Direkt zum Inhalt

Vielfalt wird bedroht Belarus verschärft Gesetz gegen "queere Propaganda"

Von mr - 24.03.2026 - 19:30 Uhr
Belarus verschärft Gesetz gegen "queere Propaganda"
Foto: © iStock / Kajdi Szabolcs
ANZEIGE
Loading audio player...

Am 13. März hat die Abgeordnetenkammer in Belarus ein neues Gesetz verabschiedet, das mit bis zu 15 Tagen Haft oder einer Geldstrafe die „Propaganda von homosexuellen Beziehungen, Geschlechtswechsel, Kinderlosigkeit oder Pädophilie“ unter Strafe stellt. Dieses Gesetz, das noch vom Oberhaus sowie von Präsident Alexandr Lukaschenko unterzeichnet werden muss, folgt dem Vorbild der russischen Anti-LGBTIQ+-Gesetze – eine Entwicklung, die viele Menschenrechtsorganisationen alarmiert.

 

Strafandrohung und unklare Begriffe

Die Initiative, maßgeblich vorangetrieben vom belarussischen Generalstaatsanwalt Andrei Schwed, codiert die Anti-LGBTIQ+-Haltung erstmals umfassend im belarussischen Recht. Der kritische Punkt: Der Begriff der „Propaganda“ bleibt bewusst schwammig. Menschenrechtsgruppen warnen davor, dass jede öffentliche Sichtbarkeit oder Unterstützung für die Rechte von LGBTIQ+-Personen schnell als Straftat ausgelegt werden könnte. Dies könnte nicht nur Aktivistinnen und Aktivisten, sondern auch unabhängige Medien betreffen, für die Zensur und Verfolgung real werden.

 

Politisch motiviertes Vorgehen

Durch die Gleichsetzung von Homosexualität mit Pädophilie oder der Diffamierung von Regenbogenfamilien geht die Gesetzgebung weit über bloße Diskriminierung hinaus. Expertinnen und Experten sehen das Gesetz als gezielten Versuch, gesellschaftlichen Pluralismus weiter einzuschränken und Protestpotential zu neutralisieren. In Belarus, wo die regimekritische Opposition bereits massiv unterdrückt wird, stellt es einen weiteren Angriff auf Meinungsfreiheit und Vielfalt dar. Auch im geopolitischen Kontext rückt Belarus eng an die repressiven Strategien Russlands und anderer autokratischer Nachbarstaaten, die ihre Einflusssphäre absichern wollen.

 

Systematische Ausweitung repressiver Politik

Nicht zufällig sieht ILGA-Europe in ihrem diesjährigen Bericht für Osteuropa eine „neue Phase systematischer Unterdrückung“. Belarus folgt damit den Beispielen Russlands, Georgiens und Kirgisistans, deren Anti-LGBTIQ+-Initiativen häufig direkt von Moskau inspiriert oder gesteuert werden. Selbst in EU-Staaten wie Ungarn und der Slowakei sind in letzter Zeit ähnliche Tendenzen sichtbar geworden. LGBTIQ+-Gruppen werden gezielt als Sündenbock missbraucht, um autoritäre Macht zu festigen und soziale Polarisierung zu verstärken.

 

Drohende Konsequenzen für Vielfalt

Belarus sendet mit der Verschärfung der LGBTIQ+-Feindlichkeit ein deutliches Signal an alle, die sich für Gleichberechtigung engagieren. Die neue Gesetzgebung spiegelt nicht nur politische Abhängigkeit von Russland wider, sondern birgt das Risiko einer Welle von Strafverfolgungen gegen queere Menschen und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer. Wird Europas östlicher Rand zu einem Labor für Unterdrückung, oder scheint, trotz der Repressionen, noch Hoffnung für Vielfalt und Menschenrechte?

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDRegenbogenbank in Berliner Tiergarten nach CSD-Anschlag erneut beschädigttazTürkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängterDie PresseBei aller Liebe, keinen Sex bitte: Mareike Fallwickls neuer Roman [premium]Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

36 Jahre Deutsche Einheit

Leben nach dem Mauerfall

Vom Mauerfall bis zur Ehe für alle: Für LGBTIQ+-Menschen brachte die deutsche Einheit neue Freiheiten – aber auch unerwartete Rückschritte.
NHL entdeckt „Heated Rivalry“

Schwule Romanze soll Fans locken

Mit der PR-Aktion „Hot for Hockey“ greift die NHL den Erfolg von „Heated Rivalry“ auf – doch die Marketingstrategie stößt bei Fans auf viel Kritik.
Tom Ford zeigt Haut

Männer-Tanga wird Luxusmode

Tom Ford macht den Männer-Tanga zum Luxus-Look: Kreativdirektor Haider Ackermann verbindet in Paris schwulen Sexappeal mit eleganter Herrenmode.
US-Basketball-Coach sagt Ja

Liebe auf den ersten Blick

US-Basketballtrainer Matt Lynch und Cody Aaron haben sich nach mehr als zwei Jahren Beziehung verlobt – die Hochzeit soll 2027 folgen.
Mehr Schutz in Bangladesch

Petition gegen Diskriminierung

Studenten und Aktivisten in Bangladesch fordern mit einer Petition besseren Schutz für LGBTIQ+-Menschen und ein Ende der Diskriminierung.
Abstimmung über die Ehe

Virginias Änderung der Verfassung

Der US-Bundesstaat Virginia stimmt darüber ab, die Ehe für Homosexuelle in seiner Landesverfassung zu schützen. Ein Schritt mit viel Symbolkraft.
Eklat in Österreich

Streit um queere Touristen

Die FPÖ will Pride- und LGBTIQ+-Themen aus Österreichs Tourismuswerbung zurückdrängen – andere Parteien widersprechen.
Am Ende des Regenbogens

Kulturkampf in den Niederlanden

Niederlands Gemeinde Oldebroek will seine LGBTIQ+-Politik abschaffen und sorgt damit landesweit für Schlagzeilen und Entsetzen in der Community.
Mord auf den Philippinen

Militär tötet queere Aktivistin

Die trans* Aktivistin Kai Sorem wurde auf den Philippinen getötet. Die bisherigen Untersuchungen legen eine Vertuschung durch das Militär nahe.