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Eiskunstlaufstar aus Südafrika 2026 war das erfolgreichste Jahr bisher für Shiven Bodasing

Von ms - 06.10.2026 - 14:00 Uhr
Eiskunstlaufstar aus Südafrika
Foto: Instagram / curatoradlitem
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Tagsüber arbeitet er im juristischen Bereich, frühmorgens und abends trainiert er auf dem Eis: Shiven Bodasing (31) hat sich innerhalb weniger Jahre vom Anfänger zu einem international erfolgreichen Erwachsenen-Eiskunstläufer entwickelt. Inzwischen ist er der erste Südafrikaner, der sein Land auf internationaler Ebene in der Kategorie Adult Singles vertritt und kann sein bisher erfolgreichstes Jahr feiern. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Shiven Bodasing ist der erste Südafrikaner, der sein Land international in der Eiskunstlauf-Kategorie Adult Singles vertritt.
  • Bei einem internationalen Wettbewerb trat er gegen 68 Sportler aus aller Welt an, erreichte die höchste Wertung im künstlerischen Bereich und erhielt die Gesamtauszeichnung der Jury.
  • Erst mit 25 Jahren entdeckte Bodasing 2020 zufällig seine Begeisterung für den Eiskunstlauf.
  • 2023 zog er von Johannesburg nach Kapstadt, um gemeinsam mit dem südafrikanischen Spitzensportler Gian-Quen Isaacs zu trainieren.
  • Neben dem Sport arbeitet Bodasing als angehender Rechtsanwalt. Zuvor war er Inspektor und Manager bei der Tierschutzorganisation SPCA.
  • Seine sportliche Karriere finanziert Bodasing vollständig selbst – einschließlich Trainer, Eiszeiten, Ausrüstung und internationaler Reisen.
  • Als Botschafter der Diversify Ice Foundation möchte er insbesondere People of Colour und Menschen aus der LGBTIQ+-Community für den Eiskunstlauf gewinnen.
  • Bodasing blickt auf das erfolgreichste Jahr seiner Karriere zurück, 2026 gewann er sechs Goldmedaillen bei nationalen Wettbewerben.
  • Sein nächstes großes internationales Ziel sind die Winter World Masters Games 2028 in Finnland.

Verbindung zur Musik

Dabei begann seine sportliche Laufbahn ungewöhnlich spät. Erst im Alter von 25 Jahren entdeckte der schwule Bodasing den Eiskunstlauf für sich. Wenige Jahre später tritt er inzwischen gegen internationale Konkurrenz an und engagiert sich zugleich für mehr Vielfalt in seinem Sport. Bei einem internationalen Wettbewerb bereits im Januar stellte Bodasing seine Entwicklung unter Beweis. Er konkurrierte mit 68 Eiskunstläufern aus verschiedenen Ländern, erzielte die höchste Platzierung in der künstlerischen Kategorie und erhielt darüber hinaus die Gesamtauszeichnung der Jury. Sein erfolgreiches Jahr 2026 ging so weiter. 

Beim International Adult Skating Festival entschied sich Bodasing für das klassische Stück „Nessun Dorma“. Die Wahl sollte ihm ermöglichen, eine andere Seite seines Sports in den Mittelpunkt zu stellen. „Es war sowohl ein dramatisches Stück als auch eines, das mir die Möglichkeit gab, mich auf das Eislaufen zu konzentrieren, ohne den Druck der technischen Elemente wie der Sprünge“, erklärte Bodasing. Für ihn bestehe Eiskunstlauf nicht ausschließlich aus der technisch möglichst perfekten Ausführung einzelner Elemente. Musik und Emotionen spielten ebenfalls eine zentrale Rolle. „Ich glaube wirklich, dass Eiskunstlauf einem ermöglichen sollte, eine Verbindung zur Musik herzustellen, und er muss bei den Menschen etwas auslösen – was mir damit hoffentlich gelungen ist.“

Begegnung verändert Leben

Dass Bodasing überhaupt auf dem Eis landete, war zunächst nicht geplant. Seine Begeisterung entstand 2020 bei einem Besuch der Northgate Ice Rink in Johannesburg. Der damals 25-Jährige kam während einer Trainingseinheit für Eiskunstläufer an der Eisbahn vorbei. „Ich ging während einer ihrer Eiskunstlauf-Einheiten an der Eisbahn vorbei und war völlig fasziniert von den Pirouetten und Sprüngen, die sie machten; ich wusste sofort, dass das etwas war, was ich machen wollte“, erinnerte er sich. Aus der spontanen Begeisterung entwickelte sich zunehmend ernsthafter Leistungssport. 2023 verließ Bodasing Johannesburg und zog nach Kapstadt, um seine Trainingsmöglichkeiten zu verbessern. Dort arbeitet er intensiver mit seinem heutigen Trainer Vage Evetts zusammen. Außerdem trainiert er an der Seite des südafrikanischen Spitzen-Eiskunstläufers Gian-Quen Isaacs.

Zwischen Kanzlei und Eisbahn

Sein Leben dreht sich allerdings nicht ausschließlich um den Sport. Bodasing ist angehender Rechtsanwalt und war zuvor als Inspektor und Manager bei der südafrikanischen Tierschutzorganisation SPCA tätig. Die Erfahrungen aus der Rechtswissenschaft und dem Tierschutz beeinflussen nach eigenen Angaben auch seine Haltung als Sportler und Aktivist. „Für mich dreht sich alles um einen Sinn. Das Leben muss einen gewissen Sinn haben“, so Bodasing. Auch seine juristische Arbeit betrachtet er unter diesem Gesichtspunkt. „Als Anwalt ist ein großer Teil meines moralischen Kompasses davon geprägt, ein Gleichgewicht zwischen Reform und Bestrafung zu finden. Das war entscheidend dafür, mich zu dem Juristen zu machen, der ich heute bin.“

Sportlich konzentriert sich Bodasing auf zwei Kategorien des Erwachsenen-Eiskunstlaufs. Beim Adult Technical (Free Skating) stehen technische Fähigkeiten im Vordergrund. Bewertet werden unter anderem Sprünge, Pirouetten und deren Ausführung. Adult Artistic setzt andere Schwerpunkte. Hier geht es insbesondere um Choreografie, Musikalität und darum, auf dem Eis emotional eine Geschichte zu erzählen. Bodasing tritt in beiden Disziplinen an. Damit muss er sowohl die hohen technischen Anforderungen als auch die künstlerischen Aspekte des Sports trainieren. Seine internationale Teilnahme in der Kategorie Adult Singles hat zudem historische Bedeutung: Bodasing ist der erste Südafrikaner, der sein Land dort auf internationaler Ebene vertritt.

Der Tag beginnt früh

Die Verbindung aus juristischem Beruf und Leistungssport verlangt Bodasing einen strikten Tagesablauf ab. An den meisten Tagen steht er bereits um 4.00 Uhr morgens auf. Um 5.00 Uhr beginnt das Training auf dem Eis. Nach einer rund 90-minütigen Einheit folgt sein regulärer Arbeitstag von 8.00 bis 17.00 Uhr. Danach ist der Tag noch nicht beendet. Am Abend stehen Fitnessstudio oder Dehnübungen auf dem Programm. Für Freizeit bleibt entsprechend wenig Platz. „Es gibt viele Opfer. Kein Fernsehen, keine Lieblingsserie – einfach von einem Ablauf zum nächsten“, sagte Bodasing. Hinzu kommt die körperliche Belastung des Eiskunstlaufs. Besonders bei Sprüngen wirken nach Angaben Bodasings erhebliche Kräfte auf seinen Körper. „Die Menge an Kraft und Belastung, der ich meinen Körper aussetze, ist extrem – irgendwo zwischen dem Fünf- und Achtfachen meines Körpergewichts. mehr als 600 Kilogramm, wenn ich Sprünge bei hoher Geschwindigkeit lande.“ Training und Regeneration müssen deshalb zusätzlich mit seinem beruflichen Alltag vereinbart werden.

Karriere selbst finanziert

Eine weitere Herausforderung ist die Finanzierung. Als erwachsener Sportler in einer vergleichsweise kleinen Sportart erhält Bodasing nicht automatisch die Unterstützung, die Athleten in größeren Disziplinen zur Verfügung steht. Seine Eiskunstlauf-Karriere finanziert er vollständig selbst. Dazu gehören die Kosten für Trainer und Eiszeiten ebenso wie Ausrüstung und Reisen zu internationalen Wettbewerben. 2026 wollte Bodasing bei den ISU Adult Figure Skating Championships in Deutschland antreten. Dazu kam es jedoch nicht: Bereits innerhalb einer Stunde nach Beginn der Anmeldung war die maximale Teilnehmerzahl erreicht. Für Bodasing war das zwar ein Rückschlag, aber kein Grund, seine internationalen Ambitionen aufzugeben. „Enttäuschend, sicher, aber wenn ich durch den Eiskunstlauf eines gelernt habe, dann, dass die Dinge nicht immer so laufen, wie man es sich wünscht“, sagte er.

Winter World Masters und LGBTIQ+

Seinen Blick richtet der Südafrikaner deshalb bereits auf einen anderen Wettbewerb. „Ich schaue auf den nächsten großen Wettkampf, und das sind die Winter World Masters Games 2028 in Finnland.“ Bis dahin will Bodasing seine sportliche Entwicklung fortsetzen. National gehört er bereits zu den erfolgreichsten erwachsenen Eiskunstläufern seines Landes. Er ist derzeit der südafrikanische Erwachsenen-Eiskunstläufer mit der höchsten technischen Wertung. 2026 gewann er sechs Goldmedaillen bei nationalen Wettbewerben.

Neben den eigenen sportlichen Zielen nutzt Bodasing seine wachsende Sichtbarkeit für gesellschaftliches Engagement. Er ist globaler Botschafter der Diversify Ice Foundation. Die Organisation setzt sich für mehr Vielfalt im Eiskunstlauf ein. Bodasing möchte insbesondere Angehörige der LGBTIQ+-Community dazu ermutigen, Zugang zu der Sportart zu finden. Für ihn geht es dabei auch um strukturelle Voraussetzungen und bessere finanzielle Förderung. „Sport muss inklusiv und zugänglich sein. Südafrika hat so viele Talente in künstlerischen Sportarten wie Ballett, Gymnastik und Eiskunstlauf – dafür braucht es mehr finanzielle Förderung und mehr Unterstützung durch den Mainstream.“ 

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