Fehlende Vorbilder, Frauenfeindlichkeit und Homophobie: Bettina Böttinger (70) hat über die schwierigen Bedingungen gesprochen, unter denen sie als junge lesbische Frau in den 1970er-Jahren aufwuchs. Heute zieht die langjährige Moderatorin des „Kölner Treff“ eine ganz andere persönliche Bilanz. Sie sei glücklich verheiratet und führe ein gutes Leben.
Das Wichtigste im Überblick
- Bettina Böttinger spricht im Podcast „Glow Up Your Life“ von Katja Burkard über ihr Leben als lesbische Frau und frühere Erfahrungen mit Diskriminierung.
- Die langjährige Moderatorin des „Kölner Treff“ sagt: „Ich habe sehr viel Frauenfeindlichkeit erlebt und natürlich auch die sogenannte Homophobie“.
- Besonders ihre Schulzeit in den 1970er-Jahren beschreibt Böttinger als schwierig. Offen lesbische Vorbilder habe sie damals nicht gekannt.
- Ihre Entscheidung für ein offenes Leben habe sich für sie dennoch „ausgezahlt“. Heute bezeichnet sie sich als „sehr glückliche lesbische Frau“.
- Böttinger ist nach eigenen Angaben seit vielen Jahren glücklich verheiratet und führt ein gutes Leben.
- Die gesellschaftlichen Fortschritte für queere Menschen hält sie keineswegs für unumkehrbar. Errungenschaften könnten „schnell kaputt gemacht werden“.
- Deshalb fordert die 70-Jährige, weiterhin für demokratische Strukturen und die Freiheit zu kämpfen, zu leben und zu lieben, wie und wen man möchte.
- Gleichzeitig rät Böttinger dazu, Widerstandskraft zu entwickeln: Jeder Mensch brauche im Leben „gewisse Nehmerqualitäten“.
Offenheit hat sich „ausgezahlt“
Im Podcast „Glow Up Your Life“ von Katja Burkard blickt die 70-Jährige auf ihre persönlichen Erfahrungen und gesellschaftliche Veränderungen zurück. Böttinger macht zugleich deutlich, dass sie die erreichten Freiheiten für homosexuelle und queere Menschen nicht für selbstverständlich oder dauerhaft gesichert hält. „Ich habe sehr viel Frauenfeindlichkeit erlebt und natürlich auch die sogenannte Homophobie“, sagt Böttinger über ihre Vergangenheit. Auch Burkard spricht die Bedingungen an, unter denen Böttinger damals offen mit ihrer sexuellen Orientierung umging. „Du warst offen lesbisch, als das echt noch ein Problem war, das zu sagen, dazuzustehen“, sagt sie zu ihrem Gast.
Böttinger selbst bewertet ihre Entscheidung, offen zu leben, rückblickend positiv. Für sie habe sich dieser Weg „ausgezahlt“. Das zeige sich auch daran, wie sie heute auf ihr eigenes Leben blicke: „Weil ich sagen kann, viele hören das vielleicht nicht gerne, ich bin eine sehr glückliche lesbische Frau.“ Privat habe sie seit langem ihr Glück gefunden. Sie sei „gut verheiratet seit vielen Jahren“ und „führe ein gutes Leben“, sagt die frühere „Kölner Treff“-Moderatorin. Der Weg dorthin sei allerdings nicht selbstverständlich gewesen. Vor allem ihre Jugend schildert die gebürtige Düsseldorferin als eine schwierige Phase.
Keine lesbischen Vorbilder
Ihre Schulzeit in den 1970er-Jahren habe sie als lesbische Jugendliche unter völlig anderen gesellschaftlichen Bedingungen erlebt als ihr heutiges Leben. „Das war nicht so eine lustige Zeit“, sagt Böttinger rückblickend. Ein wesentliches Problem sei die fehlende Sichtbarkeit lesbischer Frauen gewesen. Für Jugendliche habe es kaum öffentlich bekannte Menschen gegeben, an denen sie sich orientieren konnten. „Ich kannte keine lesbische Frau auf dieser Welt, die irgendwie prominent war oder die ein Vorbild hätte sein können“, erinnert sich Böttinger. Damit fehlte ihr nicht nur ein persönliches Vorbild. Auch gesellschaftliche Akzeptanz für homosexuelle Menschen sei damals deutlich weniger vorhanden gewesen.
Dass sich die Situation seit ihrer eigenen Jugend erheblich verändert hat, bedeutet für Böttinger nicht, dass die damit verbundenen Probleme verschwunden sind. Sie verweist auf die Situation queerer Jugendlicher und sagt, auch heute gebe es „eine höhere Suizidrate bei queeren Jugendlichen als bei nicht queeren Jugendlichen“. Für Böttinger ist das ein Grund, gesellschaftliches Engagement für die Rechte und die Akzeptanz queerer Menschen fortzusetzen. Es gehe darum, „dass wir weiter kämpfen“. Dabei betrachtet sie die Entwicklung nicht ausschließlich als Frage von LGBTIQ+-Rechten. Sie verbindet die erreichten Freiheiten mit dem Zustand demokratischer Gesellschaften insgesamt.
„Das ist immer fragil“
Fortschritte und gesellschaftliche Freiheiten seien das Ergebnis früherer Auseinandersetzungen und keineswegs automatisch dauerhaft gesichert, betont Böttinger. „Alles, was wir erkämpft haben – demokratische Strukturen oder diese Freiheit, so zu leben, wie wir wollen, zu lieben, wen wir wollen – das ist erkämpft worden, und das ist immer fragil.“ Aus ihrer Sicht besteht deshalb auch die Gefahr, bereits erreichte gesellschaftliche Veränderungen wieder zu verlieren. Eine Errungenschaft könne „schnell kaputt gemacht werden“, warnt Böttinger. Für die Folgen findet sie einen bildhaften Vergleich: „Wie ein Wald abfackelt. Und es dauert sehr, sehr lange, bis der wieder aufgebaut ist.“ Damit verbindet sie ihre eigene Lebensgeschichte mit der Aufforderung, gesellschaftliche Freiheiten nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten.
Persönliche Widerstandskraft
Neben politischem und gesellschaftlichem Engagement hält Böttinger allerdings auch persönliche Widerstandsfähigkeit für wichtig. Nicht jede negative Erfahrung lasse sich verhindern. „Man muss es auch wegstecken“, sagt die Moderatorin. Diese Fähigkeit sei für sie keine Besonderheit, die ausschließlich queere Menschen benötigten. Vielmehr gehöre sie grundsätzlich zum Leben. „Man muss schon auch im Leben – und zwar jeder Mensch – gewisse Nehmerqualitäten entwickeln.“ Böttingers persönliche Bilanz fällt trotz der Erfahrungen mit Frauenfeindlichkeit und Homophobie sowie der schwierigen Jugendjahre positiv aus. Heute beschreibt sie sich selbst mit einem Satz, der für sie in den 1970er-Jahren kaum selbstverständlich gewesen wäre: „Ich bin eine sehr glückliche lesbische Frau.“