Direkt zum Inhalt

Appell der Drehbuchautoren Dank Rechtsruck in Europa werden queere Stoffe weniger

Von ms - 31.03.2026 - 12:00 Uhr
Appell der Drehbuchautoren
Foto: iStock / fabioderby
ANZEIGE
Loading audio player...

Eine Gruppe von Drehbuchautoren in Europa warnte jetzt vor zunehmender Selbstzensur infolge der wachsenden Macht rechter Parteien in Europa wie auch weltweit – die Folge davon seien weniger kritische Scripts oder Geschichten jenseits des klassischen Mainstreams wie etwas LGBTIQ+-Stoffe. 

Angst bei TV-Sendern und Produzenten

Wie ein Bericht der Europäischen Drehbuchautorenvereinigung (FSE) zeigt, übt dies „einen paralysierenden Effekt“ auf Kreative aus, der bereits die Entwicklung von Film- und Fernsehprojekten beeinflusse. Die Autoren erklären, dass sich in den vergangenen zehn Jahren weltweit „ein grundlegender Wandel in politischen Überzeugungen und Werten“ vollzogen habe, der die Unterstützung für rechtsextreme Parteien deutlich erhöht habe. Besonders betroffen seien aktuell Regierungen in Kroatien, Tschechien, Finnland, Ungarn, der Slowakei, Schweden und Italien, die alleine oder in Koalition regieren.

Die FSE kritisiert so, dass kreative Entscheidungen zunehmend „subjektiv über das kreative, kommerzielle und Publikums-Potenzial von Projekten“ getroffen würden, „auch in frühen Entwicklungsphasen“. Laut dem Bericht seien viele TV-Sender und Produktionsfirmen inzwischen dazu gezwungen, Programme so anzupassen, dass sie keine Kritik von einflussreichen Rechtsextremen auf sich ziehen. „Die Risikostrategien führen dazu, dass sich Kreative von Geschichten fernhalten, die problematisch sein könnten, wie etwa Themen zu Migration oder LGBTIQ+“, heißt es.

Abhängigkeit von Förderinstanzen 

Besonders kritisch wird das Vorgehen der ungarischen Regierung sowie der früheren polnischen Regierung hervorgehoben. Der Bericht betont so weiter: „Der paralysierende Effekt trifft auch die Kreativen selbst. Drehbuchautoren präsentieren Projekte nur noch denen, die sie für interessiert halten. Genres wie romantische Komödien, Abenteuer- oder Historienstoffe sind gefragt, während Geschichten über Migration oder LGBTIQ+-Themen oft zurückgestellt werden.“ Die FSE weist zudem auf die starke Abhängigkeit der europäischen Film- und Fernsehindustrie von öffentlichen Fördermitteln und staatlichen Agenturen hin. Diese Abhängigkeit erhöhe das Risiko, dass weniger Arbeitsmöglichkeiten für Drehbuchautoren verfügbar seien.

Die Situation sei in den USA noch kritischer. 2023 wurden dort weniger als die Hälfte der in Europa produzierten Spielfilme und rund 60 Prozent der Serien hergestellt. Der Bericht nennt die Trump-Administration als möglichen Einflussfaktor auf europäische Projekte und warnt vor einer Schwächung der rechtlichen und politischen Grundlagen des europäischen audiovisuellen Sektors. „Die Ablehnung der EU-Regulierungen durch die extreme Rechte, kombiniert mit der Skepsis der Trump-Administration gegenüber Vorschriften, die US-Unternehmen angeblich schaden, gefährdet die Grundlagen des europäischen audiovisuellen Sektors“.

Leugnung der Krise?

Die FSE bezeichnet zudem die Schließung des umbenannten Trump Kennedy Centers als „besorgniserregend für die globale Meinungsfreiheit“ und kritisiert die Äußerungen von US-Vize J.D. Vance, der die Meinungsfreiheit in Europa im Rückzug sieht. Die Organisation fordert ihre Mitglieder auf, Fälle von Zensur und umstrittene politische Entscheidungen zu dokumentieren, um europaweit Initiativen zur Sicherung der künstlerischen Freiheit zu unterstützen. „Wir leben in einer Zeit echter Krise. Aber Krisen lösen sich nicht, indem man ihre Existenz leugnet. Drehbuchautoren haben das Recht und die Verantwortung, der Erosion der Meinungsfreiheit zu widerstehen, sich gegen diejenigen zu stellen, die ihnen vorschreiben wollen, was, wie oder ob sie schreiben dürfen, und für die Bedeutung und Kraft ihrer Geschichten einzutreten.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungVeranstaltung in Garching: Fundamentalistische Hassbotschaften im BürgerhausDER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusGALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frauen und Schwulenpornos

Besonderer Reiz für die Damenwelt

Die Hälfte des Publikums schwuler Pornos auf Pornhub ist inzwischen weiblich. Studien zeigen, warum Frauen Sex zwischen Männern so interessant finden.
Spätes Coming-Out mit 40

Saunabesuche, Sex und Politik

Der bekannte britische Radiomoderator Iain Dale spricht über Homophobie bei den Tories, sein spätes Coming-Out und sein früheres Sexleben.
Polizeieinsatz bei Halk TV

Türkei geht erneut gegen Medium vor

Nach einer Razzia bei Halk TV in der Türkei übernimmt der Staat jetzt die Kontrolle. Die Opposition kritisiert den Eingriff in die Pressefreiheit.
Social-Media-Verbot kommt

Regierung verschärft Jugendschutz

Die Bundesregierung plant strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige. Für queere Jugendliche geht es dabei auch um wichtige Schutzräume.
Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.
Kein Geld mehr für LGBTIQ+

Florida streicht Museumsförderung

Das bekannte LGBTIQ+-Museum in Florida verliert seine Förderung. Die Leitung kritisiert den Einfluss neuer Gesetze und fordert politischen Widerstand.
Kuss-Foto löst Hasswelle aus

Todesdrohung nach Familienfeier

Ein harmloses Kuss-Foto eines schwules Paares löst im Netz homophobe Hetze bis hin zu Todesforderungen aus. Das Paar lässt sich nicht einschüchtern.
Droht ein neues LGBTIQ-Verbot?

Aserbaidschans neue Gesetzespläne

Aserbaidschan soll ein Verbot sogenannter „LGBT-Propaganda“ nach russischem Vorbild planen. Einige Abgeordnete dementieren bisher eher halbherzig.
Kampf um die Ehe

Klage gegen die Slowakei

Zwei in Österreich verheiratete Männer kämpfen vor Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe in der Slowakei – und berufen sich auf EU-Recht.