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Pet Shop Boys feiern Berlin Hymnen einer schwulen Generation, Wegbereiter für Sichtbarkeit

Von ms - 08.07.2026 - 12:00 Uhr
Pet Shop Boys feiern Berlin
Foto: IMAGO / ABACAPRESS
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Die Pet Shop Boys fühlen sich in West-Berlin besonders wohl. Das Londoner Elektropop-Duo, das seit vielen Jahren eine Wohnung im Stadtteil Wilmersdorf besitzt, spricht vor seinen bevorstehenden Konzerten über seine Verbindung zur Hauptstadt – und über die besondere Bedeutung Berlins für die eigene Geschichte und die queere Kultur.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Pet Shop Boys haben seit rund 16 Jahren eine Wohnung in Berlin-Wilmersdorf.
  • Chris Lowe und Neil Tennant schätzen besonders die Architektur und Atmosphäre des Westteils der Stadt.
  • Vor ihren Berliner Konzerten sprechen die Musiker über ihre Verbindung zur Hauptstadt.
  • Das Duo gilt als eine der wichtigsten Bands der LGBTIQ+-Community.
  • Songs wie „West End Girls“, „It’s a Sin“, „Go West“ und „Being Boring“ wurden zu wichtigen Liedern der Community.

Elektropop-Legenden lieben Berlin

„Der Westen ist viel cooler, wie wir alle wissen“, sagte Musiker Chris Lowe (66) dem Tagesspiegel. Besonders angetan sei er von der Architektur rund um den Bahnhof Zoo. Sänger Neil Tennant (71) ergänzte: „Ich gehe gerne auf den Trödel- und Antiquitätenmarkt am Fehrbelliner Platz, genieße diese 20er-Jahre-Atmosphäre in der Pariser Straße.“ Die Musiker leben seit rund 16 Jahren teilweise in Berlin. Dabei gab es zunächst sogar eine Verwechslung beim eigenen Wohnort. „Nach ein paar Jahren haben wir allerdings gemerkt: Moment mal, wir sind gar nicht in Charlottenburg, das ist schon Wilmersdorf“, sagte Tennant.

Die besondere Beziehung der Pet Shop Boys zu Berlin passt zu ihrer jahrzehntelangen Rolle als wichtige Stimmen der LGBTIQ+-Community. Seit ihrem Durchbruch in den 1980er-Jahren haben Neil Tennant und Chris Lowe mit ihrer Musik Themen wie Identität, Liebe, gesellschaftliche Normen und Ausgrenzung aufgegriffen. Besonders in einer Zeit, in der schwule Männer in vielen Ländern noch stark diskriminiert wurden und die Aids-Krise die Community erschütterte, boten ihre Songs vielen Menschen Orientierung und ein Gefühl von Sichtbarkeit. Mit ihrem selbstbewussten Auftreten und ihrer bewussten Zurückhaltung gegenüber klassischen Popstar-Inszenierungen wurden die Pet Shop Boys zu Symbolfiguren einer queeren Musikkultur. Neil Tennant sprach 1994 öffentlich über seine Homosexualität und machte damit in einer Zeit, in der viele Künstlerinnen und Künstler ihre sexuelle Orientierung verborgen hielten, einen wichtigen Schritt für mehr Sichtbarkeit.

Hymnen für die Community 

Mehrere Lieder der Band entwickelten sich zu Hymnen der schwulen und queeren Community. „It’s a Sin“ aus dem Jahr 1987 gilt bis heute als einer ihrer wichtigsten Songs. Das Lied thematisiert Schuldgefühle, gesellschaftlichen Druck und religiöse Moralvorstellungen und wurde von vielen schwulen Menschen als Ausdruck eigener Erfahrungen verstanden. Auch „Go West“, ihre 1993 veröffentlichte Interpretation eines Songs von Village People, wurde zu einem bedeutenden Lied der schwul-lesbischen Bewegung. Der Titel wurde bei Pride-Veranstaltungen und Demonstrationen weltweit gespielt und steht bis heute für Freiheit, Gemeinschaft und den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.

Weitere Klassiker wie „West End Girls“, „Being Boring“ oder „Opportunities (Let’s Make Lots of Money)“ machten die Pet Shop Boys zu einer der erfolgreichsten britischen Popgruppen ihrer Zeit. Besonders „Being Boring“ wird häufig mit Erinnerungen an Freundschaften, Verlust und die Geschichte der schwulen Community verbunden – auch vor dem Hintergrund der Aids-Krise der 1980er- und 1990er-Jahre. Neben ihrer Musik engagierten sich die Pet Shop Boys immer wieder für gesellschaftliche Offenheit und gegen Diskriminierung. Ihre Karriere steht beispielhaft dafür, wie Popmusik Räume für Minderheiten schaffen und gesellschaftliche Debatten beeinflussen kann.

Offenheit der Regenbogenhauptstadt

Auch Berlin spielte dabei eine besondere Rolle. Die Stadt gilt seit Jahrzehnten als wichtiger Ort der queeren Kultur und Freiheit. Vor allem West-Berlin entwickelte sich während der Teilung Deutschlands zu einem Zentrum alternativer Lebensformen und einer lebendigen schwulen Szene. Die Offenheit der Stadt und ihre kulturelle Vielfalt haben die Pet Shop Boys nach eigenen Angaben immer angezogen. Die Musiker berichteten außerdem von einem unangenehmen Erlebnis mit Paparazzi in der Paris Bar. „Wir wurden einmal von Paparazzi verfolgt, ich glaube, einer aus der Bar hat uns verpfiffen“, sagte Lowe. „Es war wirklich schrecklich. Mit einer Videokamera hat uns ein Typ die Straße runter gejagt. Als wir in ein Taxi gesprungen sind, kam es zu einer regelrechten Verfolgungsjagd durch Berlin. Wahnsinn.“ Insgesamt gebe es zu viele Paparazzi in der Stadt, aber nicht genug Promis, sagte Lowe. Für ihre Fans kehren die Pet Shop Boys nun mit mehreren Auftritten nach Berlin zurück. Das Elektropop-Duo spielt am kommenden Samstag in der Waldbühne sowie am Sonntag und Montag im Huxleys Neue Welt. 

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