Bundesweite Segnung für alle Erst 13 von 22 Bistümern bieten homosexuelle Segnungen an
Bisher 13 von 22 Bistümern in Deutschland bieten homosexuellen Paaren Segnungen an. Das Katholische LSBT+ Komitee fordert daher nun kurz vor Ostern eine flächendeckende und vollumfängliche Umsetzung der Segenshandreichung, wie bereits vor einem Jahr im April 2025 von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) beschlossen.
Keine Ausreden mehr
Das Bündnis homosexueller und queerer Katholiken verweist dabei auch auf ein neues Fachbuch mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft“, das Bischöfen und Priestern detailliert Beispiele an die Hand gibt, wie Segensfeiern für schwule und lesbische Paare vollzogen werden können. Es gibt also keinen Platz für Ausreden mehr. Hendrik Johannemann, Co-Sprecher des Katholischen LSBT+ Komitees, dazu: „Insgesamt sehen wir einen großen Flickenteppich an unterschiedlichen Umsetzungsständen und Umsetzungsformen von Segnungen in den deutschen Diözesen – bis hin zu weitgehender Verweigerungshaltung. Einige Bistümer haben die Segenshandreichung offiziell in ihrem Amtsblatt veröffentlicht, andere sie ihren Seelsorger*innen empfohlen. Weitere Diözesen stellen eine Übereinstimmung mit ihrer ohnehin bestehenden pastoralen Praxis fest und sehen keinen weiteren Handlungsbedarf. Die Diözesen Augsburg, Eichstätt, Erfurt, Köln, Passau und Regensburg verweisen lediglich auf die römische Erklärung ´Fiducia supplicans´, wollen die Handreichung selbst aber nicht umsetzen. Andere Diözesen beraten noch über den Umgang damit.“
Johannemann kommentiert dazu weiter: „Ein Flickenteppich unterschiedlichster Umsetzungsstände oder Nicht-Anwendungsformen lässt unsere Kirche unglaubwürdig und inkonsequent erscheinen. Es ist zutiefst unsynodal, wenn sich manche Entscheidungsträger offensichtlich nicht durch die Beschlüsse des Synodalen Wegs gebunden fühlen. Wir fordern eine flächendeckende und vollumfängliche Umsetzung der Segenshandreichung.“
Richtige Segnungen für alle
Sera Renée Zentiks, Co-Sprecherin des Katholischen LSBT+ Komitees, ergänzt: „Wir kämpfen dafür, dass der Segen Gottes queeren Paaren überall offensteht, und zwar gespendet in einem würdigen Rahmen, der der Liebe Gottes und der Liebe der Paare angemessen ist. Den bloßen Verweis auf das, was der Vatikan mit der Erklärung Fiducia supplicans gestattet, empfinden wir als Ohrfeige. Ein Segen, der laut dem vatikanischem Dikasterium für die Glaubenslehre nur im Vorübergehen geschehen, nur wenige Sekunden dauern darf und zudem das Paar an seine angebliche Sündhaftigkeit erinnern soll, wird der Situation der Partner*innen, der Liebe und den in den Beziehungen gelebten Werten in keiner Weise gerecht.“ Das Katholische LSBT+ Komitee ist ein kirchenpolitisches Arbeitsbündnis von Katholiken aus verschiedenen christlichen LGBTIQ+-Gruppen und setzt sich für die Gleichberechtigung von homosexuellen und queeren Personen in der römisch-katholischen Kirche ein.
Rückenwind für die Forderungen innerhalb der Kirche gibt es indes derzeit allerdings leider wenig, seitdem der queerfreundliche Bischof Georg Bätzing den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz im Februar dieses Jahres an Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, übergeben hat. Wilmer begrüßte zwar die Segnungen Homosexueller unter engen Richtlinien, ist aber kein Reformer und hält sich strikt an die offizielle Maxime der Kirche. Im Vatikan indes hat zuletzt erneut Papst Leo XIV. ausgeschlossen, dass es unter seiner Regentschaft eine Änderung der Haltung der Kirche zu LGBTIQ+-Rechten geben wird.