haben, geht daraus nicht hervor.

Konservative Aktivisten 

In den sozialen Medien lösten die Zahlen auch politische Reaktionen aus. Konservative Aktivisten werteten den Rückgang als Erfolg der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Terry Schilling, Vorsitzender des konservativen American Principles Project, schrieb auf der Plattform X: „Erstaunlich, was passiert, wenn man beim Bildungsministerium und bei USAID kürzt.“ Damit stellte er einen Zusammenhang zwischen politischen Entscheidungen der Trump-Regierung und der Entwicklung bei der sexuellen Selbstidentifikation Jugendlicher her. Twenge hält eine solche Erklärung allerdings für unzureichend. Sie verwies darauf, dass der Rückgang bereits während der Präsidentschaft von Joe Biden eingesetzt habe. Zudem sei nicht ersichtlich, weshalb ein Regierungswechsel ausschließlich bei jüngeren Schülerinnen einen derart starken Effekt haben sollte. „Wenn es an der Politik läge, warum sollte sich das dann nur auf Neuntklässler auswirken und nicht auf 17- und 18-Jährige?“, fragte sie. „Vielleicht hat es etwas damit zu tun, aber es ist eindeutig nicht der einzige Faktor. Es ist ein Rätsel.“

Zweifel an Aussagekraft

Nicht alle Fachleute sind überzeugt, dass die ausgewerteten Zahlen bereits einen belastbaren Trend erkennen lassen. Jody Herman, leitende Wissenschaftlerin am Williams Institute der University of California in Los Angeles (UCLA), äußerte Zweifel daran, ob die Ergebnisse tatsächlich auf eine bedeutsame Veränderung schließen lassen. Das Williams Institute untersucht rechtliche und gesellschaftspolitische Fragen im Zusammenhang mit sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität. Herman kritisierte insbesondere, dass die Analyse keine ausreichenden statistischen Angaben enthalte, um die Aussagekraft der Unterschiede beurteilen zu können. „Die Studie enthält keine Konfidenzintervalle, anhand derer sich feststellen ließe, ob die Unterschiede tatsächlich statistisch signifikant sind“, betonte Herman gegenüber der Washington Post.

Damit bleibt nach ihrer Einschätzung offen, wie zuverlässig sich aus den beobachteten Veränderungen Rückschlüsse auf die Entwicklung unter Jugendlichen insgesamt ziehen lassen. Auch die öffentliche Debatte über einen vermeintlichen Rückgang der LGB-Identifikation betrachtet die Wissenschaftlerin zurückhaltend. „Die Erzählung von einem Rückgang der LGB-Identifikation unter Jugendlichen gibt es schon seit einiger Zeit. Wir werden die Entwicklungen im Zeitverlauf im Rahmen unserer Arbeit weiterhin untersuchen. Doch die bislang vorgelegten Belege für einen Rückgang werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten.“ Twenge will ihre Analyse deshalb fortsetzen. Geplant ist, verschiedene mögliche Erklärungen systematisch zu überprüfen. Dazu zählen insbesondere die Folgen der Corona-Pandemie, politische Entwicklungen und der Einfluss sozialer Medien. Ob einer dieser Faktoren den Rückgang maßgeblich beeinflusst hat oder mehrere Ursachen zusammenwirken, ist bislang nicht geklärt

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