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Schwules Vampir-Märchen Historischer Horror begeistert beim Filmfestival Montreal

Von ms - 21.08.2026 - 14:30 Uhr
Schwules Vampir-Märchen
Foto: SF Studios Production / Fantasia Fest
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Eine verbotene schwule Liebe auf den abgelegenen Färöer-Inseln des 19. Jahrhunderts, verbunden mit Gothic-Horror und Vampirmotiven: Der Film „No Rest For The Wicked“ erzählt die Geschichte zweier Männer, deren Beziehung gesellschaftliche Grenzen überschreitet – und sorgte für begeisterte Reaktionen und Standing Ovations. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Film „No Rest For The Wicked“ erzählt eine schwule Liebesgeschichte vor der Kulisse der Färöer-Inseln im Jahr 1862.
  • Im Mittelpunkt stehen der junge Fischer Baldur und der dänische Walfänger Helge, die eine geheime Beziehung beginnen.
  • Die Geschichte verbindet historische Romanze mit Gothic-Horror und Vampirmotiven.
  • Der Film basiert auf der Kurzgeschichte „Manor“ des deutschen Autors Karl Heinrich Ulrichs aus dem Jahr 1884.
  • Regisseur und Autor Kasper Kalle nutzt die Vampirerzählung, um über schwule Liebe und gesellschaftliche Ablehnung zu erzählen.
  • Der Film feierte seine Weltpremiere beim Fantasia Festival in Montreal. Ein deutscher Kinostart steht noch nicht fest. 

Geheime Liebe auf Färöer

Die Färöer-Inseln liegen im nördlichen Atlantik zwischen Schottland, Norwegen und Island. Heute ziehen sie mit ihrer weitgehend unberührten Natur Reisende an. Im 19. Jahrhundert waren sie vor allem ein Zwischenstopp für Handelsschiffe und Seefahrer auf langen Reisen. Dorthin führt der Film das Publikum ins Jahr 1862. Im Mittelpunkt steht der junge Fischer Baldur (Model Egor Venned in seinem Schauspieldebüt). Er kennt nur das Leben auf den Inseln und lebt gemeinsam mit seiner verwitweten Mutter Ásla (Sofia Nolsøe Mikkelsen) zusammen. Erst die gelegentlichen Besucher des kleinen Küstendorfes erinnern ihn daran, dass es außerhalb seiner Heimat eine größere Welt gibt.

Eine besondere Veränderung bringt die Ankunft von Helge ( Pilou Asbæk aus „Game of Thrones“). Der attraktive dänische Walfänger ist etwas älter als Baldur und sucht eine Unterkunft. Baldurs Mutter Ásla bietet ihm ein freies Zimmer im bescheidenen Familienhaus an. Doch Helges Interesse gilt nicht ihr, sondern ihrem Sohn. Die beiden Männer sprechen nicht dieselbe Sprache, doch sie finden andere Wege, ihre Gefühle auszudrücken. Nach und nach entwickelt sich zwischen ihnen eine leidenschaftliche Beziehung. Im konservativen Umfeld des kleinen Dorfes müssen sie diese jedoch geheim halten – insbesondere vor Baldurs religiöser Mutter.

Romanze und Vampir-Horror

Helge kann allerdings nicht dauerhaft auf der Insel bleiben. Baldur möchte mit seinem Geliebten die Welt entdecken, fühlt sich aber gleichzeitig seiner Mutter und seiner Gemeinschaft verpflichtet. Während eines schweren Sturms kommt es schließlich zu einer Tragödie. Nach diesem Ereignis verändert der Film seine Richtung grundlegend. Aus einer historischen Liebesgeschichte wird ein düsterer Gothic-Folk-Horror.  Helge, der vermutlich auf See ums Leben gekommen ist, kehrt als untote Vampirfigur auf die Insel zurück. Er besucht Baldur in der Nacht – nicht nur, um Blut zu trinken, sondern auch, um ihre Liebesbeziehung fortzuführen. Damit verschärft sich der Konflikt mit der Dorfgemeinschaft: Hatten die Bewohner schon Schwierigkeiten mit der Beziehung zwischen Baldur und dem Fremden, dürfte die Erkenntnis, dass Helge ein Vampir ist, für zusätzlichen Schrecken sorgen.

Historische Vorlage 

Regisseur und Autor Kasper Kalle erzählt mit „No Rest For The Wicked“ eine Geschichte über schwule Liebe und Sehnsucht. Der Film basiert auf der Kurzgeschichte „Manor“ aus dem Jahr 1884 des deutschen Autors Karl Heinrich Ulrichs. Ulrichs setzte sich bereits im 19. Jahrhundert für sexuelle Reformen ein und prägte einige der frühesten Begriffe zur Beschreibung von Homosexualität. Er gehörte zu den ersten Menschen, die öffentlich für die Rechte homosexueller Menschen eintraten.

Auch „Manor“ handelt von zwei jungen Männern auf den Färöer-Inseln, die eine enge Verbindung entwickeln. Einer der beiden stirbt auf See und kehrt jede Nacht aus dem Grab zurück, um seinen Geliebten zu besuchen. Ulrichs nutzte den damals verbreiteten Vampirmythos, um Homosexualität und die gesellschaftliche Ablehnung homosexueller Menschen zu thematisieren. Für seine Zeit war diese Darstellung ungewöhnlich direkt und radikal: Schwule Liebe wurde als etwas beinahe Übernatürliches beschrieben. Bei seiner Verfilmung führt Kalle diese Idee weiter. Trotz des historischen Settings machte er die Verbindung zwischen Baldur und Helge noch deutlicher und rückt ihre Liebe stärker in den Mittelpunkt.

Premiere beim Fantasia Festival

„No Rest For The Wicked“ feierte seine Weltpremiere beim genreorientierten Fantasia Festival in Montreal. Das Festival verglich den Film mit „Céline Sciammas atemberaubendem Porträt einer jungen Frau in Flammen, nur dass es sich um einen schwulen dänischen Vampirfilm mit Folk-Horror-Elementen und einer deutlichen gotischen Atmosphäre handelt.“ Das Festivalpublikum reagierte auf alle Fälle begeistert auf die Geschichte, der Kinostart in Dänemark ist für Anfang September geplant. Ein Termin für eine Veröffentlichung in Deutschland steht bislang nicht fest. Die positiven Reaktionen nach der Premiere könnten jedoch dazu beitragen, dass der Film bald auch international zu sehen sein wird, auch erste Streaming-Anbieter haben ihr Interesse bekundet. 

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