Direkt zum Inhalt

Missbrauch durch Islamlehrer 35-Jähriger soll acht Jungen schwer sexuell misshandelt haben

Von ms - 16.04.2026 - 14:00 Uhr
Missbrauch durch Islamlehrer
Foto: iStock / yasindmrblk
ANZEIGE
Loading audio player...

Vor dem Landgericht Ellwangen in Baden-Württemberg hat der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann begonnen, der als islamischer Lehrer, ein sogenannter Hodscha, tätig war und beschuldigt wird, über mehrere Jahre lang insgesamt acht Jungen sexuell immer wieder schwer missbraucht zu haben.

Das Wichtigste im Überblick

  • In Ellwangen beginnt ein Prozess gegen einen 35-jährigen islamischen Lehrer wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. 
  • Acht Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren sind laut Anklage betroffen. 
  • Die Taten sollen vor allem in einem islamischen Schülerwohnheim in Giengen stattgefunden haben, teilweise auch in Stuttgart und Heidenheim. 
  • Der Angeklagte soll seine Funktion als Hodscha für die Übergriffe ausgenutzt haben. 

Sadistischer Missbrauch und Vergewaltigungen

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die Taten vor allem in einem islamischen Schülerwohnheim in Giengen an der Brenz begangen worden sein, an der dazugehörigen Schule arbeitete der Angeklagte als Koranlehrer. Weitere Tatorte sollen Stuttgart und die Stadt Heidenheim gewesen sein. Die Anklage bezieht sich auf insgesamt acht männliche Opfer im Alter von 12 bis 17 Jahren. Die Vorwürfe reichen von schwerem sexuellen Missbrauch bis hin zu Vergewaltigungen. Mehrfach soll er die Kinder auch zu Oralverkehr gezwungen oder bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Außerdem soll der gelernte Erzieher Freude daran gefunden haben, den Jungen Schmerzen zuzufügen. 

Er habe sich am Leid der Opfer erfreut, bekräftigte die Staatsanwältin. Immer wieder soll er auch mit seinem Schlüsselbund auf die Kinder eingeschlagen haben. An die Öffentlichkeit kamen die Vorfälle erst, nachdem der Leiter des Wohnheims Anzeige erstattete, zuvor war dieser von einer besorgten Mutter eines der Opfer über die mutmaßlichen Taten informiert worden. Ein Junge hatte dem Leiter dann auf Rückfrage Einzelheiten zu Oralverkehr und erzwungenen erotischen Massagen berichtet. Angeklagt wurde der deutsche Staatsbürger mit türkischen Wurzeln schlussendlich in 26 Fällen, die sich zwischen 2021 und 2024 ereignet haben sollen.  

Machtposition als Koranlehrer ausgenutzt

Dabei soll der Angeklagte seine Rolle als religiöser Lehrer und Betreuer gezielt immer wieder ausgenutzt haben, um Zugang zu den Kindern zu erhalten. Dem Gericht zufolge soll der verheiratete Mann teilweise direkt bei den Kindern übernachtet und sie überdies auch auf Reisen, unter anderem nach Paris, begleitet haben. Auch im Umfeld von gemeinsamen Filmabenden soll es zu Übergriffen gekommen sein. In seiner Machtposition als Hodscha oder Hoca habe er die minderjährigen Opfer zum Schweigen gebracht, so die Staatsanwältin weiter.

Der Begriff Hodscha (Hoca) bezeichnet in der Regel einen Religionslehrer. Eine formale akademische Ausbildung ist nicht zwingend erforderlich, wohl aber Kenntnisse in der arabischen Sprache zur Anleitung von Gebeten. Für den laufenden Prozess sind insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt. Beim ersten Prozesstag erklärte der neun Jahre ältere Bruder eines der Opfer: „Meine Eltern waren sehr traurig, sie haben geweint, sie waren erschüttert. Ich wusste nicht, wie ich diese Situation handhaben soll“, so der 26-jährige Student. Bis heut gehe es seinem Bruder psychisch schlecht, er trage zudem noch immer eine gewisse Scham in sich. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Berliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandWDRDüsseldorfer spricht über Coming-out und Identitätder FreitagTürkischer Exil-Autor Barbaros Altuğ: „Ich stand dort plötzlich wie der Hauptangeklagte“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Queere Vielfalt im Tierreich

Wenn Widder auf Widder stehen

Manche Widder bevorzugen andere Männchen. Gleichgeschlechtliches Verhalten ist weit verbreitet – was Studien zeigen und wo Vergleiche hinken.
Ältere Brüder, schwule Söhne?

Was die Forschung wirklich zeigt

Ältere Brüder und schwule Söhne: Studien finden Zusammenhänge. Doch die Ursache ist nicht bewiesen – und die Statistik bleibt umstritten.
Dresden holt den EuroPride

Rückkehr nach 25 Jahren

Dresden richtet den EuroPride 2029 aus. Nach 25 Jahren kehrt das europäische Pride-Event nach Deutschland zurück. Das Motto setzt auf Brücken.
Streit um Pornoseiten

Sperren vorerst gestoppt

Pornhub und YouPorn müssen vorerst nicht gesperrt werden. Das OVG NRW verweist auf EU-Recht. Der Streit um wirksamen Jugendschutz geht weiter.
Empörung auf Bestellung

Ragebait ist Jugendwort 2026

„Ragebait“ ist das Jugendwort 2026. Was der Begriff bedeutet, warum Provokation Reichweite bringt und was die LGBTIQ+-Community daraus lernen kann.
Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.