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Lambda schlägt Alarm Staatliche Förderung beendet - offener Brief an Ministerin Prien

Von ms - 14.07.2026 - 14:30 Uhr
Lambda schlägt Alarm
Foto: FASH Medien Archiv KI
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Dem bundesweiten Jugendnetzwerk Lambda droht nach eigenen Angaben das Aus. Wie der Verband heute Nachmittag mitteilte, hat das zuständige Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) die bestehende Rahmenvereinbarung über die Förderung aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes zum Jahresende gekündigt. Damit würde nach mehr als drei Jahrzehnten eine zentrale finanzielle Grundlage der bundesweiten queeren Jugendverbandsarbeit entfallen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Bundesjugendministerium (BMBFSFJ) hat die Rahmenförderung für das Jugendnetzwerk Lambda zum Jahresende gekündigt.
  • Der Verband existiert seit mehr als 36 Jahren und wird bislang über den Kinder- und Jugendplan des Bundes gefördert.
  • Lambda warnt vor dem Wegfall wichtiger Beratungs-, Bildungs- und Unterstützungsangebote für queere Jugendliche.
  • In einem offenen Brief fordert der Verband Bundesministerin Karin Prien auf, die Entscheidung rückgängig zu machen.
  • Auch Bundestagsabgeordnete sowie die Öffentlichkeit werden zur Unterstützung aufgerufen.

Größter queerer Jugendverband 

Der Vorstand zeigte sich von der Entscheidung überrascht. „Vor wenigen Tagen hat uns die Kündigung unserer Rahmenvereinbarung zum Jahresende erreicht. Diese Nachricht kam für uns völlig überraschend, denn die Sachberichte der vergangenen Jahre wurden ohne Beanstandungen geprüft. Unsere Arbeit wurde immer wieder fachlich anerkannt und gelobt“, erklärte der Verband.

Das Jugendnetzwerk Lambda wurde 1990 in Ost-Berlin von engagierten Jugendlichen gegründet. Ziel war es damals, jungen queeren Menschen eine eigene politische Stimme zu geben und ihnen Mitsprache zu ermöglichen. Bis heute versteht sich der Verband als bundesweite Selbstorganisation von und für queere Jugendliche und junge Erwachsene. Zum Angebot gehören bundesweite Fach- und Peer-Beratung, Bildungs- und Empowerment-Veranstaltungen in Präsenz und digital, nationale und internationale Jugendbegegnungen, politische Interessenvertretung sowie die Begleitung und Qualifizierung ehrenamtlich Engagierter. Nach Angaben des Vereins sind diese Angebote in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut worden. Lambda sei inzwischen für viele queere Jugendliche eine zentrale Anlaufstelle geworden – als Ort für Engagement, Austausch und Gemeinschaft sowie als geschützter Raum, an dem sie sich frei entfalten könnten.

Viel Bedarf an queerer Beratung

Besonders groß sei inzwischen der Beratungsbedarf. „Unsere Beratungsanfragen steigen immer weiter an, ebenso die Zahl an Jugendlichen, die sich mit akuten Krisen an uns wenden. Immer öfter geht es dabei um Themen wie Suizid, selbstverletzendes Verhalten oder Gewalt in der Familie“, erklärte der Bundesvorstand. Der Verband verweist darauf, dass queere junge Menschen überdurchschnittlich häufig von Einsamkeit betroffen seien. Deshalb entwickle Lambda gezielt neue Angebote für Jugendliche, die bislang kaum oder gar keine Unterstützung vor Ort fänden. Dazu gehörten unter anderem eintägige Empowerment- und Kreativveranstaltungen in Regionen mit wenigen queeren Angeboten.

Kürzung verschärft Lage von Jugendlichen 

Nach Angaben des Vereins verfügen rund 30 Prozent der queeren Jugendlichen über keine queeren Treffpunkte in ihrem Wohnumfeld. Besonders betroffen seien Minderjährige, junge Menschen im ländlichen Raum sowie mehrfach marginalisierte Jugendliche. Um diese Lücke zu schließen, befindet sich derzeit das digitale Jugendzentrum „lambda space“ in einer Pilotphase. „Unser digitales Jugendzentrum soll all den Jugendlichen einen sicheren Raum bieten, die bislang keine Angebote vor Ort haben. lambda space befindet sich derzeit in der Erprobungsphase, aber der Andrang ist schon jetzt enorm. Bereits über 1.000 Jugendliche sind dabei, das Angebot mit uns zu testen und optimieren“, teilte der Bundesvorstand mit.

Nach Einschätzung des Verbandes wären gerade diese Angebote von den Förderkürzungen unmittelbar betroffen. Die Streichung der Bundesmittel werde die Einsamkeit queerer Jugendlicher weiter verschärfen – insbesondere in ländlichen und strukturschwachen Regionen, in denen es bereits heute kaum dauerhafte Unterstützungsangebote gebe.

Weitreichende Konsequenzen 

Zugleich sieht Lambda in der Entscheidung eine problematische gesellschaftliche Signalwirkung. In einer Zeit, in der queerfeindliche Debatten zunehmend an Bedeutung gewännen, sende die vollständige Streichung der Förderung die Botschaft, dass Schutzräume, Beratungsangebote und die Selbstorganisation queerer Jugendlicher nicht dauerhaft abgesichert seien. Der Verband warnt vor weitreichenden Konsequenzen. „Wir werden gezwungen unsere Tür am Ende des Jahres zu schließen. Und damit genau die Jugendlichen alleine zu lassen, die besonders stark von Einsamkeit, psychischen Belastungen und Diskriminierung betroffen sind. Jugendliche, für die unsere Angebote überlebenswichtig sein können.“

Offener Brief an Ministerin Prien

Mit einem offenen Brief wendet sich Lambda deshalb an Bundesministerin Karin Prien (CDU) sowie an die Mitglieder des Deutschen Bundestages. Darin fordert der Verband die Ministerin auf, die Kündigung der Rahmenvereinbarung zurückzunehmen und appelliert an die Abgeordneten, sich für eine verlässliche Weiterförderung der bundesweiten queeren Jugendverbandsarbeit einzusetzen. Zugleich ruft der Verein auch Privatpersonen und Organisationen zur Unterstützung auf. „Queere junge Menschen zu schützen ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Daher unser direkter Appell an Einzelpersonen und Organisationen: Jede*r von euch kann und muss jetzt aktiv werden. Queere Jugendliche brauchen euch!“. Das Jugendnetzwerk Lambda hat unter dem Motto „Lambda retten“ dazu eigens eine Webseite eingerichtet unter: lambda-online.de/lambda-retten. 

Der queerpolitische Sprecher der Linksfraktion, Maik Brückner, erklärte in einer ersten Stellungnahme: „Pünktlich zu den Sommerferien streicht die Bundesregierung dem Jugendnetzwerk Lambda die Mittel. Queere Jugendprojekte stehen oft ganz oben auf der Streichliste, wenn mal wieder gekürzt werden soll - dabei werden damit allenfalls Kleinstbeträge eingespart, die im Haushalt kaum ins Gewicht fallen. Die Politik streicht Räume und queere Jugendliche verlieren eine Welt. Ich fordere die Bundesregierung auf, die Kündigung der Rahmenvereinbarung mit Lambda rückgängig zu machen!"

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