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Schwule Liebe als Albtraum Regisseur über Trauma und Angst

Von ms - 22.06.2026 - 12:30 Uhr
Schwule Liebe als Albtraum
Foto: Causeway Films
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Der Regisseur Adrian Chiarella hat mit „Leviticus“ einen neuen Horrorfilm vorgelegt, der sich mit Konversionstherapie und den damit verbundenen realen Erfahrungen innerhalb der LGBTIQ+-Community beschäftigt und diese in eine übernatürliche Geschichte überführt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Neuer Horrorfilm „Leviticus“ von Regisseur Adrian Chiarella
  • Thema: Konversionstherapie und religiös motivierte Zwangsmaßnahmen
  • Handlung über zwei verliebte Teenager in Australien
  • Übernatürliche Bedrohung nimmt Gestalt der geliebten Person an
  • Film will auch über LGBTIQ+-Kontext hinaus wirken und universelle Erfahrungen zeigen
  • Regisseur spricht über eigene religiöse Schulerfahrungen und Recherche weltweit

Horror nach Konversion

Der Film folgt den Figuren Naim (Joe Bird) und Ryan (Stacy Clausen), zwei schwule Jugendlichen aus einer Kleinstadt in Australien, deren beginnende Beziehung von konservativen Bewohnern entdeckt wird. Daraufhin geraten sie in ein religiös geprägtes „Reinigungs-Ritual“ unter Leitung eines fragwürdigen Predigers. In der Folge werden sie von einer gewalttätigen, gestaltwandelnden Erscheinung verfolgt, die nur von den Betroffenen wahrgenommen werden kann. Besonders verstörend ist dabei, dass sich diese Macht in der Gestalt des jeweils geliebten Menschen zeigt.

Der Film startete am 19. Juni in den deutschen Kinos und erscheint in einer Phase, in der Horrorfilme kommerziell wieder stärker wahrgenommen werden, queere Geschichten jedoch häufig noch als Nische gelten. Chiarella betont jedoch, dass sein Film bewusst breiter angelegt sei und universelle Erfahrungen von Angst, Jugend und Ablehnung thematisiere.

Homo-Heilung als realer Horror 

Im Interview beschreibt der Regisseur seine Recherchen zur Konversionstherapie als weltweit erschütternd. Er verweist unter anderem auf Rituale und Exorzismen in verschiedenen Kulturen: „Ich habe von Exorzismen gehört, die in Kulturen auf der ganzen Welt durchgeführt werden. Und dann war da ein sehr guter Freund von mir — seine Eltern waren tatsächlich Taoisten, und er erzählte mir, dass er zu einem taoistischen Priester gegangen sei, der den Fluch nur mit einem Messer von ihm ´abgeschnitten´ habe, und das klang furchterregend. Es gab viele Bilder, die sich anfühlten, als kämen sie direkt aus einem Horrorfilm. Das hat mich nur darin bestärkt, dass dieses Genre der richtige Weg ist, um diese Geschichte zu erzählen und diese Ideen zu erforschen.“

Auch persönliche Erfahrungen des Regisseurs flossen in das Drehbuch ein. Er besuchte eine religiöse Jungenschule und erlebte dort Homophobie in verschiedenen Formen: „Ich kann nichts Konkretes benennen, aber meine Eltern waren nicht religiös, sie haben mich jedoch auf eine religiöse Jungenschule für Jungen geschickt. Und dieses Gefühl, Homophobie nicht nur von anderen Schülern zu erfahren, sondern auch durch das, was im Unterricht und bei Versammlungen in der Kirche gesagt wurde und durch Bibelzitate — bestimmte Stellen, wie die, die wir im Filmtitel verwenden — man hat das Gefühl, dass es einen von allen Seiten trifft.“

Fehlende Akzeptanz als zentrales Motiv 

Der Regisseur betont außerdem, dass der Film nicht nur für ein LGBTIQ+-Publikum gedacht sei. Viele Rückmeldungen hätten gezeigt, dass sich auch heterosexuelle Zuschauer angesprochen fühlten, da es allgemein um Jugend, Identitätsfindung und Selbstvertrauen gehe. Ein zentrales Thema sei die Erfahrung, nicht akzeptiert zu werden, unabhängig von sexueller Orientierung. Auch Eltern und Familie spielten dabei eine wichtige Rolle, insbesondere wenn Jugendliche mit ihren Gefühlen nicht ernst genommen würden.

Zu den Reaktionen aus der LGBTIQ+-Community berichtet Chiarella, dass insbesondere Vorführungen auf Festivals wie Sundance und South by Southwest sehr intensive Rückmeldungen ausgelöst hätten. Viele Besucher hätten ähnliche Erfahrungen mit Ablehnung und Trauma gemacht. Zur Frage nach der realen Bedrohlichkeit der im Film dargestellten Gewalt erklärt der Regisseur, dass er sich während der Arbeit auch mit den dunkleren Seiten menschlichen Verhaltens auseinandersetzen musste.

Auf die Frage nach dem eigentlichen „Bösewicht“ sagt Chiarella, dass es nicht nur die übernatürliche Figur sei, sondern auch menschliche Akteure wie der Prediger oder die Eltern eine Rolle spielten. Zur Möglichkeit einer Fortsetzung äußert sich der Regisseur offen, aber zurückhaltend. Er sehe grundsätzlich Potenzial für weitere Geschichten innerhalb dieses erzählerischen Universums und für unterschiedliche Erfahrungen innerhalb der LGBTIQ+-Community, konkrete Pläne gebe es jedoch nicht.

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