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Kritik von Kerstin Ott Plädoyer für mehr Sachlichkeit bei queeren Debatten

Von ms - 20.07.2026 - 13:00 Uhr
Kritik von Kerstin Ott
Foto: IMAGO / Eibner
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Die lesbische Schlagersängerin Kerstin Ott (44) hat sich in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel zu Fragen rund um sexuelle Orientierung, queere Identität und gesellschaftliche Debatten geäußert. Die 44-Jährige machte dabei deutlich, dass sie sich nicht über ihre sexuelle Orientierung definieren möchte und Begriffe wie „queer“ oder „lesbisch“ für sich persönlich nicht in den Mittelpunkt stellt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Kerstin Ott äußert sich kritisch zu Schutzräumen für queere Menschen.
  • Die Sängerin möchte sich nicht über Begriffe wie „queer“ oder „lesbisch“ definieren.
  • Sie betont zugleich ihr Engagement für gleiche Rechte aller Menschen.
  • Ott fordert eine sachlichere Diskussion über gesellschaftliche Themen.
  • Die Musikerin spricht auch über Feminismus, ihre Tochter und eine mögliche Zusammenarbeit mit Ikkimel.

Statement gegen Schutzräume

Auf die Aussage, sie äußere sich beim Thema Homosexualität weniger deutlich als bei anderen Themen und lehne bestimmte Diskussionen ab, antwortete Ott: „Das ist richtig. Ich werde nicht gerne in eine Schublade gesteckt.“ Die Sängerin berichtete von einem früheren Gespräch mit einem Journalisten, der ihr erklären wollte, dass sie als homosexueller Mensch bestimmte Schutzräume benötige. „Er selbst war offen schwul und hatte das Gefühl, überall diskriminiert zu werden. Ich sehe das anders. Am Ende sind wir alle einfach Menschen“, sagte Ott. Weiter erklärte sie: „Das soll nicht nach 'Weltfrieden für alle' klingen, aber wenn ich ständig nur nach Schutzräumen suche und andere Menschen dadurch automatisch ausschließe, entsteht ebenfalls eine Ablehnung – nur von der anderen Seite.“

Keine Identifikation mit „queer“

Auch mit bestimmten Begrifflichkeiten verbindet Ott nach eigenen Angaben keine persönliche Identität. „Ich möchte mich auch nicht über Begriffe wie 'queer' oder 'lesbisch' definieren, weil das für mich keine Rolle spielt.“ Ihr eigenes Coming-Out im Alter von 17 Jahren betrachtet sie heute kritisch. „Ich frage mich: Warum muss ich mich überhaupt outen? Warum sollte ich anderen erklären müssen, wie ich lebe? Niemand interessiert sich dafür, was ein heterosexuelles Paar hinter verschlossenen Türen macht, warum sollte das bei homosexuellen Paaren anders sein?“

Auf den Hinweis, dass lesbische und schwule Menschen im Gegensatz zu heterosexuellen Paaren weiterhin aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert würden und sich deshalb Unterstützung von bekannten Persönlichkeiten wie ihr wünschten, reagierte Ott zurückhaltend. „Das ist etwas anderes. Natürlich setze ich mich dafür ein, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben. Wenn eine Community sagt, sie braucht meine Stimme oder meine Reichweite, bin ich sofort dabei.“ Sie fügte hinzu, sie werde aber „nicht jeden Tag mit einem Schild herumlaufen und Schutzräume fordern“.

Weniger emotionale Debatten

Stattdessen sprach sich die Musikerin für einen nüchterneren Umgang mit gesellschaftlichen Diskussionen aus. „Ich finde, man sollte vieles sachlicher besprechen. Nicht jede Diskussion muss emotional geführt werden. Es gibt viele Wege, und ich würde immer den wählen, bei dem möglichst wenige Menschen ausgeschlossen werden und möglichst viele Menschen ein gutes Gefühl haben.“ Auch ihr erfolgreicher Song „Regenbogenfarben“, in dem sie von einem homosexuellen Paar singt, das sein Kind in den Kindergarten bringt, ordnete Ott zwischen politischer Botschaft und Normalität ein.

„Offen gesagt: beides. Ich habe auch andere Songs, zum Beispiel 'Sag mir', in dem es um Rassismus und andere Formen von Ausgrenzung geht. Der politische Gedanke dahinter ist für mich, dass irgendwann alle Menschen verstehen müssen, dass es eigentlich nichts zu bekämpfen gibt.“ Als Beispiel verwies sie auf eine Aussage von Whoopi Goldberg: „Wenn du keine homosexuellen Menschen magst, dann verlieb dich einfach nicht in jemanden des gleichen Geschlechts. Das bringt es für mich ziemlich genau auf den Punkt.“

Neue Sicht auf Feminismus

Im Interview äußerte sich Ott auch zu weiteren gesellschaftlichen Themen. Sie erklärte, dass sie sich erst seit kurzem als Feministin bezeichne. Früher habe sie geglaubt, dies nicht sein zu können, weil sie sich gut mit Männern verstehe. „Meine jugendliche Tochter hat mir dann erklärt, dass das damit gar nichts zu tun hat und Feminismus Gleichberechtigung für alle Geschlechter bedeutet. Seitdem sage ich klar: Ja, ich bin Feministin.“ Außerdem zeigte sich Ott offen für eine Zusammenarbeit mit der Rapperin Ikkimel. „Ich finde Ikkimel toll. Wir haben auch schon ein wenig über Instagram geschrieben.“

Die teilweise provokanten Texte der Rapperin verteidigte sie: „Die jungen Leute verschaffen sich heute Gehör, und das finde ich gut. Sie machen das oft viel klüger, als wir das früher getan haben. Da werden keine Waffen gezückt, sondern Texte geschrieben.“ Kerstin Ott gehört zu den bekanntesten Schlagersängerinnen Deutschlands. Ihren Durchbruch hatte sie mit dem Lied „Die immer lacht“. Privat ist sie seit 15 Jahren mit ihrer Frau Karolina zusammen. Ott wurde in Berlin geboren und lebt heute mit ihrer Frau und deren zwei Töchtern, die sie als ihre eigenen Kinder betrachtet, in Heide in Schleswig-Holstein. 

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