Janosch - Forever Young Frank Rommerskirchens neuer Thriller
Mit „Janosch - Forever Young“ legt Frank Rommerskirchen einen düsteren, stellenweise brutalen Thriller vor, der weit mehr ist als ein klassischer Serienmörderroman. Das Buch verbindet Krimispannung, queere Gegenwartspolitik, Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und die Frage, wie viel Gerechtigkeit ein Mensch noch erwarten kann, wenn Institutionen versagen.
Im Zentrum steht zunächst eine bizarre Mordserie in Hamburg: Wohlhabende, ältere Männer werden tot an Brunnenanlagen gefunden. Die Inszenierungen sind auffällig symbolisch, fast rituell. Schnell wird klar, dass es hier nicht nur um Mordlust geht, sondern um mehr.
Rommerskirchen erzählt das kompromisslos. Der Roman ist nichts für schwache Nerven. Manche Szenen sind hart, explizit und bewusst unangenehm. Gerade darin liegt aber auch seine Wucht. „Forever Young“ verhandelt den perfiden Jugendwahn alter, reicher Männer, die sich Jugend, Körper und Verfügbarkeit kaufen wollen. Der Titel ist bitter ironisch: Was als Sehnsucht nach ewiger Jugend erscheint, entpuppt sich als System aus Gewalt, Rassismus, Klassismus und sexualisierter Ausbeutung.
Stark ist der Roman vor allem dort, wo er den Thrillerplot mit Janoschs Welt auf der Sappho verbindet. Der „Ankerplatz“ bleibt ein Gegenbild zur Kälte der Täterwelt: ein Schutzraum für queere Jugendliche, überfüllt, politisch bedroht, aber getragen von Solidarität. Besonders schön ist die Rückkehr von Yana, die vom einstigen Schützling zur Mitarbeiterin wird.
Nicht immer ist der Roman elegant. Einige Dialoge erklären sehr viel, manche Szenen wirken etwas ausgestellt, und die drastischen sexuellen Gewaltszenen dürften polarisieren. Auch die politische Zeichnung ist sehr deutlich, manchmal fast plakativ. Aber genau das gehört zu Rommerskirchens Stil: Er schreibt nicht kühl distanziert, sondern mit Haltung. Wer subtile Andeutungen sucht, wird hier nicht immer fündig. Wer aber einen wuchtigen schwulen Thriller lesen möchte, der Missbrauch, Macht und gesellschaftlichen Rechtsruck frontal angeht, bekommt eine intensive Lektüre.
Fazit
„Janosch: Forever Young“ ist ein harter, aufwühlender und sehr erwachsener Thriller. Kein Wohlfühlroman, aber ein Buch mit klarer moralischer Wut und einem starken schwulen Herzen. Besonders für Leserinnen und Leser der bisherigen Janosch-Romane dürfte dieser Band ein emotionaler und konsequenter nächster Schritt sein.
Infos zum Buch
Frank Rommerskirchen: JANOSCH – Forever young. 212 Seiten. Verlag: Himmelstürmer Verlag. Hamburg 2026. Gebundenes Buch: 17,90 € (ISBN: 978-3-98758-165-6). E-Book: 14,99 € (ISBN: 978-3-98758-166-3)