Gemeinsame politische und gesellschaftliche Werte sind jungen LGBTIQ+-Menschen in den USA bei der Wahl eines Kandidaten deutlich wichtiger als eine gemeinsame Identität oder ein ähnlicher demografischer Hintergrund. Das geht aus einer Umfrage des Williams Institute an der UCLA School of Law mit Blick auf die US-Zwischenwahlen 2026 hervor.
Das Wichtigste im Überblick
- Fast 50 Millionen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren sind bei den US-Zwischenwahlen 2026 wahlberechtigt.
- Sechs von zehn LGBTIQ+-Befragten wollen nach eigenen Angaben definitiv an den Zwischenwahlen teilnehmen.
- Für 76 Prozent der LGBTIQ+-Befragten erhöht es die Wahlbereitschaft, wenn ein Kandidat ihre Werte teilt.
- Eine gemeinsame Identität oder ein ähnlicher demografischer Hintergrund ist deutlich weniger wichtig.
- Rund sieben von zehn LGBTIQ+-Befragten würden derzeit für den demokratischen Kongresskandidaten stimmen.
- Besonders große Sorgen bereiten der Generation Z steigende Preise, Inflation und Wohnkosten.
- LGBTIQ+-Befragte messen außerdem bezahlbarer Gesundheitsversorgung, dem Klimawandel und LGBTIQ+-inklusiven Antidiskriminierungsgesetzen Bedeutung bei.
Hohe Wahlbereitschaft
Fast 50 Millionen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren werden bei den Midterm-Wahlen 2026 in den Vereinigten Staaten wahlberechtigt sein. Die Untersuchung gibt damit einen Einblick in die politischen Prioritäten einer Generation, deren Anteil an der US-Wählerschaft wächst. Fast drei Viertel sowohl der LGBTIQ+- als auch der Nicht-LGBTIQ+-Befragten erklärten, die Wahrscheinlichkeit ihrer Wahlteilnahme liege bei mehr als 50 Prozent. Unter den homosexuellen und queeren Befragten sagten sechs von zehn, sie würden definitiv bei den Zwischenwahlen abstimmen.
Gemeinsame Werte
Besonders deutlich fällt das Ergebnis bei der Frage aus, welche Eigenschaften eines Kandidaten die Wahlentscheidung beeinflussen. Insgesamt erklärten 67 Prozent der Befragten, ein Kandidat, der ihre Werte teile, würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie für ihn stimmen. Unter den LGBTIQ+-Angehörigen der Generation Z lag dieser Anteil mit 76 Prozent noch höher. Eine Übereinstimmung bei Identität oder demografischem Hintergrund spielte hingegen eine wesentlich geringere Rolle. Nur 16 Prozent aller Befragten nannten dies als entsprechende Eigenschaft eines Kandidaten. Die Wissenschaftler des Williams Institute hatten die Untersuchung entwickelt, um vor den Zwischenwahlen die politischen Präferenzen und Prioritäten unterschiedlicher Gruppen der Generation Z miteinander zu vergleichen.
Unterschiede bei Parteipräferenz
Dabei zeigt sich auch ein Unterschied bei der aktuellen Parteipräferenz. Rund sieben von zehn LGBTIQ+-Befragten erklärten, sie würden aktuell für den demokratischen Kandidaten für den Kongress stimmen. Unter den heterosexuellen Befragten waren es etwa fünf von zehn. Studienautor Nathan Cisneros, Program Director am Williams Institute, sieht in den Ergebnissen einen Gegensatz zu der gelegentlich vertretenen Annahme, die Generation Z sei politisch weniger interessiert. „Diese Ergebnisse zeigen eine Generation, die das politische Geschehen aufmerksam verfolgt. Bei genauerer Betrachtung haben wir festgestellt, dass die LGBTIQ+-Generation-Z die wirtschaftlichen Sorgen und die Bereitschaft zu gesellschaftlichem Engagement ihrer Generation teilt. Zugleich haben wir bei dieser demografischen Gruppe eine stärkere Parteipräferenz und politische Orientierung sowie eine größere Bedeutung bestimmter gesellschaftlicher Themen festgestellt.“ Ähnlich wie in Deutschland definieren sich rund 22 Prozent der Gen-Z in den USA als LGBTIQ+, in der Gesamtgesellschaft sind es rund 12 Prozent, das entspricht 26,5 Millionen Menschen.
Inflation, Wohnkosten, Gesundheit
Bei wirtschaftlichen Problemen liegen die Prioritäten innerhalb der unterschiedlichen Gruppen der Generation Z dicht beieinander. 87 Prozent aller Befragten stuften steigende Preise, Inflation und Wohnkosten als akute Krisen oder ernsthafte Probleme ein. Die Bezahlbarkeit des alltäglichen Lebens gehört damit zu den zentralen Sorgen der befragten jungen Erwachsenen. Bei anderen politischen und gesellschaftlichen Themen treten hingegen deutlichere Unterschiede hervor. Besonders ausgeprägt ist das bei der Gesundheitsversorgung. 92 Prozent der LGBTIQ+-Befragten bezeichneten den Zugang zu bezahlbarer Gesundheitsversorgung als akute Krise oder ernsthaftes Problem. Unter den Nicht-LGBTIQ+-Befragten waren es 78 Prozent.
Auch dem Klimawandel messen die LGBTIQ+-Befragten häufiger eine hohe Dringlichkeit bei. 88 Prozent von ihnen bezeichneten ihn als akute Krise oder ernsthaftes Problem. In der Vergleichsgruppe der heterosexuellen Befragten waren es 69 Prozent. Noch größer fällt der Abstand bei Antidiskriminierungsregeln aus, die LGBTIQ+-Menschen ausdrücklich einbeziehen. 85 Prozent der queeren und homosexuellen Befragten sahen die Notwendigkeit solcher Gesetze als akute Krise oder ernsthaftes Problem an im Vergleich zu nur 50 Prozent bei der anderen Gruppe. Die Ergebnisse zeigen damit einerseits gemeinsame wirtschaftliche Sorgen innerhalb der Generation Z, andererseits aber unterschiedliche Gewichtungen bei einer Reihe gesellschaftspolitischer Fragen.
LGBTIQ+ politisch häufiger aktiv
Die Untersuchung befasste sich zudem nicht ausschließlich mit der geplanten Wahlteilnahme. Gefragt wurde auch nach dem gesellschaftlichen und politischen Engagement während des zurückliegenden Jahres. Dabei berichteten LGBTIQ+-Angehörige der Generation Z häufiger von politischer und gesellschaftlicher Beteiligung als ihre heterosexuellen Altersgenossen. Dazu gehörten Aktivitäten wie die freiwillige Mitarbeit in Wahlkampagnen oder die Aufforderung an andere Menschen, wählen zu gehen. Zugleich liefert die Befragung Hinweise darauf, was junge Erwachsene stärker zu politischer Beteiligung bewegen könnte. Mehr als die Hälfte aller Gen-Z-Befragten erklärte, gemeinsame Aktivitäten mit Gleichaltrigen würden die eigene Bereitschaft zu politischem Engagement erhöhen. Ähnliches gilt für eine persönliche Einladung durch Freunde, Familienmitglieder oder Gleichaltrige.
Wachsenden Einfluss der Gen-Z
Laurel Sprague, Research Director am Williams Institute und Co-Autorin der Untersuchung, verweist auf die langfristige Bedeutung dieser Altersgruppe für US-Wahlen. „Da der Anteil der Generation Z an der Wählerschaft in den kommenden Jahren wächst, werden die von diesen LGBTIQ+-Angehörigen der Generation Z zum Ausdruck gebrachten Eigenschaften den politischen Diskurs und die Wahlergebnisse prägen“, so Sprague. „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass politische Kandidaten auf die Anliegen der Generation Z eingehen und daran arbeiten, ihre politische Beteiligung zu fördern.“ Die Umfrage des Williams Institute wurde im Juli 2026 vom Meinungsforschungsunternehmen Verasight durchgeführt. Befragt wurden Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren in den Vereinigten Staaten.