Neue Intimität durch KI Risiken oder Chancen für die LGBTIQ+-Community?
Technologie prägt zunehmend, wie wir Sexualität erleben. Zwei internationale Umfragen des schwedischen Unternehmens LELO zeigen jetzt die wichtigsten Entwicklungen im Jahr 2026 auf und verdeutlichen, wie sich die Gewohnheiten in der Intimsphäre verändern. Der Blick auf die Ergebnisse offenbart, dass Künstliche Intelligenz (KI), Fern-Intimität und körperliche Aktivität zu zentralen Aspekten einer Sexualität werden, die als Teil des allgemeinen Wohlbefindens verstanden wird – ein Ansatz, der auch die LGBTIQ+ Community zunehmend betrifft.
Künstliche Intelligenz in der Intimsphäre
Laut der Umfrage IntimA.I.cy, die von LELO in Zusammenarbeit mit Censuswide durchgeführt wurde, haben 60 Prozent der insgesamt 6.000 Befragten aus Italien, Frankreich, Spanien, Großbritannien, den USA und Schweden Künstliche Intelligenz für ihre sexuelle oder zwischenmenschliche Kommunikation bereits genutzt. Besonders hohe Nutzungsraten sind in den Mittelmeerländern zu verzeichnen: Spanien (81%), Italien (71%) und Frankreich (70%) stechen hervor.
Generell zeigt sich, dass Männer KI häufiger benutzen als Frauen, wenn es um ihr sexuelles Erleben geht. Zudem ist der Trend besonders stark ausgeprägt in den jungen Generationen Z und Y, die sich zu über 20 Prozent als LGBTIQ+ definieren. Darüber hinaus verwendet rund jeder dritte Befragte die KI auch, um Fantasien oder Rollenspielideen zu entwickeln. Jeder Fünfte erhofft sich, durch die KI sein Selbstbewusstsein zu stärken.
Individuelle KI – gerade auch für LGBTIQ+-Menschen
KI beflügelt dabei nicht nur das Denken rund um die Sexualität, sondern auch ganz praktisch den Alltag. In Schweden hat der Sexspielzeughersteller LELO so bereits einen männlichen Masturbator entwickelt, der sich adaptiv an die Reaktionen des Benutzers anpasst und dabei die Erfahrung in Echtzeit moduliert. Auch das wird immer mehr offenbar zum Trend: Menschen suchen nach Geräten, die sich an ihre persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse anpassen. So wird Lust zu einer individuelleren und bewussteren Erfahrung.
Gerade für viele Menschen in der LGBTIQ+-Community stelle diese Art der Selbstbestimmung eine wichtige Möglichkeit dar, die eigene Sexualität ohne die Einschränkungen von heteronormativen Modellen zu erforschen und zu leben, betonten die Forschungsautoren.
Intimität auf Distanz
Ein weiterer Trend, der sich im Jahr 2026 demnach fest etabliert, ist die Intimität auf Distanz. Die sogenannte Teledildonik hat enorme Fortschritte gemacht. Heute nutzen Paare stabilere Bluetooth-Verbindungen und Biofeedback-Technologien, um ihre Intimität zu teilen, selbst wenn sie körperlich getrennt sind. Moderne Geräte ermöglichen es so den Partnern, die Kontrolle über Geräte zu teilen, während sie in einer privaten Chat-Room-Umgebung innerhalb der App kommunizieren.
Psychotherapeutin und Sexualwissenschaftlerin Valentina Cosmi betonte dazu: „In einer dynamischen Welt, in der Paare oft über längere Zeiträume getrennt sind, sei es durch Arbeit oder familiäre Verpflichtungen, wächst die Nachfrage nach Möglichkeiten, Intimität auch auf Distanz zu erleben.“
Körperliche Fitness und sexuelle Gesundheit
Neben der Technologie zeigt sich ein weiterer wichtiger Trend in den Sexualitätsgewohnheiten: der Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und sexueller Gesundheit. Eine zweite Umfrage von LELO unter 4.635 Personen in Nordamerika und Europa zeigt, dass 72 Prozent der Befragten glauben, regelmäßige körperliche Aktivität verbessere ihre Ausdauer und Leistung im Bett. 44 Prozent sehen sexuelle Aktivität als eine Form von körperlicher Übung, ähnlich einem täglichen Training.
Expertin Cosmi verweist auf jahrzehntelange wissenschaftliche Erkenntnisse, die den Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness, Wohlbefinden und Sexualität belegen: „Der Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung und Sexualität ist seit vielen Jahren bekannt und in zahlreichen internationalen Studien untersucht worden. Die körperliche Aktivität und die damit verbundene Freisetzung von Hormonen fördern nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern wirken sich auch positiv auf die sexuelle Gesundheit aus.“
Sexualität ändert sich
Das Fazit der Studienautoren: Die Integration von KI zeige, dass Sexualität nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen lebt, sondern auch durch moderne Technologien ergänzt werden kann. Die Entwicklungen bieten dabei neue Möglichkeiten für Selbstentfaltung und Selbstpflege, was zu einer bewussteren und erfüllteren Sexualität führe. Für das Jahr 2026 scheint der Schlüsselbegriff Integration zu sein: die Verbindung von Technologie und Körper, von Verlangen und mentaler Gesundheit, von individueller Autonomie und zwischenmenschlicher Verbindung. Diese Veränderungen könnten nicht nur die Art und Weise, wie wir Sexualität leben, sondern auch unsere Wahrnehmung von Wohlbefinden und Beziehung im Allgemeinen nachhaltig prägen, so die feste Überzeugung der Studienautoren.