Mit lila Kleidung und zahlreichen Aktionen setzen Schulen und Hochschulen in den Niederlanden heute ein Zeichen gegen die Diskriminierung von LGBTIQ+-Jugendlichen. Der landesweite Aktionstag „Paarse Vrijdag“ („Lila Freitag“) soll für mehr Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten werben. In diesem Jahr findet er erstmals im Oktober statt.
Das Wichtigste im Überblick
- Heute tragen Menschen an niederländischen Schulen und Hochschulen Lila, um ihre Solidarität mit LGBTIQ+-Jugendlichen zu zeigen.
- Erstmals findet der „Paarse Vrijdag“ im Oktober statt. Zuvor wurde er Mitte Dezember begangen.
- Unter dem Motto „Unser Lila Freitag“ sollen Schüler, Lehrkräfte und Schulpersonal gemeinsam gegen Ausgrenzung vorgehen.
- Einer Untersuchung zufolge stehen nur noch 22 Prozent der minderjährigen Jungen in den Niederlanden Homosexualität positiv gegenüber.
- Die Veranstalter wollen nicht nur für einen Tag Aufmerksamkeit schaffen, sondern Schulen dauerhaft sicherer und offener gestalten.
Zeichen gegen Mobbing
Mit dem neuen Termin verändern die Veranstalter eine langjährige Tradition. Bislang wurde der „Paarse Vrijdag“ Mitte Dezember begangen. Künftig soll der Aktionstag jeweils auf den zweiten Freitag im Oktober fallen. Die Entscheidung geht auf die Organisatoren GSA Netwerk und COC Nederland zurück. Sie begründen die Verlegung vor allem mit den zahlreichen Veranstaltungen und Verpflichtungen, die an Schulen üblicherweise im Dezember anstehen. Feiertage und Aktivitäten zum Jahresende hätten es zunehmend erschwert, dem Thema die gewünschte Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Der neue Zeitpunkt soll es Schulen ermöglichen, bereits zu Beginn des Schuljahres ein deutliches Zeichen für Vielfalt, Sicherheit und gegenseitigen Respekt zu setzen. Zudem rückt der „Paarse Vrijdag“ damit näher an den internationalen Coming-Out-Tag heran, der am kommenden Sonntag, den 11. Oktober, begangen wird. Der „Lila Freitag“ wurde in den Niederlanden im Jahr 2010 ins Leben gerufen. Die Initiative wurde direkt vom US-amerikanischen „Wear It Purple Day“ inspiriert, bei dem Menschen ebenfalls lila Kleidung tragen, um ein Zeichen gegen das Mobbing von LGBTIQ+-Jugendlichen zu setzen. In diesem Jahr fand der Gedenktag in den USA bereits Ende August statt.
„Lila Freitag“ für alle
Die diesjährige Kampagne stellt die Verantwortung der gesamten Schulgemeinschaft in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Onze Paarse Vrijdag“ („Unser Lila Freitag“) wollen die Veranstalter deutlich machen, dass ein diskriminierungsfreies Umfeld nur durch gemeinsames Handeln entstehen kann. Angesprochen werden nicht allein LGBTIQ+-Jugendliche, sondern auch ihre Mitschüler, Lehrkräfte, Schulleitungen und weitere Beschäftigte. Dabei spielt die Unterstützung durch Menschen, die selbst nicht von Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität betroffen sind, eine wichtige Rolle. „Der Lila Freitag ist füreinander, miteinander und gemeinsam für die ganze Schule“, heißt es in den Kampagnenmaterialien.
Für die Umsetzung stellen die Organisatoren Schulen kostenlose Aktionspakete zur Verfügung. Sie enthalten Informationsmaterialien, Videos und Anregungen für gemeinsame Aktivitäten. Damit sollen Gespräche über Vielfalt, Diskriminierung und Akzeptanz angestoßen werden. Zugleich sollen die Materialien helfen, Initiativen zu entwickeln, die über den Aktionstag hinaus Bestand haben. An der Ausarbeitung der Kampagne waren auch Gender & Sexuality Alliances (GSAs) beteiligt. Dabei handelt es sich um Gruppen von Schülern und Studenten, die sich für die Gleichberechtigung und Akzeptanz von LGBTIQ+-Menschen einsetzen.
Akzeptanz von Homosexualität
Die diesjährige Aktion fällt in eine Zeit, in der die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität unter niederländischen Jugendlichen nach aktuellen Forschungsergebnissen deutlich zurückgeht. Eine Untersuchung der Universität Utrecht und des Trimbos-Instituts zeigte insbesondere bei Jungen im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren eine auffällige Entwicklung. Demnach hat sich der Anteil der Jungen mit einer positiven Einstellung gegenüber Homosexualität innerhalb von vier Jahren nahezu halbiert. Nur noch 22 Prozent äußern sich entsprechend positiv. Die Wissenschaftler nennen mehrere mögliche Ursachen für den Rückgang. Dazu zählt der Einfluss der sogenannten „Manosphere“, eines Netzwerks überwiegend männlich geprägter Onlinegemeinschaften, in denen unter anderem traditionelle Geschlechterrollen und ablehnende Einstellungen gegenüber Homosexualität verbreitet werden. Daneben verweisen die Forscher auf eine allgemein konservativere gesellschaftliche Entwicklung. Die Untersuchung verdeutlicht nach Einschätzung der Veranstalter, weshalb sichtbare Solidarität und aktive Unterstützung für LGBTIQ+-Jugendliche weiterhin notwendig sind.
Ausgrenzung an Schulen
Für viele schwule, lesbische, bisexuelle und queere Jugendliche ist die Schule nach wie vor nicht durchgehend ein sicherer Ort. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen seit Jahren, dass LGBTIQ+-Schüler häufiger mit Mobbing, abwertenden Bemerkungen und sozialer Ausgrenzung konfrontiert werden. Solche Erfahrungen können erhebliche Folgen haben. Betroffene Jugendliche ziehen sich mitunter aus dem schulischen Gemeinschaftsleben zurück oder versuchen, belastende Situationen durch das Fernbleiben vom Unterricht zu vermeiden. Die lila Kleidung soll betroffenen Jugendlichen daher vermitteln, dass sie nicht allein sind und dass sich andere Menschen an ihrer Schule für ihre Sicherheit und Gleichberechtigung einsetzen. Dabei steht nicht nur die persönliche Solidarität im Vordergrund. Der Aktionstag soll auch Schulen dazu anregen, ihre bestehenden Maßnahmen gegen Diskriminierung zu überprüfen und gegebenenfalls auszubauen.