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Gedenken an NS-Opfer Schauspieler Hape Kerkeling mit emotionaler Rede

Von ms - 13.04.2026 - 08:30 Uhr
Gedenken an NS-Opfer
Foto: IMAGO / Funke Foto Services
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Am gestrigen Sonntag fand auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar die zentrale Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung statt. In einer eindrucksvollen Ansprache appellierte der Schauspieler und Entertainer Hape Kerkeling an die Verantwortung jedes Einzelnen, gegen antidemokratische Tendenzen aktiv einzutreten. „Wer heute wegschaut oder jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, der macht sich mitschuldig“, betonte Kerkeling, dessen Großvater Hermann im KZ Buchenwald inhaftiert war und die Befreiung 1945 miterlebte.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Gedenken an Buchenwald-Opfer: Am 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers fand eine Gedenkveranstaltung statt.
  • Warnung vor „Kultur des Wegsehens“: Hape Kerkeling und andere Redner mahnten, der Ausgrenzung und autoritären Tendenzen entgegenzutreten.
  • Kontroversen rund um die Veranstaltung: Ein geplantes pro-palästinensisches Gedenken auf dem KZ-Gelände wurde verboten, während Proteste und Demonstrationen in Weimar stattfanden.
  • Kritik an Kulturstaatsminister Weimer: Seine Teilnahme wurde von Überlebenden und Organisationen kritisiert.
  • Polizeieinsätze: Es gab mehrere Strafanzeigen wegen Verstöße gegen das Versammlungsrecht, aber insgesamt verliefen die Versammlungen ruhig.

Widerstand gegen autoritäre Strömungen

Kerkeling erinnerte an den ersten Artikel des Grundgesetzes, der die Unantastbarkeit der Menschenwürde betont, und stellte fest: „Dieser Satz ist die direkte Antwort auf Buchenwald.“ Er warnte vor Versuchen, die NS-Zeit zu verharmlosen. Derartige Bestrebungen, so Kerkeling, griffen das Fundament der demokratischen Gesellschaft an und stellten die Werte der Freiheit und der Menschenrechte infrage. 

Neben Kerkeling richteten auch andere Redner mahnende Worte an das Publikum. Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, erklärte, dass weltweit ein Vormarsch autoritärer Regime zu beobachten sei. Dieser Entwicklung müsse mit einer klaren Haltung entgegengetreten werden, um die Werte einer freien und solidarischen Gesellschaft zu verteidigen.

Lena Carlebach, Präsidentin des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora, sprach von der moralischen Verpflichtung, den Mut der Häftlinge des Lagers zu ehren und die Erinnerung wachzuhalten. „Erinnern heißt auch, zu verstehen, wie Menschen zu Tätern wurden und wie Menschen zu Verfolgten gemacht wurden“, sagte Carlebach, deren Großvater Emil ebenfalls Häftling in Buchenwald war.

Politische Verantwortung 

Thadäus König, Präsident des Thüringer Landtages (CDU), ging in seiner Rede auf die Gefahren von Ausgrenzung und Feindbildern ein. Er betonte, dass Unmenschlichkeit immer dort beginne, wo Menschen in „die Guten und die Schlechten“ unterteilt würden. Der Kampf gegen antisemitisches und rassistisches Denken sei heute, mehr denn je, ein zentraler Bestandteil der demokratischen Kultur. König zeigte sich besorgt über den Anstieg antisemitischer Tendenzen, insbesondere unter jungen Menschen, und hob hervor, dass die Wiederkehr von Parolen des Nationalsozialismus auf Schulhöfen die gesamte Gesellschaft betreffe. Der Ausschluss von Menschen dürfe nicht wieder als akzeptables Handeln angesehen werden.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ehrte während der Veranstaltung den fast 100-jährigen Buchenwald-Überlebenden Andrei Iwanowitsch Moisskenko. Dieser habe sich sein Leben lang für die Erinnerung an die Grauen des NS-Regimes eingesetzt. Weimer würdigte auch das Engagement von anderen Überlebenden, deren Anwesenheit ein starkes Zeichen für die Bedeutung der Erinnerung darstelle.

Kontroversen und Polizeieinsatz 

Die Veranstaltung war im Vorfeld von Kontroversen begleitet. Die Stadt Weimar hatte eine von der propalästinensischen Gruppe „Kufiyas in Buchenwald“ geplante Mahnwache auf dem Gelände der Gedenkstätte verboten. Diese Gruppe hatte angekündigt, den Israel-Palästina-Konflikt thematisieren zu wollen, was die Stadt aufgrund der historischen Bedeutung des Ortes ablehnte. Die Mahnwache fand letztlich nicht statt, wurde aber von Aktivisten auf einem anderem Gelände fortgesetzt.

Zudem stieß die Teilnahme von Kulturstaatsminister Weimer auf scharfe Kritik. Vertreter von ehemaligen KZ-Häftlingen monierten, dass Weimer in der Vergangenheit mangelndes Verständnis für die Erfahrungen der Überlebenden gezeigt habe. Während der Veranstaltung kam es vereinzelt zu Buh-Rufen gegen Weimer, und einige Demonstranten sangen das „Buchenwald-Lied“, das 1938 von Häftlingen im Lager geschrieben wurde.

In Weimar kam es auch zu mehreren Protestaktionen im Zusammenhang mit der Gedenkveranstaltung. Laut Polizei versammelten sich kleinere Gruppen am Goetheplatz, am Bahnhofsvorplatz und am Buchenwaldplatz. Die Polizei leitete insgesamt vier Strafverfahren aufgrund von Verstößen gegen das Versammlungsrecht ein. Bei der Gedenkfeier selbst blieb die Situation weitgehend ruhig, trotz kritischer Zwischenrufe.

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