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Finalshow zum Fremdschämen Pannen und pure Langeweile statt Star-Power

Von ms - 20.07.2026 - 12:00 Uhr
Finalshow zum Fremdschämen
Foto: IMAGO / Uk Sports Pics Ltd
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Kommentar von Michael Schmucker 

Wer gestern Abend die erste Halbzeitshow bei einer Fußball-Weltmeisterschaft er- und überlebt hat, stellte sich unbewusst irgendwann die Frage: Was bitte war das? Und warum? Große Stars, peinliche Auftritte und gähnende Langeweile – nicht nur vor den Bildschirmen, sondern auch im Stadion selbst. 

Bigger, better, bombastisch? 

Was war die Show nicht vorher angekündigt worden, ganz so, wie man das für die USA kennt. Bigger, better, bombastisch eben. Wer könnte das besser, als das Land der Mutigen und Freien? Sehr früh wurde dann allerdings klar, dass mit der besonderen Mischung von echten und vermeintlichen Stars ein möglichst breites Publikum angesprochen werden sollte – am Ende dürften aber die Wenigsten wirklich zufrieden oder happy gewesen sein. Am Aussagekräftigsten waren wohl die Kameraschwenks ins Publikum – durchgehende Langeweile, Warten auf den Anpfiff oder die zweite Halbzeit und hundertfach Menschen, die lieber in ihre Smartphones starten als auf die angekündigte Mega-Show im Playback-Modus vor ihnen. Vielleicht war den Fußball-Fans aber auch früh die Laune vergangen, als der goldene Pokal im Louis Vuitton-Koffer präsentiert wurde. Die FIFA ist käuflich jenseits aller Menschenrechte, wissen wir, doch so ehrlich und direkt wurde das selten sichtbar wie dort. 

Williams unter Storm, Hudson fest geschnürt 

Robbie Williams durfte mit Laura Pausini und Nicole Scherzinger vor dem Anpfiff die offizielle FIFA-Hymne trällern, umringt von vielen blauen FIFA-Fähnchen. Williams im blau-glitzernden Jogginganzug und Haaren, als hätte der Brite kurz zuvor in eine Steckdose gegriffen. Emmy-, Grammy- und Oscar-Gewinnerin Jennifer Hudson versuchte stimmgewaltig die amerikanische Nationalhymne so zu interpretieren, dass es zwar schön klang, aber eben nicht mehr nach Nationalhymne. Vielleicht sang auch deswegen niemand sichtbar aus dem Publikum mit. Oder diskutierte man noch über das weiße Kleid von Hudson, dass über den ganze Rücken entlang mit einem Seil in Stars-und-Stripes-Optik wie einst bei den Korsetts des 19. Jahrhunderts fest zusammengezurrt war, um die Taille graziler wirken zu lassen? Fetischfreunde mag der Anblick begeistert haben. 

Dazu patzte auch die Air Force Flugzeugstaffel, die wie sonst üblich bei sportlichen Megaevents eigentlich zum letzten Ton der Nationalhymne über das Stadion donnern und so für einen Gänsehaut-Moment hätte sorgen sollen – die Jungs kamen leider zu spät. Erektile Dysfunktion vielleicht? Doch noch schien ja nichts verloren, denn Tom Cruise durfte eine Rede über den Geist und den Zusammenhalt der Spiele halten. Zwischendurch gab´s Mikrofonpatzer und das Heroische wollte einfach trotz wehender Haarpracht nicht überspringen. Nach seinen letzten Worten blieb alles still. Erst, als der kleine Mann langsam von seinem Podest stieg, wurde dem Publikum klar, seine Rede ist jetzt wohl vorbei. Applaus gab es trotzdem nicht. 

Madonna winkt, Bieber weint 

Macht aber alles nichts, denn wir durften ja gespannt auf die fulminant angekündigte Halbzeitshow warten, Madonna inklusive. Der Auftritt der Queen of Pop verkam dann indes vollends zur Lachnummer. Die 67-Jährige, die gerade mit ihrem neuen Album an der Spitze der US-Charts steht, schaffte es nicht einmal so richtig auf den künstlich grünen Rasen. Die Kamera zoomt indes in die Katakomben des Stadions, wo Madonna eine Kurzversion von „Music“ zum Besten geben durfte – sichtbar geschnitten und offensichtlich vorher aufgezeichnet. Zu den letzten Takten trat sie dann schlecht geschnitten zum Video vorab ins Stadion, blieb am Rand stehen, intonierte live oder doch im Playback ein letztes Mal den Refrain und winkte. Das war es. Traute man dem Megastar nicht zu, die Hauptbühne in der Mitte des Platzes zu rocken?

War sonst noch etwas? Justin Bieber sang einen weinerlichen Love-Song, der so gar nicht als Guter-Laune-Popper funktionierte und das Publikum wohl vollends in Tiefschlaf versetzte. Da konnte auch Shakiras Hüftschwung und die quirligen Jungs von BTS nichts mehr retten. Am Schluss waren Miss Piggy und Kermit länger im Bild als Madonna. In puncto Niveau schaffte es dann schlussendlich das ZDF mit Kommentator Oliver Schmidt noch einmal, den finalen Tiefpunkt zu setzen. Direkt vor Anpfiff erklärte er dem Millionenpublikum, er sei vorher noch einmal kurz pinkeln gewesen. Und während Madonnas Auftritt sowie Tom Cruises Rede durfte sein Overvoice natürlich nicht fehlen – dem ZDF-Publikum scheint man nicht zuzutrauen, einen Popstar ohne unwichtige Plauder-Einordnung eines Moderators ansehen zu können. 

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