Vapen bei LGBTIQ+-Jugendlichen Queere Minderjährige stark betroffen, mehr Prävention gefordert
LGBTIQ+-Jugendliche sind überdurchschnittlich häufig Mobbing und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass solche Erfahrungen auch mit dem erhöhten Konsum von E-Zigaretten und Vapes in dieser Personengruppe zusammenhängen könnten.
Das Wichtigste im Überblick
- LGBTIQ+-Jugendliche sind laut einer neuen Untersuchung besonders häufig von Mobbing und sozialer Ausgrenzung betroffen.
- Forscher sehen einen möglichen Zusammenhang zwischen diesen Erfahrungen und dem überdurchschnittlich hohen Vape-Konsum unter LGBTIQ+-Menschen.
- Auch mangelnde Unterstützung durch die eigene Familie kann nach Ansicht der Autoren zu zusätzlichem Minderheitenstress führen.
- Vaping kann dadurch zu einem Bewältigungsmechanismus werden, um mit Stress und Ausgrenzung umzugehen.
- Die Forscher empfehlen gezielte Präventionsangebote für queere Jugendliche sowie Unterstützung in Familien, Schulen und LGBTIQ+-Organisationen.
- Auch Pride-Veranstaltungen könnten nach Ansicht der Autoren Gegenstrategien zu Marketing für E-Zigaretten entwickeln.
Mehr Rauch durch Mobbing?
Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass LGBTIQ+-Menschen häufiger zu Vapes greifen als heterosexuelle Menschen. Demnach dampfen 22 Prozent der schwulen Männer und lesbischen Frauen sowie 18 Prozent der Bisexuellen. Unter heterosexuellen Menschen sind es 15 Prozent. Die neue Untersuchung wurde von Gesundheitswissenschaftlern der George Mason University und der Lehigh University verfasst und in der Fachzeitschrift „Prevention Science“ veröffentlicht. Die Autoren stellten dabei fest, dass LGBTIQ+-Jugendliche nicht nur häufiger Mobbing erleben, sondern teilweise auch von ihren eigenen Familien ausgegrenzt werden. Dadurch könne ein besonders hoher sogenannter Minderheitenstress entstehen. „LGBTIQ+-Menschen sind in ihren biologischen Familien häufig selbst Angehörige einer Minderheit. Wenn Familienmitglieder ihre Identität nicht anerkennen und unterstützen, wird das Zuhause zu einer wesentlichen Quelle von Konflikten und psychischer Belastung“, schreiben die Autoren.
Ausweg aus dem Stress
Nach Einschätzung der Forscher kann Vaping unter diesen Umständen zu einem Bewältigungsmechanismus werden. Jugendliche könnten versuchen, mit Stress und gesellschaftlicher Ausgrenzung umzugehen, indem sie zu E-Zigaretten greifen. Die Autoren verweisen zugleich auf die suchterzeugende Wirkung von Nikotin und auf Marketingstrategien der Branche, die sich sowohl an junge Menschen als auch an LGBTIQ+-Publikationen richten. Deshalb empfehlen sie gezielte Präventionsmaßnahmen, die die besonderen Risiken für queere Jugendliche berücksichtigen.
Eine wichtige Rolle spielt nach Ansicht der Forscher das familiäre Umfeld. Ein unterstützendes Zuhause, in dem die Identität von LGBTIQ+-Jugendlichen anerkannt wird, könne dazu beitragen, den Bedarf an Bewältigungsmechanismen wie Vaping zu verringern. Auch Schulen und LGBTIQ+-Organisationen könnten nach Einschätzung der Autoren mit speziell auf Jugendliche zugeschnittenen Kampagnen über die gesundheitlichen Risiken des Vapings informieren und so dazu beitragen, den Konsum zu verhindern. Studien haben den Angaben zufolge zudem Hinweise darauf ergeben, dass Vaping wahrscheinlich Lungen- und Mundkrebs verursachen kann.
Pride-Veranstaltungen im Blick
Die Empfehlungen richten sich dabei nicht nur an Familien, Schulen und Organisationen. Auch größere LGBTIQ+-Veranstaltungen wie Pride-Paraden und CSDs sollten nach Ansicht der Autoren überlegen, wie sie Gegenkampagnen zur Werbung für E-Zigaretten und Vapes entwickeln können. „Indem einzigartige Risiko- und Schutzfaktoren für das Vaping unter LGBTIQ+-Jugendlichen sowie die Mechanismen identifiziert werden, durch die sie das Risiko erhöhen, werden die Ergebnisse dabei helfen, evidenzbasierte Präventionsmaßnahmen erfolgreich anzupassen, um das Vaping in dieser besonders gefährdeten Gruppe zu reduzieren“, sagte der leitende Forscher Kenneth Griffin in einer Pressemitteilung gegenüber U.S. News & World Report.