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Alarm bei Aids-Konferenz Globale Hilfe gerät immer mehr unter Druck

Von ms - 29.07.2026 - 10:00 Uhr
Alarm bei Aids-Konferenz
Foto: IMAGO / ZUMA Press
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Die internationalen Fortschritte im Kampf gegen HIV und Aids sind nach Einschätzung von UNAIDS massiv gefährdet. In einem neuen Bericht warnte die Organisation der Vereinten Nationen jetzt vor Millionen zusätzlichen Infektionen und Todesfällen, sollte die Finanzierung globaler Maßnahmen weiter zurückgehen.

Das Wichtigste im Überblick

  • UNAIDS warnt vor Millionen vermeidbaren HIV-Infektionen und Aids-Todesfällen bis 2030.
  • Finanzielle Kürzungen, wachsende Ungleichheit und Einschränkungen für die Zivilgesellschaft gefährden laut Bericht jahrzehntelange Fortschritte.
  • Experten fordern politischen Willen und mehr globale Solidarität, um die Aids-Ziele weiterhin erreichen zu können.

1,3 Millionen Todesfälle

Nach Angaben von UNAIDS könnten bis zum Jahr 2030 mehr als drei Millionen Menschen zusätzlich mit HIV infiziert werden und 1,3 Millionen Menschen an Aids oder damit verbundenen Erkrankungen sterben. Diese Entwicklungen seien vermeidbar, wenn die internationale Gemeinschaft an den vereinbarten Zielen und dem bestehenden Fahrplan festhalte. UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima stellte die Zahlen bei der Eröffnungspressekonferenz der 26. Internationalen Aids-Konferenz in Rio de Janeiro vor. Der Bericht der UN-Organisation steht im Mittelpunkt der aktuellen Debatte über die Zukunft weltweiter HIV-Maßnahmen.

Den Ton der Pressekonferenz prägte Kongresspräsidentin Beatriz Grinsztejn mit deutlicher Kritik. Die Lage sei ernster als in früheren Jahren. „Noch nie ist die Finanzierung so tief gefallen, und viele Menschen bezahlen bereits den Preis.“ Dabei gehe es nach Einschätzung von UNAIDS nicht allein um fehlende finanzielle Mittel. Byanyima verwies auf mehrere gleichzeitig wirkende Krisen. „Dieser Bericht erzählt zwei Geschichten: Die erste handelt von außerordentlichem wissenschaftlichem Fortschritt. Die zweite Geschichte ist eine Warnung: Finanzielle Kürzungen, wachsende Ungleichheit, Angriffe auf Menschenrechte und immer weiter eingeschränkte Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft – all dies zusammen gefährdet Jahrzehnte des Fortschritts.“ Damit gerät auch das Ziel, Aids bis 2030 als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit zu beenden, zunehmend unter Druck. Statt einer weiteren Eindämmung sei laut Bericht nun ein „Wiederaufflammen der Epidemie“ möglich.

Millionen vermeidbare Fälle

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die Dimension der Herausforderung: Im Jahr 2025 infizierten sich weltweit 1,2 Millionen Menschen mit HIV. 570.000 Menschen starben an Aids oder damit verbundenen Krankheiten. Rund ein Viertel der weltweit etwa 41 Millionen Menschen mit HIV hat weiterhin keinen Zugang zu einer lebensrettenden Therapie. Bei Kindern bleibt fast die Hälfte der HIV-Infizierten unbehandelt. Nach Angaben von UNAIDS sind diese Entwicklungen besonders tragisch, weil Aids heute weitgehend vermeidbar ist. Moderne HIV-Therapien ermöglichen nicht nur ein längeres Leben, sondern verhindern auch die Weitergabe des Virus.

In den vergangenen drei Jahrzehnten hatte die Welt deutliche Fortschritte erzielt und die Zahl der Infektionen sowie Todesfälle stark reduziert. Diese Entwicklung könnte sich nun durch die Kürzungen bei internationalen HIV-Programmen verlangsamen oder sogar umkehren. UNAIDS fordert deshalb, „globale Solidarität wieder herzustellen und Ungleichheit anzugehen“. Besonders kritisch ist die Situation in Regionen, in denen die HIV-Zahlen bereits wieder steigen. Dazu gehören unter anderem Osteuropa und Zentralasien sowie Lateinamerika.

Abhängigkeit von internationalen Programmen

Viele Länder sind bei ihrer HIV-Bekämpfung weiterhin stark auf internationale Unterstützung angewiesen. In zahlreichen ärmeren Staaten Afrikas stammen laut UNAIDS mehr als 90 Prozent der Mittel für entsprechende Programme aus globalen Finanzierungsquellen. Bereits 2025 seien diese Mittel um fast ein Viertel zurückgegangen. Die Kürzungen setzten sich fort und beträfen auch wirtschaftlich stärkere Länder. Der stellvertretende südafrikanische Gesundheitsminister Mathume Joseph Phaahla erklärte bei der Konferenz, wohlhabendere Staaten müssten künftig zwar stärker selbst Verantwortung übernehmen. Ein Wegfall von Hilfen in dieser Größenordnung könne jedoch kein Land „über Nacht ausgleichen“.

Politik entscheidet über Zukunft

Die führenden Vertreterinnen und Vertreter der Welt-Aids-Konferenz richteten deshalb einen dringenden Appell an Regierungen weltweit. Auch Pharmaunternehmen müssten stärker in die Verantwortung genommen werden. Kritik äußerte UNAIDS unter anderem an hohen Medikamentenpreisen. Diese würden vielen Menschen den Zugang zu besonders wirksamen Therapien wie der Depotspritze Lenacapavir erschweren. „Innovation ohne Zugang ist keine Innovation, sondern Ungerechtigkeit“, sagte Byanyima mehrfach zum Auftakt der Konferenz.

Die UNAIDS-Chefin betonte, die wissenschaftlichen Voraussetzungen für ein Ende der Aids-Krise seien vorhanden. Nun gehe es vor allem um politische Entscheidungen. „Die Frage ist nicht mehr, ob wir Aids beenden können. Die Frage ist, ob wir uns entscheiden, Aids zu beenden.“ Mathume Joseph Phaahla zeigte sich trotz der schwierigen Lage zuversichtlich. In Südafrika leben weltweit die meisten Menschen mit HIV. „Wir glauben, dass wir es gemeinsam können“, sagte er. „Und wir bitten Sie, auf den letzten Meilen an unserer Seite zu bleiben.“

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