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Eklat beim Chemnitzer CSD Zwischenfall mit attackierten Rollstuhlfahrer überschattet Demo

Von ms - 06.07.2026 - 09:00 Uhr
Eklat beim Chemnitzer CSD
Foto: IMAGO / HärtelPRESS
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Mit einem Teilnehmerrekord ist der Christopher Street Day (CSD) in Chemnitz durch die Innenstadt gezogen. Nach Angaben des Organisators Robert Lutz beteiligten sich mehr als 2.000 Menschen an der Demonstration. Damit seien so viele Menschen wie noch nie beim Chemnitzer CSD dabei gewesen. Zu dem Anstieg hätten auch gemeinsame Anreisen aus Dresden und Freiberg beigetragen. Für einen besonderen Eklat indes sorgte der Angriff auf einen Rollstuhlfahrer. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Nach Angaben des Veranstalters nahmen mehr als 2.000 Menschen am CSD in Chemnitz teil – so viele wie noch nie.
  • Die Demonstration verlief überwiegend friedlich und ohne Gegenproteste.
  • Ein krebskranker Mann im Rollstuhl wurde während des Umzugs von Eiern getroffen und erstattete Strafanzeige.
  • Mehrere Redebeiträge thematisierten die Situation queerer Menschen und Kürzungen im Kulturbereich.

Eier auf krebskranken Rollstuhlfahrer

Regenbogenflaggen, Furrys, Drag Queens, Hundemasken sowie Menschen aus der ganzen Community prägten das Bild des Umzugs. Die Demonstration führte vom Brühl unter anderem über die Straße der Nationen zum Johannisplatz und endete im Stadthallenpark. Die Atmosphäre blieb nach Angaben der Veranstalter und vor Ort überwiegend gelassen, offen und fröhlich. Überschattet wurde die Veranstaltung jedoch von einem Zwischenfall kurz nach Beginn des Umzugs. Nach dem Start gegen 12.30 Uhr flogen in einer Seitenstraße Eier aus einer Wohnung auf die Karl-Liebknecht-Straße. Nach Angaben von Augenzeugen wurden sie aus einem Gebäude schräg gegenüber des Restaurants „Shalom“ geworfen.

Getroffen wurde dabei unter anderem der krebskranke Steffen Fuchs, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Auch geparkte Fahrzeuge wurden von den Eiern getroffen. „Ich verstehe nicht, wie man auf Demonstranten Eier werfen kann“, habe Steffen Fuchs laut seinem Schwager Johann Fuchs Castner danach zu den Polizisten gesagt. Die Flecken der Eier seien auf seinem T-Shirt deutlich sichtbar gewesen. Fuchs stellte Strafanzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung gegen Unbekannt. Nach Angaben der Freien Presse liegt der Strafantrag vor. 

Friedlich ohne Gegendemonstrationen 

Steffen Fuchs und sein Schwager waren eigens aus Berlin zum CSD nach Chemnitz gereist. Trotz des Vorfalls nahmen sie weiterhin an der Demonstration und der Zwischenkundgebung auf dem Johannisplatz sowie an der Abschlussveranstaltung im Stadthallenpark teil. Auf dem Johannisplatz wurden sie von Sanitäter Mike Irmscher versorgt. Nach dessen Angaben gab es während der Veranstaltung insgesamt lediglich vier weitere medizinische Einsätze. „Das war aber nichts Ernstes“, erklärte er. Menschen hätten unter anderem wegen Kreislaufproblemen und Panikattacken Hilfe benötigt.

Abgesehen von dem Zwischenfall verlief der CSD friedlich. Mehrere Fahrzeuge von Organisationen und Parteien begleiteten den Demonstrationszug mit Musik. Nach Angaben der Polizei gab es weder angemeldete noch spontane Gegendemonstrationen. Einzelne Personen beobachteten den Umzug kritisch. Ein Mann rief im Bereich eines Supermarktes nahe dem Brühl Beleidigungen, die in der Menge jedoch kaum wahrgenommen wurden. Viele Passanten verfolgten den Demonstrationszug dagegen mit Interesse. Einige machten Fotos oder schlossen sich spontan dem Umzug an. Auch aus vorbeifahrenden Fahrzeugen gab es nach Beobachtungen vor Ort mehrfach sichtbare Zustimmung für die Veranstaltung.

Bedrohungen und Kürzungen 

Neben dem Charakter als Demonstration und Straßenfest stand auch die politische Botschaft des CSD im Mittelpunkt. Während der Zwischenkundgebung auf dem Johannisplatz sprach unter anderem die Fraktionsvorsitzende der Linken im sächsischen Landtag, Susanne Schaper. „Es ist Zeit, dass die Zeiten sich gendern“, rief sie den Teilnehmern vom Demowagen aus zu. Sie war die einzige prominente Politikerin vor Ort. Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) ließ über den Veranstalter Grußworte übermitteln.

In weiteren Redebeiträgen des Betroffenenvereins RAA, des Vereins Stadt Land Queer sowie von Bündnis 90/Die Grünen und der Linksjugend wurde darauf hingewiesen, dass queere Menschen in der Region weiterhin verbalen und körperlichen Bedrohungen ausgesetzt seien. Zugleich kritisierten die Redner drohende Kürzungen für Vereine und Kultureinrichtungen in Chemnitz. Gerade kulturelle Angebote seien wichtig für Identität, Gemeinschaft und Begegnung. Nach Angaben von Veranstalter Robert Lutz stand der diesjährige Rekord-CSD deshalb unter dem Motto: „Queer bleibt – Kultur auch“.

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