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Bottoming Fever Experten sind uneins über das Krankheitsbild nach schwulem Sex

Von ms - 24.06.2026 - 14:35 Uhr
Bottoming Fever
Foto: IMAGO / YAY Images
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Schüttelfrost, leichtes Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl nach intensivem rezeptivem Analverkehr: Für diese Beschwerden hat sich in Teilen der LGBTIQ+-Community der Begriff „Bottoming Fever“ etabliert. Ob es sich dabei tatsächlich um ein eigenständiges medizinisches Phänomen handelt, darüber gehen die Meinungen von Fachleuten auseinander. Fakt ist aber, die Diagnose ist inzwischen Teil von Forschungen im Gesundheitsbereich.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Begriff „Bottoming Fever“ beschreibt grippeähnliche Symptome nach intensivem rezeptivem Analverkehr.
  • Mögliche Beschwerden sind Schüttelfrost, leichtes Fieber, Müdigkeit und Gliederschmerzen.
  • Einige Experten führen die Symptome auf Entzündungsreaktionen und kleine Verletzungen der Darmschleimhaut zurück.
  • Andere Fachleute bezweifeln, dass es sich um eine medizinisch anerkannte Diagnose handelt.
  • Die Beschwerden sollen meist innerhalb von 24 Stunden wieder abklingen.
  • Bei anhaltenden Symptomen, starken Schmerzen oder Blutungen wird ärztliche Abklärung empfohlen.

Kritik an der Bezeichnung

Für Aufmerksamkeit in diesem Bereich sorgte in diesen Tagen ein TikTok-Video des schwulen Urologen und Medizin-Influencers Dr. Joshua Gonzalez. Darin erklärt er: „Es gibt etwas, das man Bottoming Fever nennt. Nach intensivem Analverkehr können grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost oder leichtes Fieber auftreten. Das ist eine Entzündungsreaktion auf Mikroverletzungen der Darmschleimhaut.“

Dr. Carl Streed, LGBTIQ+-Gesundheitsexperte und Assistenzprofessor für Medizin an der Boston University, sieht die Bezeichnung indes kritisch. „Diese Frage erinnert mich an die veraltete und abwertende Bezeichnung ‚Gay Bowel Disease‘, die in den 1970er-Jahren geprägt wurde“, so Streed. Mit dem Begriff wurden damals sexuell übertragbare Infektionen und Magen-Darm-Erkrankungen bei Männern beschrieben, die Sex mit Männern haben. Streed bezweifelt, dass „Bottoming Fever“ als eigenständige Diagnose betrachtet werden sollte. „Auch wenn die Physiologie dieses ‚Bottoming Fever‘ plausibel klingt, gibt es keine Forschungsergebnisse, die seine Existenz bisher eindeutig belegen oder darauf hindeuten, dass es sich von anderen anogenitalen Problemen im Zusammenhang mit rezeptivem Analverkehr unterscheidet.“

Entzündungsreaktion als Ursache

Eine andere Einschätzung vertritt Dr. Evan Goldstein, Spezialist für anale Gesundheit und Gründer der Sexual-Wellness-Marke Future Method. „Bottoming Fever ist zwar kein offizieller medizinischer Begriff, aber Menschen können solche Symptome nach intensivem Analverkehr erleben. Sie können auch durch Spülungen oder kleinere und größere Risse im Analbereich entstehen“, sagt Goldstein. Zu den Symptomen, die mit dem Begriff in Verbindung gebracht werden, zählen Schüttelfrost, Müdigkeit, leichtes Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen sowie weitere grippeähnliche Beschwerden. „Diese Symptome sind grundsätzlich eine normale Reaktion des Körpers auf eine Entzündungskaskade“, erklärt Goldstein.

Nach seiner Einschätzung können häufige oder intensive Darmspülungen die empfindliche Schleimhaut reizen und zu mikroskopisch kleinen Verletzungen führen. „Die Darmwand wird dadurch gewissermaßen freigelegt und empfindlicher. Es kommt zu mikroskopisch kleinen Verletzungen, Reizungen und Veränderungen des Mikrobioms. Der Körper registriert diese Veränderungen und reagiert darauf, was sich als Bottoming Fever äußern kann.“ Streed bleibt skeptisch: „Es ist schwer zu sagen, welche Symptome für eine erfundene Erkrankung typisch sein sollen.“

Was Betroffene tun können

Gonzalez empfiehlt vor allem Ruhe und ausreichend Flüssigkeitszufuhr. „Ruhe dich aus, trinke genug und die Beschwerden sollten innerhalb von 24 Stunden von selbst verschwinden.“ Auch Goldstein geht davon aus, dass die Symptome in den meisten Fällen schnell wieder abklingen. „Ruhe. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist entscheidend. Man kann auch Advil oder Motrin einnehmen. Dann sollte die Welle vorübergehen.“ Streed rät Menschen, die solche Beschwerden regelmäßig erleben, besonders intensive oder sehr lange sexuelle Aktivitäten zu vermeiden. Außerdem empfiehlt er regelmäßige Tests auf sexuell übertragbare Infektionen sowie ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung und Bewegung.

Vorbeugung durch schonende Praktiken

Goldstein sieht Möglichkeiten, das Risiko zu reduzieren. Dazu gehöre unter anderem ein bewussterer Umgang mit Darmspülungen. „Wir können das Risiko für Bottoming Fever reduzieren, indem wir entweder ganz auf Darmspülungen verzichten oder die Vorbereitung optimieren. Dazu gehören spezielle Nahrungsergänzungsmittel für Bottoms, bessere Gleitmittel-Techniken und das Training mit Toys vor dem Sex und an sexfreien Tagen.“ Auch Streed empfiehlt bewährte Safer-Sex-Praktiken wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ballaststoffreiche Ernährung, sanfte Spülungen statt aggressiver Darmreinigungen sowie die Verwendung von ausreichend wasser- oder silikonbasiertem Gleitmittel. Zudem betont er die Bedeutung offener Kommunikation mit Sexualpartnern: „Zu sagen, was weh tut und was sich gut anfühlt, verbessert die Erfahrung für alle Beteiligten.“

Wann ein Arztbesuch sinnvoll ist

Einigkeit besteht bei möglichen Warnzeichen. Goldstein empfiehlt medizinische Hilfe, wenn Beschwerden länger als 24 Stunden anhalten oder das Fieber über 38,5 Grad Celsius steigt. „Nach dem Sex kann etwas Schleimabsonderung auftreten, aber das sollte nicht anhalten. Falls doch, sollte ein vollständiger Test auf sexuell übertragbare Infektionen durchgeführt werden. Und wenn etwas passiert, das für dich ungewöhnlich ist, solltest du medizinische Hilfe suchen. Frühes Eingreifen ist immer besser.“ Auch Streed rät in bestimmten Fällen zu ärztlicher Abklärung. „Suche Hilfe bei einer ausgebildeten Fachkraft, nicht bei einem Medizin-Influencer“, sagt er. Als Warnzeichen nennt er Bauch- oder Enddarmschmerzen, starke Blutungen, Eiter oder ungewöhnlichen Ausfluss, Schmerzen beim Wasserlassen, Geschwüre, Hautausschläge oder Beschwerden, die nach jedem rezeptiven Analverkehr erneut auftreten. „All dies können Anzeichen für eine Infektion oder Verletzung sein, die medizinische Behandlung erfordert.“

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