Die pansexuelle Schauspielerin Gillian Anderson (58) hat mit einer ungewöhnlichen Bitte an einige ihrer langjährigen Fans eine Debatte über das Verhältnis zwischen Schauspielern und besonders engagierten Anhängern ausgelöst. Die Schauspielerin bat Besucher, die ihre aktuelle West-End-Produktion mehrfach ansehen, nicht immer in der ersten Reihe zu sitzen. Der Grund: Die vertrauten Gesichter könnten sie auf der Bühne ablenken.
Das Wichtigste im Überblick
- Gillian Anderson hat Fans, die ihre aktuelle Theaterproduktion wiederholt besuchen, gebeten, nicht jedes Mal in der ersten Reihe Platz zu nehmen.
- Die 58-Jährige erklärte am Bühneneingang des Londoner Soho Place, bekannte Gesichter unmittelbar vor der Bühne könnten sie während der Vorstellung ablenken.
- Ein Video des Gesprächs verbreitete sich anschließend viral und erreichte auf TikTok mehr als vier Millionen Aufrufe.
- Anderson stellte danach klar, dass sie die angesprochenen Frauen bereits seit mehr als 20 Jahren kenne, und bat ausdrücklich darum, sie nicht anzugreifen.
- Das Soho Place ist ein besonders intimer Spielort, an dem die Schauspieler das Publikum in den vorderen Reihen deutlich sehen können.
- Anderson spielt derzeit Martha neben Billy Crudup als George in Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“
- Die ausverkaufte Produktion läuft bis zum 19. Dezember.
- Anderson, die zuletzt öffentlich über ihre Pansexualität gesprochen hatte, ist seit ihren Rollen in „Akte X“ und „Sex Education“ mit besonders intensiver Fan-Aufmerksamkeit vertraut.
Rüge an treue Fans
Bekannt wurde die Situation durch ein Video, das vor dem Londoner Theater Soho Place aufgenommen wurde. Darin ist die 58-Jährige nach einer Aufführung von „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ am Bühneneingang im Gespräch mit Fans zu sehen. Die Aufnahme verbreitete sich anschließend über soziale Netzwerke. Auf TikTok kam sie auf mehr als vier Millionen Aufrufe. In dem Video richtet sich Anderson unmittelbar an die betreffenden Fans. „Ihr könnt nicht in der ersten Reihe sitzen. Es ist so ablenkend“, sagt die Schauspielerin.
Anschließend wird sie noch deutlicher: „Ihr könnt nicht 20 Mal kommen und in der ersten Reihe sitzen, das macht mich noch verrückt.“ Die angesprochenen Personen sind in dem Video selbst nicht zu sehen. Ihre Reaktionen auf Andersons Aussagen sind allerdings zu hören. Durch die große Verbreitung des Ausschnitts entwickelte sich anschließend eine öffentliche Diskussion über Andersons Umgang mit besonders treuen Fans. Die Schauspielerin sah sich deshalb jetzt zu einer Klarstellung veranlasst.
Fans seit mehr als 20 Jahren
Auf X erklärte Anderson, dass der kurze Videoausschnitt einen entscheidenden Teil des Zusammenhangs nicht vermittle: Bei den angesprochenen Zuschauerinnen handele es sich keineswegs um ihr unbekannte Menschen. „Das Video, das gerade die Runde macht, zeigt mich im Gespräch mit Frauen, die ich seit mehr als 20 Jahren kenne – also sagt bitte nichts Negatives zu ihnen oder über sie“, schrieb Anderson. Damit wandte sie sich zugleich gegen persönliche Angriffe auf die Fans infolge der viralen Verbreitung des Videos. Anderson machte deutlich, dass ihre Worte nicht als grundsätzliche Kritik an den betreffenden Personen verstanden werden sollten. Zugleich erläuterte die Schauspielerin, warum gerade Sitzplätze in der ersten Reihe für die Darsteller eine besondere Rolle spielen.
Das Soho Place ist ein vergleichsweise intimer Spielort. Die Schauspieler können deshalb von der Bühne aus deutlich erkennen, wer unmittelbar vor ihnen sitzt. „Wir freuen uns sehr, diese Produktion zu spielen, aber an die Menschen in der ersten Reihe: Bitte seid euch bewusst, dass wir euch in einem so intimen Theater alle sehen können und dass das manchmal ein kleines bisschen ablenkend sein kann!“, schrieb Anderson. Ihre Stellungnahme beendete sie versöhnlich: „Das ist alles. Alles gut. Weiter mit der Show, viel Liebe an alle und vielen Dank an alle, die kommen.“
Anderson spielt Martha
Gillian Anderson steht derzeit in Edward Albees Theaterklassiker „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“auf der Bühne. Sie übernimmt die Rolle der Martha, während Billy Crudup ihren Ehemann George spielt. Das 1962 uraufgeführte Stück erzählt von einer nächtlichen und von Alkohol geprägten Konfrontation zwischen zwei Paaren. Die aktuelle Londoner Produktion wird im Soho Place in einer Rundbühnen-Konstellation aufgeführt. Gerade diese räumliche Nähe zwischen Darstellern und Zuschauern trägt dazu bei, dass Reaktionen und Bewegungen im Publikum von der Bühne aus besonders deutlich wahrgenommen werden können. Die Vorstellungen sind ausverkauft. Die Spielzeit soll am 19. Dezember enden.
Verhalten im Theater
Die Debatte um Andersons Äußerungen fällt in eine Zeit, in der das Verhalten von Zuschauern bei Theateraufführungen wiederholt öffentlich diskutiert wird. Auch andere prominente Darsteller haben sich bereits zu Störungen während Vorstellungen geäußert. Cate Blanchett und Cynthia Erivo kritisierten öffentlich unter anderem die Nutzung von Mobiltelefonen sowie das Filmen während laufender Aufführungen. Intensive Aufmerksamkeit durch Fans begleitet Anderson indes bereits seit Jahrzehnten. Die in den USA geborene Schauspielerin wurde vor allem durch ihre Rolle als FBI-Agentin Dana Scully in der Fernsehserie „Akte X“ international bekannt und entwickelte sich zu einer Ikone der Popkultur. Viele Jahre später erreichte sie durch die Netflix-Serie „Sex Education“ ein neues, jüngeres Publikum. Darin spielte sie die Sexualtherapeutin Jean Milburn. Zuletzt outete sich die 58-Jährige vor wenigen Tagen erst als pansexuell.