In der Fußballdusche bleibt die Unterhose offenbar immer öfter an. Christoph Kramer erzählt bei Barbara Schöneberger, dass sich die Gewohnheiten seiner Mitspieler im Laufe seiner Karriere deutlich verändert hätten. Der Weltmeister von 2014 schätzt den Anteil der Boxershorts-Duscher auf 80 Prozent. Eine Fußballstatistik ist das nicht, sondern sein persönlicher Blick hinter die Kabinentür.
Nackt war früher normal
Die Passage stammt aus Folge 411 von „Mit den Waffeln einer Frau“. In einem Fragespiel über den Kabinenalltag will Schöneberger wissen, ob die Spieler tatsächlich gemeinsam duschen. Kramer bestätigt das – und schildert den Unterschied zu früher. Die offizielle Podcastseite fasst seine Aussage so zusammen: „Früher haben wir alle nackt geduscht. Heute duschen 80 Prozent mit Boxershorts.“
Ein Stoffrest wird damit zum Gesprächsthema. Gerade eine Mannschaftskabine, die von außen gern als besonders unverkrampfte Männerwelt gesehen wird, hat offenbar ebenfalls ihre wechselnden Regeln für Nähe und Privatsphäre.
Kramer sieht eine Generationenfrage
Im veröffentlichten Transkript beginnt das Duschthema ungefähr bei Minute 35:30. Schöneberger vergleicht das Duschen in Unterwäsche mit dem Dschungelcamp und fragt nach dem Bedürfnis, den Intimbereich zu schützen. Kramer hält das für möglich. Er vermutet vor allem einen Generationenunterschied, betont aber zugleich, dass man nicht pauschalisieren könne.
Als Beispiel erinnert er sich an gemeinsame Duschen gegen Ende seiner Laufbahn: Von zwölf Spielern seien nur noch zwei nackt gewesen, meist die über 30-Jährigen. Schöneberger macht daraus prompt einen Scherz über Körperbehaarung. Der Ton bleibt ein lockerer, mitunter zweideutiger Kabinentalk.
Was die 80 Prozent aussagen
Die griffige Zahl beschreibt Kramers Erfahrung. Er legt im Gespräch keine systematische Befragung aller Profivereine vor. Daraus lässt sich also weder eine feste Quote für die gesamte Bundesliga noch eine allgemeine Aussage über junge Männer ableiten. Auch der vermutete Generationenunterschied bleibt seine Interpretation.
Für die Zuhörerinnen und Zuhörer ist die kleine Beobachtung trotzdem reizvoll: Gemeinschaft bedeutet offenbar nicht für jeden dieselbe körperliche Offenheit. Wer die Boxershorts anbehält, setzt eine persönliche Grenze. Daraus lassen sich weder sexuelle Orientierung noch ein bestimmtes Männerbild zuverlässig herauslesen.
Vom Weltmeister zum Romanautor
Das rund 56-minütige Gespräch dreht sich außerdem um Kramers Leben nach dem Profifußball, Geld und Gefühle. Die Duschgeschichte ist dabei ein Ausschnitt aus einem längeren Interview. Anlass ist auch seine Arbeit als Schriftsteller: Sein zweiter Roman „Wolkenberührpunkt“ erschien laut Kiepenheuer & Witsch am 1. Oktober 2026.
Das Buch beschreibt darin zwei sehr unterschiedliche Männer und ihre Suche nach einem Platz im Leben. Zwischen Fußballrückblick und Buchgespräch liefert Kramer somit einen überraschend alltäglichen Einblick: Selbst in der Profikabine wird neu ausgehandelt, wie viel nackte Haut man zeigen möchte.