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Fake News aus der KI Russlands verdeckte Medienkampagne in Afrika

Von ms - 29.09.2026 - 13:30 Uhr
Fake News aus der KI
Foto: iStock / Kenneth Cheung
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Propaganda produzieren, politische Gegner beobachten und manipulierte Inhalte wie gewöhnlichen Journalismus aussehen lassen: Russische Akteure haben nach Erkenntnissen des US-Unternehmens Anthropic dessen KI-Assistenten Claude für eine umfangreiche Einflussoperation in der Zentralafrikanischen Republik eingesetzt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Anthropic hat eine verdeckte russische Einflussoperation in der Zentralafrikanischen Republik aufgedeckt und unterbunden.
  • Der KI-Assistent Claude soll für prorussische und regierungsfreundliche Inhalte eingesetzt worden sein.
  • Oppositionelle wurden dem Bericht zufolge systematisch beobachtet und Informationen über sie aktualisiert.
  • Claude verweigerte eine Aufforderung, reale Personen als militante Aktivisten darzustellen.
  • Anthropic spricht ausdrücklich von einer vom russischen Staat gesteuerten verdeckten Operation.
  • Weitere von Anthropic aufgedeckte KI-gestützte Einfluss- oder Überwachungsoperationen betrafen unter anderem die DR Kongo, Kenia, Sudan und Mali.
  • Auch Attacken auf die LGBTIQ+-Community nehmen rapide zu, um Vorurteile zu verstärken. 

Fake News und Überwachung

Anthropic bezeichnet den Vorgang in seinem jetzt veröffentlichten Bericht zur missbräuchlichen Nutzung künstlicher Intelligenz als eine vom russischen Staat gesteuerte verdeckte Operation. Ziel sei es gewesen, den Informationsraum des afrikanischen Landes zu manipulieren und zu beeinflussen. Das Unternehmen sperrte das betreffende Konto und die dahinterstehende Organisation. Im Zentrum stand ein russischsprachiger Akteur in der Hauptstadt Bangui. Er soll Claude als eine Art Produktionszentrale eingesetzt haben. Die KI erstellte unter anderem Artikel, Skripte, Beiträge und interne Unterlagen. Nach Angaben von Anthropic erhielt das System dabei ausdrücklich die Anweisung, prorussische Botschaften in Inhalte einzubauen. Die untersuchten Beiträge zeichneten überwiegend ein positives Bild der zentralafrikanischen Regierung sowie der russischen Strukturen beziehungsweise des Africa Corps. Frankreich und die politische Opposition wurden dagegen negativ dargestellt.

Propaganda gleich Journalismus 

Besonders auffällig ist, wie gezielt die Herkunft der Inhalte verschleiert worden sein soll. Die Texte sollten nach Erkenntnissen von Anthropic wie die Arbeit gewöhnlicher zentralafrikanischer Journalisten wirken. Der verantwortliche Akteur habe Claude sogar angewiesen, typische Merkmale KI-generierter Texte zu vermeiden. Die Einflussoperation koordinierte ihre Arbeit nach Erkenntnissen von Anthropic zudem mit russischen Staatsmedien und wurde im Land auch von regionalen Medien wie Radiosendern verbreitet, oftmals auch in dem Glauben, Tatsachen zu berichten. Die KI wurde allerdings nicht nur zur Produktion von Propaganda verwendet. Mehrere führende Persönlichkeiten der zentralafrikanischen Opposition sollen regelmäßig beobachtet worden sein. Informationen über sie wurden gesammelt und aktualisiert. In einem Fall ging die geplante Manipulation nach Angaben von Anthropic noch weiter. Claude sollte demnach reale Personen als militante Aktivisten darstellen. Ziel sei gewesen, ein Eingreifen der Sicherheitsbehörden gegen diese Menschen auszulösen. Die KI verweigerte allerdings diese Aufforderung.

Radikales Vorgehen gegen LGBTIQ+

In mehreren afrikanischen Staaten hat sich das gesellschaftliche und politische Klima für LGBTIQ+-Menschen zuletzt verschärft. Menschenrechtsorganisationen beobachten, dass Falschinformationen, Verschwörungserzählungen und Kampagnen gegen sexuelle Minderheiten verbreitet werden und dabei etwa behauptet wird, Homosexualität sei eine aus dem Ausland gesteuerte Bedrohung für traditionelle Familien und afrikanische Werte. Solche Narrative begleiten auch politische Initiativen für schärfere Gesetze: Human Rights Watch beschreibt etwa transnationale Netzwerke, die in Ländern wie Uganda, Ghana und Kenia Anti-LGBTIQ+-Kampagnen und entsprechende Gesetzesvorhaben unterstützen. In Uganda wurden nach Erkenntnissen der Organisation bereits vor und nach dem 2023 verabschiedeten Anti-Homosexuellengesetz über traditionelle und soziale Medien Falschinformationen und Hass gegen Schwule und Lesben verbreitet; zugleich nahmen Angriffe und Belästigungen zu. Auch die Gesetzgebung wird in Teilen Afrikas restriktiver: Burkina Faso führte zuletzt erstmals eine Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen ein, Senegal verschärfte bestehende Vorschriften. 

Länger bestehende Strategie

Vertreter der zentralafrikanischen Opposition sehen die Enthüllungen als Teil einer länger bestehenden Einflussstrategie. Russland bestreitet indes die Vorwürfe. Gerade für Minderheiten und andere gesellschaftlich angegriffene Gruppen ist diese technische Entwicklung grundsätzlich relevant: KI kann bereits vorhandene falsche Behauptungen und Feindbilder schneller vervielfältigen und auf unterschiedliche Zielgruppen zuschneiden. Die Zentralafrikanische Republik ist dabei nicht das einzige afrikanische Land, in dem Anthropic eine problematische Nutzung seiner KI festgestellt hat, weitere Meldungen kommen aus DR Kongo, Kenia, Sudan und Mali. Die dokumentierten Fälle wurden zwischen Dezember 2025 und August 2026 entdeckt. Anthropic gibt an, die jeweiligen Aktivitäten unterbunden, beteiligte Konten gesperrt und seine automatischen Erkennungssysteme erweitert zu haben. Das Unternehmen betont zugleich, dass es sich bei den veröffentlichten Beispielen nicht um eine typische Nutzung seiner KI handelt, sondern um besonders relevante Fälle von Missbrauch.

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