Direkt zum Inhalt

Programm AfD Sachsen-Anhalt Linke spricht von "menschenverachtenden Allmachtsfantasien“

ms - 28.01.2026 - 08:00 Uhr
AfD Sachsen-Anhalt
Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur
ANZEIGE
Loading audio player...

Die AfD in Sachsen-Anhalt hat einen umfangreichen Entwurf für ein Wahlprogramm vorgelegt, der zeigt, wie die Partei das Land im Falle einer Regierungsübernahme grundlegend umbauen will. Vorgesehen sind weitreichende Eingriffe in die Familien-, Migrations-, Schul- und Kulturpolitik – das betrifft auch LGBTIQ+-Themen. Der rund 150 Seiten starke Text soll im April auf einem Landesparteitag beschlossen werden. Zuvor hatte der MDR darüber berichtet.

Absolute Mehrheit möglich

In Sachsen-Anhalt sowie in Mecklenburg-Vorpommern wird im September gewählt. In aktuellen Umfragen kommt die AfD dort auf Zustimmungswerte zwischen 38 und 42 Prozent. Je nach Wahlausgang könnte dies für eine absolute Mehrheit reichen. Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hat öffentlich das Ziel von 45 Prozent ausgerufen, um allein regieren zu können. Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird seit 2023 vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft und beobachtet.

Schwerpunkt Familienpolitik 

Einen Schwerpunkt legt die AfD dabei auf die Familienpolitik. Im angedachten Programm bezeichnet sie die Familie als „Keimzelle der Gesellschaft“. Wörtlich heißt es: „Was in der politischen Debatte als ,demographischer Wandel‘ bezeichnet wird, ist nichts anderes als die Überalterung und das Aussterben des Deutschen Volkes.“ Weiter schreibt die Partei: „Wir sprechen uns daher klar gegen die staatliche Bewerbung und Förderung alternativer Lebensentwürfe aus.“ Gefördert werden soll so ausschließlich die heterosexuelle Beziehung zwischen Mann und Frau, andere Familienmodelle wie Regenbogenfamilien demnach nicht. 

Voraussetzung für eine finanzielle Förderung ist außerdem, dass mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und beide Eltern seit mindestens einem Jahr in Sachsen-Anhalt leben. Die Partei führt sinkende Geburtenzahlen überdies teilweise darauf zurück, dass „sexuelle Abweichungen und nicht-reproduktive Lebensweisen mittlerweile mehr Akzeptanz genießen“ würden als die heterosexuelle Ehe. 

Aufnahmestopp, Hausarrest, Fußfesseln

In der Migrationspolitik fordert die AfD einen weitgehenden Kurswechsel. Unter der Überschrift „Einwanderung und Remigration“ kündigt sie an, keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen, die über ein anderes sicheres EU-Land eingereist sind. Kommunen soll ein genereller „Zuzugsstopp“ ermöglicht werden. Kirchenasyl will die Partei nicht anerkennen. Bei der Einreise von Asylsuchenden sollen „Bargeldbestände, Kreditkarten und Vermögenswerte“ beschlagnahmt und für Unterbringung und Verpflegung verwendet werden. Die Unterbringung soll zentral erfolgen, außerhalb von Innenstädten und an Orten, an denen „Konfliktpotentiale“ vermieden würden. 

Alle Formen der Abschiebehaft sollen angewendet werden. Zusätzlich will die AfD „kostengünstige Alternativen“ prüfen, darunter ausdrücklich „die Anwendung von Hausarrest in zentralen Unterkünften und die Nutzung elektronischer Fußfesseln“. Für den Bundesrat kündigt die AfD mehrere Vorstöße an: So will sie das Grundrecht auf Asyl und den subsidiären Schutzstatus abschaffen. Zudem strebt die AfD einen „Aufnahmestopp für Nicht-EU-Ausländer“ an.

Schulreform ohne Regenbogenflaggen

Auch im Bildungsbereich plant die AfD tiefgreifende Veränderungen. Sie will die Wiedereinführung von Haupt- und Realschule prüfen und den inklusiven Unterricht beenden. Kinder mit und ohne Behinderung sollen getrennt unterrichtet und Förderschulen gestärkt werden. Kinder aus geflüchteten Familien sollen in „Sonderklassen“ unterrichtet werden, wenn sie nicht der deutschen Sprache mächtig sind. 

An Schulen sollen täglich Deutschlandflaggen gehisst werden; Regenbogenflaggen sollen verboten werden. Zudem will die AfD das gemeinsame Singen der Nationalhymne als festen Bestandteil schulischer Feiern etablieren. Programme wie „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ sollen nicht mehr gefördert werden. „Abgesehen davon, dass es echten Rassismus kaum noch gibt“, richteten sich solche Initiativen gegen „legitime rechte und patriotische Einstellungen“, schreibt die Partei. Vereine und Initiativen sollen darüber hinaus öffentliche Fördermittel künftig nur noch erhalten, wenn sie „ein glaubhaftes Bekenntnis zur demokratischen Ordnung und zu einer patriotischen Grundhaltung“ ablegen.

Die Linksfraktion im Landtag spricht von „menschenverachtenden Allmachtsfantasien“, die AfD wolle einen autoritären Staat einführen und Grundrechte einschränken, dies sei ein „Szenario des Schreckens für Sachsen-Anhalt und für unsere Demokratie“, so die Vorsitzende der Linken in Sachsen-Anhalt, Eva von Angern.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Von Olympia zu OnlyFans

Jorge Cárdenas geht viral

Mexikos Olympia-Gewichtheber Jorge Cárdenas sorgt mit einem neuen OnlyFans-Account für viel Aufmerksamkeit und will so seine Sportkarriere finanzieren
Bolt-Fahrer verurteilt

Beschimpfungen nach Taxifahrt

Nach homophoben Beschimpfungen und einer bedrohlichen Situation in Berlin ist ein Bolt-Fahrer jetzt zu 800 Euro Geldstrafe verurteilt worden.
Wirbel um Escort-Recherche

Undercover unter US-Republikanern

US-Influencer Nick Pringle gab sich bei einem Republikaner-Treffen als schwuler Escort aus – und berichtet jetzt von vielen Morddrohungen.
Absage an bisexuelle Männer

Bisexualität und die Partnerwahl

Eine neue YouGov-Umfrage zeigt: Heterosexuelle Frauen lehnen Dates mit bisexuellen Männern deutlich häufiger ab als umgekehrt.
Gewalt unter Frauen

Häusliche Gewalt in der Community

Gewalt gibt es auch in lesbischen Beziehungen. Doch Vorurteile und fehlende Hilfsangebote können es Betroffenen zusätzlich erschweren.
Darts-Star wird attackiert

Homophober Hass nach Liebesfoto

Darts-Star Beau Greaves machte ihre Beziehung zu Shan Reeves öffentlich – und wurde daraufhin jetzt mit homophoben Kommentaren konfrontiert.
Pornhub unter Aufsicht

Prüfung der Alterskontrolle

Die britische Medienaufsicht Ofcom untersucht, ob Pornhubs neue Alterskontrolle Kinder wirksam vor Pornografie schützt. Es drohen Millionenstrafen.
Russlands Jagd im Ausland

UN-Bericht warnt vor Verfolgung

Ein neuer UN-Bericht wirft Russland vor, Kritiker und LGBTIQ+-Personen selbst nach ihrer Flucht ins Ausland weiter zu verfolgen.
Konsequenzen Fall Cavelius

Judoka lebenslang gesperrt

Nach der brutalen Attacke auf den schwulen Judoka Timo Cavelius sperrt der Deutsche Judo-Bund Akaki Japaridze lebenslang für die Bundesliga.