Direkt zum Inhalt
Festnahme von Lesbenbar-Chefin
Foto: iStock / John M. Chase
ANZEIGE

Festnahme von Lesbenbar-Chefin Massive Kritik an Polizeieinsatz in Atlanta

ms - 18.08.2026 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Die Festnahme der Besitzerin einer Lesbenbar in Atlanta im Bundesstaat Georgia wegen eines mutmaßlichen Lärmverstoßes sorgt derzeit für viel Kritik. Jen-Chase Daniels, Mitbesitzerin von My Sister’s Room, weist den Vorwurf entschieden zurück. Nach ihrer Darstellung kam die beanstandete Musik von der nahegelegenen Bar Blackjack, die über Außenlautsprecher verfügt. Queere Verbände sehen in dem Vorfall homophobe Motive. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Polizei in Atlanta hat Jen-Chase Daniels, Besitzerin der Lesbenbar My Sister’s Room, wegen eines Lärmverstoßes festgenommen.
  • Daniels bestreitet den Vorwurf. Sie sagt, die beanstandete Musik sei von der nahegelegenen Bar Blackjack gekommen.
  • Ein Video zeigt die Festnahme. Darin sagt Daniels: „Wir haben heute Abend nichts falsch gemacht. Wir haben nichts falsch gemacht.“
  • Nach der Festnahme verbrachte Daniels nach eigenen Angaben etwa zwölf Stunden „in einer äußerst stressigen Situation“.
  • Die Polizei gab keine genauen Auskünfte gegenüber ihrer Familie.
  • Drag-Performerin Taylor Alxndr und queere Verbände bezeichneten die Festnahme als homophob und fordern Transparenz.

Keine Auskunft der Polizei 

Ein am späten Samstagabend aufgenommenes Video zeigt, wie Polizisten Daniels Handschellen anlegen und sie zu einem Streifenwagen führen. „Wir haben heute Abend nichts falsch gemacht. Wir haben nichts falsch gemacht“, sagt Daniels in der Aufnahme. Das Video wurde nun auf Instagram geteilt, mehrere Hunderttausende Menschen haben es binnen 24 Stunden bereits angesehen. Nach ihrer Festnahme verbrachte Daniels nach eigenen Angaben etwa zwölf Stunden „in einer äußerst stressigen Situation“. Die Polizei brachte sie zunächst ins Grady Memorial Hospital. Dort sollte ein in ihrer Brust implantierter Herzmonitor überprüft werden. Anschließend wurde sie in ein Gefängnis gebracht. Währenddessen sollen Mitarbeiter des Gefängnisses und des Krankenhauses Freunden und Angehörigen gesagt haben, Daniels sei nicht dort, als diese versuchten, ihren Aufenthaltsort herauszufinden. Daniels erklärte, sie habe Polizisten durchaus gebeten, ihre Familie über ihren Aufenthaltsort zu informieren.

Festnahme ohne Debatte 

In einem weiteren Beitrag schilderte Daniels, wie es zu ihrer Festnahme gekommen sei: „Ich wurde aufgefordert, meinen Ausweis zu zeigen. Der Beamte wusste bereits, wer ich war, und ich fragte, warum ich mich ausweisen müsse, obwohl wir nichts falsch gemacht hatten. Ich war bereit, die Videoaufnahmen zu zeigen, die belegten, dass der Lärm nicht von uns kam. Stattdessen wurde ich einfach festgenommen.“ Nach Angaben von Daniels galten in Atlanta früher Vorschriften, wonach Unternehmen einen bestimmten Lärmpegel in Dezibel einhalten mussten. Dieser konnte mit einem Messgerät überprüft werden. Eine neue Verordnung verlange nun, dass nach Mitternacht keinerlei Geräusche eines Betriebs mehr aus 100 Fuß Entfernung zu hören sein dürfen. Eineinhalb Wochen vor ihrer Festnahme habe sie sich deswegen extra vor ihrem Geschäft mit dem Polizeichef von Atlanta, einem Polizeileutnant sowie den Besitzern benachbarter Bars und Restaurants getroffen. Dabei sei der Bereich von 100 Fuß vor den jeweiligen Geschäften markiert worden. 

Video belegt Darstellung 

Etwa 20 Minuten vor ihrer Festnahme nahm Daniels ein Video in 100 Fuß Entfernung von ihrem Geschäft auf. Darauf sei Musik aus den Außenlautsprechern der nahegelegenen Tapas-Bar Blackjack zu hören gewesen. Die Bar schließe allerdings um Mitternacht. „Bei MSR kann man überhaupt nichts hören, und wir dokumentieren das“, sagte Daniels in dem Video. Nach ihrer Freilassung bedankte sich Daniels bei ihrer Freundin Melissa Scott dafür, dass diese „unermüdlich daran gearbeitet hat, mich zu finden und meine Freilassung gegen Kaution zu erreichen“. Den Followern der Bar schrieb sie: „Danke, dass ihr zu uns steht und uns unterstützt.“ Weitere öffentliche Aussagen zu dem Vorfall will Daniels nach eigenen Angaben auf Anraten ihrer Anwälte zunächst nicht machen.

Kritik an der Festnahme

Die Drag-Performerin Taylor Alxndr und Sprecher mehrerer lokaler LGBTIQ+-Verbände bezeichneten den Vorfall als „eine unnötige Situation, die aus einem eindeutigen Mangel an Augenmaß entstanden ist“. Mehrfach wurde dabei der Vorwurf der Homophobie laut. Alxndr kritisierte insbesondere, dass Daniels festgenommen wurde: „Ein Lautstärkeproblem oder ein Verstoß gegen die Lärmschutzvorschriften ist kein Grund für eine Festnahme – höchstens für einen Strafzettel. War das diskriminierend, homophob, ein Machtmissbrauch oder einfach nur ein Polizist, der eine bestimmte Quote erfüllen musste? Atlantas Geschichte der schlechten Behandlung von LGBTIQ+-Bars und queeren Veranstaltungsorten ist seit langem dokumentiert, und dieser Vorfall trägt überhaupt nicht dazu bei, das zu ändern. Transparenz ist hier erforderlich.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nicht-monogame Nerds

Tabletop-Gamer und Polyamorie

Eine neue Feeld-Auswertung deutet auf einen amüsanten Zusammenhang zwischen „nerdigen“ Hobbys und nicht-monogamen Beziehungsformen hin.
Russland sperrt Heated Rivalry

Autorin Rachel Reid im Visier

Russland lässt Webseiten mit Rachel Reids „Heated Rivalry“-Romanen sperren und geht damit gegen schwule Inhalte der Romanreihe vor.
Fokus Geschlechtskrankheiten

Mitte 30-Jährige stark betroffen

Neue Daten zu Geschlechtskrankheiten: Das höchste Pro-Kopf-Risiko liegt weiterhin bei 25- bis 39-Jährigen, doch ältere Männer rücken nach.
Schockstudie Niederlande

Akzeptanz unter Jugendlichen sinkt

Eine neue Studie zeigt einen erneut starken Rückgang der Akzeptanz von Homosexualität unter niederländischen Jugendlichen.
Brasilien löst Olympia-Ticket

Schwule Stars trotzen Hass

Brasiliens Volleyballer gewinnen die Südamerika-Meisterschaft und qualifizieren sich für Olympia – trotz massiver homophober Angriffe.
Rekord bei Oscar-Nominierung

Neun LGBTIQ+-Filme im Rennen

Rekord bei den Oscars: Neun Länder schicken LGBTIQ+-Filme ins Rennen um den besten internationalen Film.
Pride trotz Papstbesuch?

Buenos Aires sagt Pride ab

Buenos Aires verbietet öffentliche Veranstaltungen rund um den Papstbesuch, auch den geplanten Pride. Die LGBTIQ+-Community ist empört und protestiert
Ängste von LGBTIQ+-Senioren

Sorge vor Diskriminierung im Alter

Ältere LGBTIQ+-Menschen fürchten Diskriminierung in Pflege und Alter – und die Gefahr, vergessen zu werden, wie eine britische Studie jetzt belegt.
USA holt WM-Titel

Sieg gegen Kanada im Finale

Die US-Frauen gewinnen erstmals seit 16 Jahren die Rollstuhl-Basketball-WM. Drei offen homosexuelle lebende Teammitglieder feiern mit.