Abschied von einer queeren Ikone Dolly Parton ist mit 80 Jahren gestorben
Dolly Parton ist tot. Die Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und Unternehmerin starb am 25. August 2026 im Alter von 80 Jahren friedlich in Nashville. Ihre Familie und ihre Vertreter bestätigten die Nachricht. Eine Todesursache wurde zunächst nicht mitgeteilt. Für Millionen Menschen endet damit eine sieben Jahrzehnte umspannende Karriere – und für viele queere Fans der Abschied von einer Verbündeten, die Akzeptanz nicht nur predigte, sondern lebte.
Das Wichtigste im Überblick
- Dolly Parton starb am 25. August 2026 im Alter von 80 Jahren in Nashville.
- Die Todesmeldung wurde von ihrer Familie und ihren Vertretern bestätigt.
- Mit mehr als 100 Millionen verkauften Tonträgern gehörte sie zu den erfolgreichsten Künstlerinnen der Country-Geschichte.
- Parton unterstützte über Jahrzehnte schwule, lesbische und trans* Menschen.
- Ihre Songs, ihr Humor und ihre bewusst überzeichnete Bühnenfigur machten sie zu einer queeren Ikone.
Die Familie bestätigt ihren Tod
Partons Neffe Bryan Seaver teilte die Nachricht in einem Video in den sozialen Medien mit. Nach Angaben ihrer Vertreter starb die Musikerin friedlich in Nashville. Eine konkrete Todesursache wurde bislang nicht veröffentlicht. Noch wenige Tage zuvor hatte Parton öffentlich über gesundheitlich schwere Zeiten gesprochen und zugleich betont, weiterarbeiten zu wollen.
Geboren wurde Dolly Rebecca Parton am 19. Januar 1946 in Tennessee als viertes von zwölf Kindern. Aus ärmlichen Verhältnissen arbeitete sie sich zu einer der bekanntesten Künstlerinnen der Welt empor. Sie schrieb Hunderte Songs, verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger und gewann zehn Grammys bei 55 Nominierungen. Zu ihren Klassikern gehören „Jolene“, „9 to 5“, „Coat of Many Colors“ und „I Will Always Love You“.
Mehr als eine Ikone für queere Fans
Partons Nähe zur LGBTQ+-Community war kein spätes Imageprojekt. Schon lange bevor queere Sichtbarkeit im Country-Mainstream selbstverständlich wurde, sprach sie über schwule und lesbische Menschen in ihrer Familie und über Fans, die bei ihr Rückhalt fanden. In einem Interview von 2016 erzählte sie, wie sie Angehörige beim Coming-out unterstützt habe. Ihr Grundsatz war einfach: Niemand sollte sich verstecken oder für die eigene Identität schämen müssen.
Auch musikalisch setzte sie Zeichen. Der Song „Family“ von 1991 erzählt von einer Familie, in der sehr unterschiedliche Menschen selbstverständlich dazugehören – ausdrücklich auch schwule Angehörige. „Coat of Many Colors“, ursprünglich die Geschichte eines aus Stoffresten genähten Mantels, wurde für viele queere Hörerinnen und Hörer zu einem Lied über den Weg von Scham zu Stolz. Partons Botschaft: Anderssein ist kein Makel.
„Travelin’ Thru“ gab einer trans* Geschichte eine Stimme
Für den Film „Transamerica“ schrieb und sang Parton 2005 „Travelin’ Thru“. Das Roadmovie begleitet eine trans* Frau auf einer Reise quer durch die USA. Der Song erhielt Nominierungen für einen Oscar, einen Golden Globe und einen Grammy. Parton erklärte damals, Kunst könne Vorurteile aufbrechen und Menschen zeigen, dass sie sein dürfen, wer sie sind.
Damit stellte sich eine der größten Stimmen des konservativ geprägten Country-Genres sichtbar an die Seite einer trans* Geschichte. 2023 äußerte sie sich erneut zur Behandlung queerer und trans Menschen in ihrem Heimatstaat Tennessee. Bei aller politischen Zurückhaltung bestand sie darauf, dass alle Menschen respektvoll und gut behandelt werden müssten.
GLAAD-Auszeichnung für eine queere Familiengeschichte
Auch ihre Netflix-Anthologie „Dolly Parton’s Heartstrings“ griff queere Lebensrealitäten auf. Die Folge „Two Doors Down“ erzählt von einem schwulen Mann, der mit seinem Ehemann und seiner Familie nach Jahren der Entfremdung wieder zusammenfindet. Die Episode gewann 2020 einen GLAAD Media Award für herausragende LGBTQ+-Repräsentation.
Parton nahm die Auszeichnung selbst entgegen. Dass eine Country-Legende mit starken Wurzeln im christlichen Tennessee queere Familiengeschichten sichtbar machte, besaß besondere Symbolkraft. Sie zeigte, dass Glaube, Herkunft und uneingeschränkte Liebe zu LGBTQ+-Menschen für sie keine Gegensätze waren.
Warum Dragqueens Dolly liebten
Partons turmhohe blonde Perücken, Strass, körperbetonte Kostüme und ihr selbstironischer Humor machten ihre Bühnenfigur zu einer natürlichen Verwandten der Dragkultur. Sie kontrollierte den Blick des Publikums und machte aus allem, wofür andere sie abwerten wollten, eine Stärke. Die Dragqueen Trixie Mattel beschrieb Partons Auftritte rückblickend als eine ihrer ersten Begegnungen mit der Logik von Drag: Dolly erschuf und spielte die Figur Dolly – ohne dabei ihre Echtheit zu verlieren.
Gerade darin lag ihre besondere Bedeutung. Parton konnte in Welten hineinreichen, die sich politisch oft feindlich gegenüberstanden. Sie wurde gleichermaßen von konservativen Country-Fans und queeren Künstlerinnen und Künstlern verehrt. Ihre Wärme machte Akzeptanz nicht abstrakt, sondern persönlich.
Ein Vermächtnis aus Musik und Menschlichkeit
Neben ihrer Kunst bleibt Partons umfangreiche Wohltätigkeitsarbeit. Ihre Imagination Library verschickt kostenlose Bücher an Kinder; nach den Waldbränden in Tennessee unterstützte sie betroffene Familien, und während der Corona-Pandemie spendete sie eine Million Dollar für die Forschung, die zur Entwicklung des Moderna-Impfstoffs beitrug.
Für die LGBTQ+-Community bleibt vor allem eine Haltung: Dolly Parton behandelte Anderssein nicht als Problem, das erklärt oder entschuldigt werden musste. Sie verband glamouröse Selbstinszenierung mit radikaler Freundlichkeit – und gab Menschen, die sich ausgegrenzt fühlten, das Gefühl, zur Familie zu gehören.
Über Partons Tod berichteten unter anderem Associated Press und NPR. Weitere Hintergründe zu ihrer LGBTIQ+-Verbundenheit finden sich bei TIME, auf DollyParton.com und bei Newcastle University.