Radikal inszenierter Clip Mykki Blanco zeigt queere Lust in Berlins U-Bahn
Der US-amerikanische trans* Rapper Mykki Blanco hat mit dem Musikvideo zu „Butt Sex“ einen weltweit beachteten Auftritt im Berliner U-Bahn-Netz hingelegt. Das am 1. Juli 2026 erschienene Video sorgt mit seiner radikal offenen Inszenierung queerer Lust und Selbstermächtigung nicht nur unter Fans für Aufsehen – es stellt auch die Frage, wie weit die Sichtbarkeit queerer Kunst im öffentlichen Raum heute gehen darf und gehen muss.
Das Wichtigste im Überblick
- Mykki Blanco veröffentlichte „Butt Sex“ am 1. Juli 2026 als zweite Single des kommenden Albums „Cafe Paradiso“.
- Das Musikvideo entstand unter der Regie von Matt Lambert in Berliner U-Bahnstationen.
- Die Dreharbeiten fanden im Januar 2026 an einem Sonntagmorgen bei Temperaturen von minus zehn Grad statt.
- Die Hauptrollen spielen die Theater- und Filmschauspieler Ali Schröder und Clemens Bobke.
- Die offene Darstellung queerer Sexualität und Körperlichkeit ist zentrales Thema des Videos.
Queere Sichtbarkeit im Herzen Berlins
Mit „Butt Sex“ nutzt Mykki Blanco die Bühne der Berliner U-Bahn für eine provokante und humorige Hommage an queere Lust. Die Blicke der Öffentlichkeit werden gezielt auf einen Ort gelenkt, der in Berlin seit Jahrzehnten mit queerer Geschichte verbunden ist, aber selten so explizit ins Zentrum kollektiver Aufmerksamkeit rückt. Regisseur Matt Lambert inszeniert die Gänge, Waggons und leeren Bahnsteige als Orte spielerischer Grenzüberschreitung, dabei bleibt die Darstellung bewusst partizipativ: Besucherinnen und Besucher der Bahn finden sich zwischen den Protagonistinnen und Protagonisten wieder, während Grenzen von Intimität und Öffentlichkeit sich spielerisch auflösen.
Kunst zwischen Mut und Medienmechanik
Das Video ist mehr als ein Musikclip – es zitiert Elemente subkultureller Berliner Ästhetik und stellt stereotype Vorstellungen von Körper, Begehren und Zugehörigkeit infrage. Radikale Offenheit trifft hier auf sorgfältige Bildgestaltung: Gerade im medialen Zeitalter, in dem queere Inhalte zwar sichtbarer werden, aber auch immer stärker reguliert und kuratiert, setzt das Werk einen bewussten Kontrapunkt zu glatten Mainstream-Präsentationen. Die Tatsache, dass die Produktion während eines eisigen Sonntagmorgens erfolgte, verleiht der Aktion einen Charakter von Widerstand und kollektiver Selbstbehauptung.
Direkte Stimme aus der Community
Mykki Blanco erklärt zur Veröffentlichung:
"Dieses Video ist eine Liebeserklärung an all jene, die keine Scham kennen und Freude an ihrer eigenen Körperlichkeit haben."
Dieser Anspruch ist im Video deutlich erkennbar. Die direkten Botschaften an Teilnehmende wie Beobachtende brechen mit Schamgrenzen und fordern Akzeptanz sowie Selbstbestimmtheit ein – auch und gerade im öffentlichen Raum einer europäischen Großstadt.
Queerer Alltag und öffentliche Räume
Der Clip etabliert neue Standards für queere Sichtbarkeit in der Popkultur und fordert Medien wie Rezipientinnen und Rezipienten heraus, offenere Narrative zuzulassen. Die Provokation ist gezielt gesetzt: Sie will einen Diskurs über den Umgang öffentlicher Institutionen – wie der Berliner Verkehrsbetriebe – mit queerer Kunstform anregen. Gleichzeitig öffnet das Video Möglichkeiten für weitere, ähnlich selbstbewusste Projekte – in Berlin und darüber hinaus.
Die gesellschaftliche Resonanz auf „Butt Sex“ bleibt ein Prüfstein für die mediale Offenheit in Deutschland, an dem sich die künstlerische Freiheit der Zukunft wird messen lassen müssen.