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Coming-Out als Risiko Luke Evans kennt einige ungeoutete Kollegen

Von ms - 06.10.2026 - 10:30 Uhr
Coming-Out als Risiko
Foto: IMAGO / Cover-Images
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Der offen schwule Schauspieler Luke Evans (47) kennt nach eigenen Angaben mehrere Kollegen in Hollywood, die ihre Homosexualität nicht öffentlich machen wollen. Der 47-Jährige äußert Verständnis für diese Entscheidung und verweist auf die besonderen Bedingungen der Filmbranche. Zudem nahm er Stellung zur seiner Einstellung zum Thema „woke“.  

Das Wichtigste im Überblick

  • Luke Evans sagt, er kenne „mehrere Schauspieler in Hollywood“, die sich bewusst gegen ein öffentliches Coming-Out entschieden hätten.
  • Der offen schwule Schauspieler kann die Sorgen seiner Kollegen nachvollziehen und beschreibt Hollywood als „ein sehr verschlossenes Umfeld“.
  • Evans selbst hatte mit Vorurteilen zu kämpfen und empfand es lange als schwierig, einer der wenigen offen schwulen Schauspieler zu sein.
  • Seine sexuelle Orientierung habe ihn aber nicht grundsätzlich für klassische Rollen ausgeschlossen. 
  • Nach eigenen Angaben war Evans rund zehn Jahre für die Rolle des James Bond im Gespräch.
  • Nach einem Telegraph-Interview widersprach Evans auch der Darstellung, er habe sich vom Begriff „woke“ distanziert, betont aber Meinungsvielfalt in der Community. 
  • Evans sieht Fortschritte bei der Sichtbarkeit schwuler Schauspieler, hält das Ziel vollständiger Normalität aber noch für lange nicht erreicht.

Ärger über Spekulationen

Evans, bekannt aus Produktionen wie „Fast & Furious“, „Die Schöne und das Biest“, „Der Hobbit“, „Dracula Untold“ und „Midway“, gehört seit Jahren zu den prominentesten offen schwulen Schauspielern, die auch mit klassischen Actionrollen erfolgreich sind. Seine sexuelle Orientierung hatte der Waliser bereits öffentlich gemacht, bevor seine große Filmkarriere begann. Dennoch sei der Umgang der Branche damit für ihn keineswegs problemlos gewesen, berichtete Evans in einem Interview mit dem britischen Telegraph. „Es war schrecklich. Die Leute stellten Vermutungen über mich an, ohne irgendetwas über mich zu wissen. Das hat mich sehr wütend gemacht“, so Evans.

Der Schauspieler räumte ein, dass er sich wegen seiner sexuellen Orientierung auch Sorgen um seine berufliche Zukunft gemacht habe. Verheimlichen wollte er seine Homosexualität dennoch nicht. Es sei „lange Zeit nicht einfach gewesen, der einzige offen schwule Mann zu sein“, sagte Evans. Mittlerweile habe sich die Situation verändert. Dennoch kennt er nach eigener Aussage „mehrere Schauspieler in Hollywood“, die sich gegen ein öffentliches Coming-Out entschieden haben. Ihre Beweggründe könne er nachvollziehen. 

Verständnis für ungeoutete Kollegen 

Welche persönlichen Erfahrungen ein Mensch gemacht habe und welche Auswirkungen ein Coming-out auf Familie oder Karriere haben könnte, lasse sich von außen kaum beurteilen. „Man weiß nie, was ein Mensch erlebt hat. Man kann nicht wissen, was seine Familie empfindet oder wie sehr er kämpfen musste, um sich eine Karriere aufzubauen. Natürlich kann ich nicht für sie sprechen und ja, es macht mich traurig, dass es in Hollywood nicht eine große Zahl brillanter schwuler Schauspieler gibt, aber es ist ein sehr verschlossenes Umfeld.“ Orientierung oder Hilfestellung gebe es in solchen Situationen kaum, sagte Evans weiter: „Niemand kommt zu dir und sagt: ‚Ach übrigens, so gehst du mit dem Coming-Out oder mit irgendeiner anderen Situation um.‘ Du bist auf dich allein gestellt.“

Hollywood und schwule Rollen

Evans' Aussagen berühren damit eine seit langem geführte Debatte über offen homosexuelle und queere Schauspieler in Hollywood. Dabei geht es auch um die Frage, ob Darsteller nach einem Coming-Out stärker auf bestimmte Rollen festgelegt werden und ihnen andere Figuren nicht mehr angeboten werden. Evans selbst gelang es über Jahre, zahlreiche Rollen in großen Action- und Fantasyproduktionen zu übernehmen, ohne seine Homosexualität zu verheimlichen. Der Schauspieler ist dabei seit Jahren mit Fran Tomas liiert. Seine persönliche Geschichte war allerdings von Konflikten um seine Homosexualität geprägt. Evans wuchs als Zeuge Jehovas auf und musste nach eigenen Angaben mit 16 Jahren wegen seiner Homosexualität sein Elternhaus verlassen.

Im Gespräch als James Bond 

Auch die wohl bekannteste britische Filmrolle kam in dem Interview zur Sprache. Auf die Frage, ob eines Tages ein schwuler Schauspieler James Bond verkörpern könnte, verwies Evans auf seine eigene Erfahrung. Er sei „ganze zehn Jahre lang für Bond im Rennen“ gewesen, sagte der Schauspieler. Für Evans spricht dies dafür, dass Homosexualität kein grundsätzliches Hindernis für eine Besetzung als James Bond sein müsse. Für ihn persönlich dürfte sich die Frage inzwischen allerdings erledigt haben. Er bezeichnete sich selbst mittlerweile als „zu alt“ für die Rolle.

Für Aufmerksamkeit sorgte nach dem Interview zudem eine Schlagzeile des Telegraph. Evans wurde darin mit der Aussage zitiert: „Schwul zu sein bedeutet nicht, woke sein zu müssen.“ Der Schauspieler reagierte anschließend in den sozialen Medien und machte deutlich, dass er seine Position in dieser Darstellung nicht wiedererkannte. „Ich habe das Bedürfnis, auf einige der Schlagzeilen zu reagieren, die der Telegraph für mein Interview verwendet hat“, schrieb Evans. „Ich möchte klarstellen, was ich gemeint habe, denn Teile dieses Interviews wurden auf eine Weise paraphrasiert, die nicht das widerspiegelt, was ich gesagt habe. Ich betrachte mich absolut als woke. Wenn das bedeutet, sich Ungerechtigkeit bewusst zu sein, sich um andere zu kümmern und für Menschen einzutreten, deren Rechte bedroht sind.“

Ansichten in der Community 

Evans betonte, sein Engagement für Gleichberechtigung habe sich nicht verändert. „Das sind Werte, für die ich seit Jahrzehnten eintrete. Ich habe für meine Community gekämpft und stand an der Seite anderer, die Schutz und Gleichberechtigung verdienen.“ Mit seinen ursprünglichen Äußerungen habe er vielmehr darauf hinweisen wollen, dass Menschen unterschiedliche Ansichten vertreten könnten. „Was ich sagen wollte, war, dass Menschen an unterschiedlichen Stellen dieses Spektrums stehen. Wir werden nicht immer dieselben Ansichten teilen, und es sollte Raum für Verständnis und Dialog geben. Das schmälert mein Engagement für diese Werte nicht.“ Zugleich äußerte Evans Verständnis dafür, dass die veröffentlichte Darstellung Kritik ausgelöst hatte. „Ich verstehe, warum Menschen negativ darauf reagiert haben, wie diese Worte dargestellt wurden. Aber ich möchte, dass meine Position klar ist. Mein Glaube an Gleichberechtigung, Mitgefühl und daran, sich Diskriminierung entgegenzustellen, hat sich nie geändert.“

Fortschritte für schwule Schauspieler

Bereits 2024 hatte über die Entwicklung für offen homosexuelle Schauspieler gesprochen. Er zeigte sich damals erfreut über die Vorstellung, selbst anderen den Weg erleichtert haben zu können. „Wenn ich das war, dann ist das eine große Ehre. Ja, es ist etwas Wunderschönes. Sie sind stolz darauf, sie sind glücklich, sie arbeiten und üben ihren Beruf aus.“ Nach seiner Wahrnehmung stehe bei Schauspielern inzwischen häufiger ihre berufliche Leistung im Vordergrund. „Inzwischen schauen die Menschen nicht mehr zuerst auf die Sexualität. Sie sehen das Talent. Sie sehen einen Schauspieler, ein Gesicht, einen fähigen Menschen; die Sexualität spielt keine Rolle.“

Dennoch sieht Evans die Entwicklung noch nicht am Ziel. „Es ist wunderbar. Ich sage immer, dass die Situation erst dann perfekt sein wird, wenn es kein Thema mehr ist, über das alle sprechen wollen, wenn es niemand mehr erwähnt. Nicht, weil man es vermeiden will, sondern einfach, weil es kein Problem mehr sein wird. Leider sind wir von diesem Ziel noch weit entfernt. Ich glaube nicht, dass wir es in absehbarer Zeit erreichen werden, aber die Dinge bewegen sich in die richtige Richtung.“ Beruflich stehen für Evans weitere Projekte an. In diesem Jahr gab er sein Broadway-Debüt als Dr. Frank-N-Furter in einer Neuinszenierung von „The Rocky Horror Show“. Auf der Kinoleinwand soll er als Nächstes gemeinsam mit Naomi Watts in dem Drama „The Housewife“ zu sehen sein. Hinzu kommt die Serie „The Party“. Außerdem übernimmt Evans eine Rolle an der Seite von Charlie Hunnam in „Criminal“. Die achtteilige Dramaserie entsteht für Amazon Prime Video.

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