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Morddrohungen per Social Media Kölner Pfarrer richtet queere Party unter Schutz aus

Von tb - 25.05.2026 - 15:30 Uhr
Kölner Pfarrer richtet queere Party unter Schutz aus
Foto: © picture alliance/dpa
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Der Kölner evangelische Pfarrer Tim Lahr hat in seiner Kirche eine queere Party mit Dragqueens organisiert und sieht sich deshalb massiven Bedrohungen und Hass in sozialen Medien ausgesetzt. Mit dem Ziel, queere Menschen zu stärken und Vermittlung zwischen Kirche und LGBTIQ+-Community zu schaffen, löste das Event sowohl Begeisterung als auch Proteste und Morddrohungen aus. Die Sicherheitslage erforderte bei der Veranstaltung im Kölner Gotteshaus am vergangenen Wochenende erstmals den Einsatz eines Sicherheitsdienstes.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Pfarrer Tim Lahr bezeichnet sich selbst als queer und richtet regelmäßig queere Partys und Gottesdienste in einer Kölner Kirche aus.
  • Nach der Veröffentlichung entsprechender Inhalte erhält Lahr zahlreiche Beleidigungen und Morddrohungen im Internet.
  • Zum Schutz der Gäste wurde bei der letzten Veranstaltung ein privater Sicherheitsdienst eingesetzt.
  • Gegnerinnen sowie Gegner der Veranstaltungsreihe beziehen sich häufig auf konservative christliche Werte.
  • Laut Bundesinnenministerium steigen Übergriffe und Hasskriminalität gegen queere Menschen in ganz Deutschland.

 

Queere Partys als kirchliches Angebot

Innerhalb der evangelischen Gemeinde in Köln räumt Tim Lahr Bänke aus dem Kirchenschiff, stellt einen DJ auf den Altar und verwandelt das Gotteshaus für eine Nacht in einen Raum für queere Menschen. Das Konzept schlägt Wellen: Während Besucherinnen udn Besucher den Ort als sicheren Treffpunkt beschreiben, wächst der digitale Widerstand. Lahr sieht darin die Möglichkeit, einen jahrhundertelang ausschließenden Raum für queere Menschen in einen Ort der Begegnung zu transformieren. Besucher:innen berichten, dass sie sich hier willkommen fühlen, was für queere Christinnen und Christen in herkömmlichen Gemeinden oft nicht selbstverständlich ist.

 

Welle der Hasskommentare und Bedrohungen

Über 80.000 Menschen folgen Tim Lahr auf TikTok und Instagram, wo er offen über seinen Alltag als schwuler Pfarrer berichtet. Nach Angaben des Verbandes Lesben und Schwule in der Kirche (LSBK) nehmen Anfeindungen auch bundesweit zu, insbesondere seit queere Sichtbarkeit auf Social Media wächst. Immer wieder erhält Lahr Morddrohungen, die er zur Anzeige bringt. Die Justiz sieht sich bei der schieren Masse der Fälle jedoch häufig überfordert. Auch die Evangelische Kirche im Rheinland verweist auf eine Zunahme von homophober Gewalt und unterstützt ihre Mitarbeitenden.

„Ich kenne keine Stelle in der Bibel, wo Jesus sagt: 'Du sollst queere Menschen hassen.'“, stellt Tim Lahr öffentlich klar und bezieht sich damit auf Angriffe aus fundamentalistischen Kreisen.

 

Hintergrund: Schutzmaßnahmen und gesellschaftliche Lage

Der Bundesverband der queerpolitischen Beratung bestätigt für 2025 einen deutlichen Anstieg queerfeindlicher Straftaten, insbesondere im Umfeld von Regenbogen-Events und in sozialen Medien. Viele Kirchen sehen sich in der Pflicht, für eine offene Kultur einzustehen, doch kritische Stimmen – auch unter Christfluencern – bleiben laut. Die Einrichtung von Schutzdiensten bei Veranstaltungen wird häufiger angefragt. Das Engagement von Tim Lahr steht exemplarisch für zahlreiche Gemeinden, die neue Wege für Vielfalt und Inklusion eröffnen wollen.

 

Wichtige Fragen zum Thema

Warum sind queere Veranstaltungen in Kirchen so umstritten?
Traditionelle Auslegungen der Bibel werden von konservativen Gruppen gegen inklusive Angebote verwendet, während progressivere Gemeinden queere Menschen ausdrücklich willkommen heißen wollen.

Wie häufig kommt es zu Bedrohungen von queeren Kirchenvertreter:innen?
Laut Bundeskriminalamt und Beratungsstellen steigen Bedrohungen und Hasskriminalität im religiösen Kontext seit mehreren Jahren bundesweit deutlich an.

Gibt es Schutz für Betroffene?
Großstadtgemeinden setzen zunehmend auf Sicherheitsdienste und Unterstützungsnetzwerke; Polizei und Justiz arbeiten an besseren Melde- und Präventionsmechanismen.

Derzeit prüft die Leitung der Kirchengemeinde in Köln, ob und wie queere Feste künftig weitergeführt werden können. Die Nachfrage nach sicheren Räumen und sichtbarer Wertschätzung für queere Christ:innen bleibt hoch – die konkrete Ausgestaltung auch vor Ort bleibt angesichts gesellschaftlicher Spannungen eine Herausforderung.

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