Queere Medienpersönlichkeit ESC-Kommentator Thorsten Schorn verlässt WDR 2
Nach einem Vierteljahrhundert als eine der prägenden Stimmen des öffentlich-rechtlichen Hörfunks in Nordrhein-Westfalen verlässt Thorsten Schorn zum 4. September das Tagesprogramm von WDR 2. Laut Angaben von WDR und Branchenmagazin DWDL.de beendet der 50-jährige Moderator seine tägliche Präsenz auf dem meistgehörten Radiosender des Bundeslands, um sich künftig anderen beruflichen Herausforderungen zu widmen. Schorns Abschied markiert einen Wandel in der Radiolandschaft Nordrhein-Westfalens und ist zugleich Anlass für eine Analyse der Personalpolitik und der medialen Vielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Das Wichtigste im Überblick
- Thorsten Schorn moderiert am 4. September letztmals regulär auf WDR 2.
- Nach über 25 Jahren im WDR sucht er neue berufliche Wege.
- Schorn bleibt als Kommentator für WDR und ARD, etwa beim Deutschen Radiopreis und ESC, aktiv.
- WDR-Programmdirektorin betont Schorns prägende Rolle und bedauert seinen Abschied.
- Schorn hat sich 2014 öffentlich geoutet und gilt als sichtbare queere Medienpersönlichkeit.
Abschied nach 25 Jahren Moderation bei WDR
Thorsten Schorn startete seine Laufbahn beim Westdeutschen Rundfunk im Jahr 1999 bei der jungen Welle 1Live, bevor er 2017 zu WDR 2 wechselte. Dort moderierte er über Jahre die beliebte Nachmittags- und Frühabendstrecke. In seiner Rolle prägte er den informellen, dialogischen Radiojournalismus für eine breite Hörerschaft. Laut Persönlicher Erklärung sucht Schorn nun „neue berufliche Wege“, bleibt aber für punktuelle Großereignisse wie die Moderation des Deutschen Radiopreises prominent an Bord. Für WDR und die ARD kommentiert er weiterhin den Eurovision Song Contest, dessen deutsches Publikum er erstmals im Mai 2024 begleitete.
Mediale Sichtbarkeit und Diversitätsfrage beim WDR
Thorsten Schorn steht auch für eine veränderte mediale Repräsentation. Sein Coming-out 2014 in einer Livesendung war ein Meilenstein für queere Sichtbarkeit im deutschen Rundfunk. Für viele LGBTIQ+- Hörerinnen und Hörer symbolisierte Schorns Alltag auf Sendung gelebte Diversität. Nach Aussage der Programmdirektorin Andrea Schafarczyk sei sein „charmant-frecher Stil“ und „Leidenschaft für das Medium“ unverzichtbar gewesen. Der nun angekündigte Abschied wirft erneut die Frage auf, wie konsequent öffentlich-rechtliche Sender medienspezifische Vielfalt und Lebensrealitäten ihrer Beschäftigten abbilden und ob personelle Wechsel strukturell mitgedacht werden.
Perspektive für den Sender und die Radiolandschaft
Mit Schorns Ausstieg verlieren WDR 2 und der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine markante Stimme, die sowohl regionale Verwurzelung als auch Offenheit gegenüber neuen medialen Formaten verkörperte. Die anstehende Nachbesetzung und die künftige inhaltliche Ausrichtung werden entscheidend dafür sein, wie glaubwürdig der Sender gesellschaftliche Breite und Teilhabe weiterhin abbilden kann. Sicher ist lediglich: Thorsten Schorn kommentiert bereits am 10. September live die Verleihung des Deutschen Radiopreises – womit der Abschied von der Alltagspräsenz, nicht aber vom Radio selbst endgültig wird.