Der irische schwule Schauspieler Andrew Scott (49) verkörpert in dem neuen Biopic „Elsinore“ den schottischen Schauspieler Ian Charleson, der seine Homosexualität zu Lebzeiten vor der Öffentlichkeit verbarg und 1990 im Alter von 40 Jahren an den Folgen von Aids starb. Im Mittelpunkt des Films steht Charlesons gefeierte „Hamlet“-Darstellung am Londoner National Theatre, die er trotz seiner schweren Erkrankung übernahm. Bereits Anfang des Jahres sorgte die Film-Ankündigung für viel Aufmerksamkeit, jetzt erschien auch der erste Trailer.
Das Wichtigste im Überblick
- „Elsinore“ erzählt die Geschichte des schottischen Schauspielers Ian Charleson, bekannt aus „Chariots of Fire“.
- Charleson war schwul, hielt seine sexuelle Orientierung aus Sorge um seine Karriere jedoch geheim.
- 1986 wurde bei ihm HIV diagnostiziert. Trotz seiner Erkrankung spielte er später Hamlet am Londoner National Theatre.
- Charleson starb 1990 im Alter von 40 Jahren an den Folgen von Aids. Erst nach seinem Tod wurde seine Erkrankung auf seinen Wunsch öffentlich bekannt.
- Andrew Scott übernimmt die Hauptrolle.
- Zum Ensemble gehören außerdem Olivia Colman, Billie Piper, Johnny Flynn, David Dawson, Luke Thompson und Joe Locke.
- Drehbuchautor Stephen Beresford versteht den Film nicht allein als Aids-Tragödie, sondern als Geschichte über Kunst, Gemeinschaft und das Leben.
Aids-Drama über Ian Charleson
Charleson wurde einem großen Publikum durch das mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnete Sportdrama „Chariots of Fire“ („Die Stunde des Siegers“) bekannt. Seine Homosexualität hielt er dagegen geheim. Freunde und Menschen aus seinem persönlichen Umfeld wussten davon, doch Charleson fürchtete in den 1980er Jahren, ein öffentliches Coming-Out könne seiner Karriere schaden. Die Zeit war zugleich von der sich ausbreitenden Aids-Krise sowie von Angst, Stigmatisierung und Falschinformationen über schwule Männer geprägt. 1986 wurde bei Charleson HIV diagnostiziert. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend. Dennoch wollte er seine Arbeit als Schauspieler fortsetzen. Entgegen dem Rat seines Arztes übernahm er am National Theatre die Titelrolle in William Shakespeares „Hamlet“ – eine der anspruchsvollsten Rollen des klassischen Theaters. Mehr als einen Monat lang stand Charleson regelmäßig auf der Bühne und erhielt für seine Darstellung hervorragende Kritiken. Die meisten Zuschauer wussten nichts von seiner Erkrankung.
Andrew Scott, der selbst bereits Hamlet im Londoner West End spielte und dafür 2018 für einen Olivier Award nominiert wurde, zeigte sich beeindruckt von Charlesons Leistung. „‚Hamlet‘ zu spielen ist so anstrengend“, so Scott. „Man spielt es achtmal pro Woche, und es verlangt einem wirklich alles ab … Allein die schiere Zeit, die man auf der Bühne verbringt, wenn man zweimal am Tag spielt – das sind sieben Stunden. Es ist eine olympische Aufgabe. Es hat mich einfach umgehauen, dass Ian das durchgestanden hat, obwohl er so krank war. Es sagt viel über ihn aus, dass er sich dafür entschieden hat.“
Charleson starb mit 40 Jahren
Nur acht Wochen nach dem Ende seiner „Hamlet“-Spielzeit starb Charleson am 6. Januar 1990 im Alter von 40 Jahren an den Folgen von Aids. Erst nach seinem Tod wurde seine Erkrankung auf seinen eigenen Wunsch öffentlich bekannt. Charleson wurde damit zum ersten bekannten britischen Prominenten, dessen Tod an Aids öffentlich gemacht wurde. Auch seine Homosexualität wurde erst nach seinem Tod einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Der Titel des Films „Elsinore“ bezieht sich auf Helsingør in Dänemark, im Englischen Elsinore, den Schauplatz von Shakespeares „Hamlet“. Das Drehbuch schrieb Stephen Beresford, bekannt durch „Pride“. Regie führt Simon Stone, der „Hamlet“ bereits für die Bühne inszeniert hat.
Andrew Scott erhält viel Lob
Scott ist unter anderem aus „Sherlock“, „Fleabag“ und „All of Us Strangers“ bekannt. Für seine Darstellung Charlesons erhält er bereits jetzt viele positive Kritiken. Seine Leistung wurde unter anderem als „die Rolle seines Lebens“ und als „eine körperliche, psychologische und emotionale Darstellung, die nichts zurückhält“ bezeichnet. Seit der Weltpremiere von „Elsinore“ beim Telluride Film Festival wird Scott zudem als möglicher Kandidat für bedeutende Filmpreise gehandelt. Sollte er den Oscar als bester Hauptdarsteller gewinnen, wäre er der erste offen schwule Mann, der diese Auszeichnung erhält – und dies für die Darstellung eines schwulen Mannes.
Prominente Besetzung
Neben Scott spielt Olivia Colman Charlesons Ärztin Margaret Johnson. Billie Piper ist als enge Freundin des Schauspielers zu sehen. Johnny Flynn verkörpert „Hamlet“-Regisseur Richard Eyre und David Dawson den offen queeren Regisseur Derek Jarman. Luke Thompson und „Heartstopper“-Darsteller Joe Locke spielen zwei weitere Männer, die sich gemeinsam mit Charleson in Behandlung befinden. Drehbuchautor Beresford will „Elsinore“ trotz Charlesons Erkrankung und frühem Tod nicht ausschließlich als tragische Geschichte über die Aids-Krise verstanden wissen. Der Film soll ebenso von Kunst, Gemeinschaft und Lebenswillen erzählen. „Es gibt einige wunderbare Filme, die sich mit den Themen der Aids-Krise beschäftigen, aber viele von ihnen konzentrieren sich auf die Tragödie, auf den Verlust von Menschenleben“, sagt Beresford. „Eines der außergewöhnlichen Dinge an der Krise und an den Menschen, die heute mit HIV leben, ist, wie sehr sie leben.“ Im März 2027 soll der Film auch in die deutschen Kinos kommen.