Eklat beim CSD Erlangen Jüdische Gemeinde berichtet von Angriffen
Rund 4.000 Menschen haben nach Angaben der Veranstalter am Samstag in Erlangen am Christopher Street Day für die Rechte queerer Menschen demonstriert. Überschattet wurde die Veranstaltung nach den vorliegenden Schilderungen jedoch von antisemitischen linken Anfeindungen gegen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jüdischen Kultusgemeinde.
Das Wichtigste im Überblick
- Rund 4.000 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter am Samstag am Christopher Street Day (CSD) in Erlangen.
- Während der Demonstration kam es offenbar zu antisemitischen Anfeindungen gegen Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde.
- Die Deutsch-Israelische Gesellschaft veröffentlichte ein Video, auf dem ein junger Mann vor Mitgliedern der jüdischen Gemeinde auf den Boden spuckt.
- In weiteren Videos waren Sprechchöre wie „Death to the IDF“ zu hören.
- Die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde, Esther Limburg-Klaus, kritisierte die Gleichsetzung jüdischer Menschen mit der Politik Israels.
- Erlangens Oberbürgermeister Jörg Volleth sowie weitere Politiker verurteilten die Vorfälle.
- Der CSD-Verein erklärte: „Antisemitismus hat auf unserem CSD keinen Platz“ und kündigte eine Überprüfung des Vorfalls an.
Kritik an Gleichsetzung
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft veröffentlichte unter anderem ein Video, das einen jungen Mann zeigt, der vor Mitgliedern der jüdischen Gemeinde auf den Boden spuckt. Weitere Aufnahmen dokumentierten antijüdische Äußerungen während der Demonstration. Dabei wurden unter anderem israelischen Soldaten der Tod gewünscht. Zu hören war der Sprechchor „Death to the IDF“. Die Abkürzung IDF steht für „Israel Defense Forces“, die israelische Wehrpflichtarmee. Auch gegenüber der Jüdischen Gemeinde selbst wurden weitere gegen Israel gerichtete Sprechchöre angestimmt.
Die Jüdische Kultusgemeinde Erlangen war mit einer eigenen Gruppe beim CSD vertreten. Ihre Vorsitzende Esther Limburg-Klaus bedauerte gegenüber den Nürnberger Nachrichten, dass jüdische Menschen mit der Politik des Staates Israel gleichgesetzt worden seien. Anlass dafür sei unter anderem eine Regenbogenfahne mit Davidstern gewesen. „Es ist nun mal auch ein religiöses Symbol“, sagte Limburg-Klaus. Sie verwies zudem darauf, dass der Davidstern traditionell auch die Verbindung von weiblich und männlich darstelle. „Und somit hat es auch was mit Liebe zu tun.“
Oberbürgermeister betont Solidarität
Nach den Anfeindungen bezog die Erlanger Stadtspitze deutlich Stellung. Oberbürgermeister Jörg Volleth erklärte: „Die Anfeindungen gegenüber Mitgliedern der jüdischen Gemeinde erfüllen uns mit großer Betroffenheit. Antisemitismus, Ausgrenzung und jede Form von Menschenfeindlichkeit haben in unserer Stadt keinen Platz. Der CSD steht für Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander – diese Werte gelten für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Identität. Wir stehen an der Seite der jüdischen Gemeinde und aller Menschen, die beim CSD angefeindet wurden. Erlangen ist eine Stadt der Vielfalt und des Zusammenhalts. Wir dürfen nicht zulassen, dass Hass und Ausgrenzung diesen Zusammenhalt gefährden. Es wichtig, dass wir als Stadtgesellschaft miteinander im Gespräch bleiben und gemeinsam für ein respektvolles und friedliches Miteinander eintreten.“
Statements aus Politik und Community
Auch aus der Erlanger Politik kam Kritik an den verbalen Angriffen auf die Jüdische Gemeinde. Der dritte Bürgermeister, CSU-Politiker Christian Lehmann, erklärte auf Instagram: „Sollte sich der geschilderte Ablauf bestätigen, insbesondere das demonstrative Ausspucken vor Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, ist damit eine Grenze deutlich überschritten worden. Der Hass, der in dieser Auseinandersetzung offenbar geworden ist, steht in einem fundamentalen Widerspruch zu dem, wofür der CSD steht.“ Auch die zweite Bürgermeisterin Eva Linhardt von den Grünen betonte, dass Antisemitismus in Erlangen keinen Platz habe. Der CSD-Verein selbst zeigte sich ebenfalls schockiert über die Vorgänge. „Antisemitismus hat auf unserem CSD keinen Platz“, erklärten die Veranstalter. Der Vorfall solle nun überprüft werden.
Insgesamt positive Bilanz
Trotz der Vorfälle fiel die Gesamtbewertung der Jüdischen Gemeinde zur Veranstaltung positiv aus. In einer E-Mail gratulierte Esther Limburg-Klaus den Organisatorinnen und Organisatoren zu einer „gelungenen Veranstaltung“. Auch in einem Video vom CSD äußerte sie sich zur Teilnahme der Gemeinde. „Die jüdische Gemeinde ist hier, weil die jüdische Gesellschaft auch sehr bunt und vielfältig ist und wir auch in der Stadtgesellschaft willkommen sein wollen als bunte und interessante jüdische Gemeinschaft.“
Kritik übte Limburg-Klaus allerdings an der Positionierung der einzelnen Gruppen innerhalb des Demonstrationszuges. Hinter der Jüdischen Gemeinde sei der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) gelaufen. Direkt dahinter hätten sich jene antijüdischen Demonstranten aus dem linken Spektrum befunden. „Man hätte uns im Prinzip auch anders platzieren können“, sagte Limburg-Klaus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ASB hätten ihr leidgetan, weil sie zwischen die beiden Gruppen geraten seien. „Das ist schade, dass es so gelaufen ist.“