Direkt zum Inhalt

Homophobe Richter Kein Verständnis für besondere Lage von LGBTIQ+-Asylbewerbern?

Von ms - 08.04.2026 - 12:30 Uhr
Homophober Richter
Foto: iStock / ftwitty
ANZEIGE
Loading audio player...

In den USA sorgt die Befragung eines schwulen iranischen Asylbewerbers vor einem Einwanderungsgericht derzeit für viel Kritik und Besorgnis über den generellen Umgang mit LGBTIQ+-Anträgen. Der Fall hat eine landesweite Debatte unter Juristen ausgelöst. Ausgangspunkt war eine Anhörung im Frühjahr 2025, dabei habe Einwanderungsrichter Samuel Williams den iranischen Mann fast drei Stunden lang zu persönlichen Details seiner gleichgeschlechtlichen Beziehung befragt, berichteten jetzt mehrere Anwälte.

Demütigungen vor Gericht 

Der Asylbewerber war aus dem Iran geflohen, weil er dort wegen seiner Homosexualität mit der Todesstrafe bedroht wurde. In den USA schilderte er, dass er sein Leben in ständiger Geheimhaltung führte, eine heterosexuelle Ehe als Deckmantel aufrechterhielt und gleichzeitig eine Beziehung zu einem anderen Mann unter ständiger Bedrohung führte.

Seine Anwältin Rebekah Wolf vom American Immigration Council bezeichnete den Fall als ein „klassisches“ Asylverfahren. Gleichzeitig kritisierte sie, dass die Befragung des Richters darauf hindeutete, Antragsteller müssten ihre sexuelle Orientierung auf eine sehr spezielles und erniedrigende Weise „nachweisen“, die dabei die reale Gefahr in ihrem Heimatland nicht widerspiegle oder verständlich mache. „Die Sprache ist schlichtweg entsetzlich“, so Wolf. Offenbar soll es zuletzt immer öfter zu solchen demütigenden Verfahren vor US-Gerichten kommen. 

Unverständnis über Sachlage 

Auch US-Rechtsexperten warnen deswegen nun vor möglichen Vorurteilen in solchen Verfahren. Vanessa Dojaquez-Torres von der American Immigration Lawyers Association wies darauf hin, dass Glaubwürdigkeitsprüfungen verzerrt sein können, wenn Richter die Risiken eines Coming-Outs in feindlicher Umgebung schlicht nicht verstehen. Der Fall zeige zudem strukturelle Probleme in den US-Einwanderungsgerichten auf: Richter werden vom Justizministerium ernannt, eine umfassende Aufsicht fehle. Dies könne die Unabhängigkeit und Sensibilität im Umgang mit besonders gefährdeten Antragstellern beeinträchtigen. Der Fall hat in Fachkreisen inzwischen Diskussionen über einen Reformbedarf und die Notwendigkeit einer besseren Ausbildung der Richter im Umgang mit LGBTIQ+-Asylverfahren ausgelöst.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusGALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuellAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Social-Media-Verbot kommt

Regierung verschärft Jugendschutz

Die Bundesregierung plant strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige. Für queere Jugendliche geht es dabei auch um wichtige Schutzräume.
Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.
Kein Geld mehr für LGBTIQ+

Florida streicht Museumsförderung

Das bekannte LGBTIQ+-Museum in Florida verliert seine Förderung. Die Leitung kritisiert den Einfluss neuer Gesetze und fordert politischen Widerstand.
Kuss-Foto löst Hasswelle aus

Todesdrohung nach Familienfeier

Ein harmloses Kuss-Foto eines schwules Paares löst im Netz homophobe Hetze bis hin zu Todesforderungen aus. Das Paar lässt sich nicht einschüchtern.
Droht ein neues LGBTIQ-Verbot?

Aserbaidschans neue Gesetzespläne

Aserbaidschan soll ein Verbot sogenannter „LGBT-Propaganda“ nach russischem Vorbild planen. Einige Abgeordnete dementieren bisher eher halbherzig.
Kampf um die Ehe

Klage gegen die Slowakei

Zwei in Österreich verheiratete Männer kämpfen vor Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe in der Slowakei – und berufen sich auf EU-Recht.
Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.