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Tops und Bottoms Top-Mangel? Jüngere Männer benennen ihre Rolle häufiger!

Von ms - 13.08.2026 - 16:00 Uhr
Tops und Bottoms
Foto: IMAGO / Everett Collection
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Gibt es tatsächlich einen Mangel an Männern, die sich beim Sex bevorzugt als „Top“ sehen? Eine neue wissenschaftliche Untersuchung liefert neue Daten zu einem Thema, das in der schwulen Dating-Welt immer wieder für hitzige Diskussionen sorgt. Die im Journal of Sex Research veröffentlichte Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen Altersgruppen und Regionen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Eine Studie im Journal of Sex Research untersucht sexuelle Rollen von Männern, die Sex mit Männern haben.
  • Grundlage sind anonymisierte Daten von rund 140.000 aktiven Nutzern der Dating-App Surge.
  • Jüngere Nutzer bezeichneten sich häufiger als „Bottom“ oder „Versatile“, ältere häufiger als „Top“ oder machten keine Angabe.
  • Regional gibt es ebenfalls Unterschiede: In Europa war „Versatile“ am häufigsten, in Amerika und Afrika „Bottom“.
  • Die Forscher betonen, dass die Untersuchung keine Ursachen für die Unterschiede nachweisen kann.
  • Der vielfach diskutierte „Top-Mangel“ lässt sich aus den Daten nicht als tatsächliche Krise ableiten.

Studie mit 140.000 Männern

Untersucht wurden Angaben von 141.156 aktiven Nutzern der weltweit verfügbaren Dating-App Surge. Die App hat nach Angaben der Studie mehr als 8,5 Millionen Nutzer. Die Forscher von den Universitäten Oxford und Manchester wollten herausfinden, ob sich Männer, die Sex mit Männern haben, je nach Generation unterschiedlich häufig bestimmten sexuellen Rollen zuordnen. Dabei ging es ausschließlich um die Kategorien „Top“, „Bottom“ und „Versatile“. „Top“ bezeichnet dabei eine bevorzugt aktive, penetrierende Rolle, „Bottom“ eine bevorzugt empfangende Rolle und „Versatile“ Männer, die beide Rollen einnehmen können.

Jüngere Schwule sind offener

Das zentrale Ergebnis: Jüngere Männer machten häufiger eine Angabe zu ihrer sexuellen Rolle als ältere Nutzer. Gleichzeitig bezeichneten sie sich häufiger als „Bottom“ oder „Versatile“. Ältere Nutzer ordneten sich dagegen öfter als „Top“ ein oder ließen die entsprechende Angabe offen. Die Autoren untersuchten dafür Nutzer im Alter von 18 bis über 50 Jahren. Die endgültige Stichprobe umfasste Menschen aus mehr als 129 Ländern. Ausgeschlossen wurden unter anderem Nutzer aus Ländern, in denen gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen strafbar sind. Zudem wurden nur Nutzer berücksichtigt, die während des Untersuchungszeitraums mindestens fünf andere Profile mit „Gefällt mir“ markiert hatten und damit als echt eingestuft wurden. 

Dabei betonen die Forscher, dass die Daten keine eindeutigen Ursachen für die Unterschiede zwischen den Generationen aufzeigen. Allerdings, so Forscher Dr. Morten Thomsen:  „Die Identifikation mit einer sexuellen Rolle bleibt für viele Männer, die Sex mit Männern haben, ein wichtiger Bestandteil der sexuellen und romantischen Kultur. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Kategorien sexueller Rollen in heutigen digitalen Umgebungen zunehmend flexibel und vom jeweiligen Kontext abhängig verwendet werden, insbesondere von jüngeren Nutzern.“

Europa tickt anders 

Auch geografisch stellten die Wissenschaftler Unterschiede fest. In Europa und Ozeanien war „Versatile“ die häufigste Selbstbezeichnung. In Amerika und Afrika war dagegen „Bottom“ am weitesten verbreitet. Nach Einschätzung der Studie könnten bei älteren Männern traditionelle Vorstellungen über Männlichkeit und sexuelle Rollen eine Rolle spielen. Die Autoren verweisen darauf, dass die Bezeichnung „Bottom“ in manchen schwulen Gemeinschaften mit Vorstellungen von Weiblichkeit, Unterordnung oder einem niedrigeren sozialen Status verbunden worden sei.

Auch gesellschaftliche Faktoren könnten die Wahl einer Bezeichnung beeinflussen. Menschen könnten eine bestimmte Rolle ausüben, sich aber gegen die entsprechende Bezeichnung entscheiden, weil sie mit einem Stigma verbunden ist. Die Studie betont deshalb, dass Selbstbezeichnungen nicht eins zu eins mit tatsächlichem Sexualverhalten gleichgesetzt werden können. Hinzu kommen weitere Faktoren wie Beziehungsdynamiken, persönliche Vorstellungen, kulturelle Rahmenbedingungen und die jeweilige soziale Umgebung. Frühere Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass sich die sexuelle Rollenidentität bei einem Teil der Männer im Laufe der Zeit verändern kann.

Top-Mangel? Ja oder Nein?

Der in sozialen Medien und Dating-Apps immer wieder scherzhaft beschworene „Top-Mangel“ lässt sich damit nicht als wissenschaftlich belegte Krise darstellen. Die Studie zeigt zwar, dass ältere Nutzer häufiger „Top“ angeben und jüngere häufiger „Bottom“ oder „Versatile“, sie sagt aber nicht aus, dass es insgesamt zu wenige „Tops“ gibt. Die Forscher betonen zudem, dass ihre Daten keine Erklärung dafür liefern, warum sich Menschen für bestimmte Kategorien entscheiden. „Unsere Daten können uns nicht genau sagen, warum Menschen bestimmte Bezeichnungen übernehmen. Sie ermöglichen es uns jedoch, Muster zwischen Generationen und Ländern in einem Umfang zu beobachten, der bisher nicht möglich war“, so Dr. Rampazzo. 

Die Studie kommt damit zu einem vorsichtigen Ergebnis: Dating-Profile können zwar groß angelegte Einblicke in die Verwendung sexueller Rollenbezeichnungen geben. Welche persönlichen, sozialen oder kulturellen Gründe dahinterstehen, lässt sich aus den Angaben allein jedoch nicht ablesen. Die Untersuchung wurde von der University of Oxford genehmigt. Grundlage war eine formelle Vereinbarung zum Datenaustausch zwischen der Universität und dem Unternehmen hinter der Plattform. Die Daten wurden nach Angaben der Studie anonymisiert ausgewertet.

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